Immobilienwirtschaft 3/2025

92 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Nachhaltigkeit & Technologie Gewerbeimmobilien 4 Dachverpachtung: Der Eigentümer stellt seine Dachfläche gegen feste Pacht zur Verfügung; Bau, Betrieb und Finanzierung liegen beim Pächter. Lohnend, wenn Einspeisevergütungen hoch sind oder das Dach logistisch attraktiv liegt. Der Vermieter erhält stabile Zusatzeinnahmen, ohne selbst investieren oder haften zu müssen. 5 Anlagenpacht (Leasing): Existiert bereits eine PV-Anlage, kann der Eigentümer sie an einen Nutzer – meist einen Mieter – verpachten. Der Pächter übernimmt Betrieb, Wartung und Vermarktung; die Pacht Auf Basis dieser Vorprüfung entscheiden Planer, ob Speicher, Einspeisemanagement oder Netzverstärkungen erforderlich sind. Richtig dimensionierte Batteriesysteme glätten Bedarfsspitzen, erhöhen den Eigenverbrauch und ermöglichen Zusatzerlöse am Regelenergiemarkt: Eine zugesagte Leistungsreserve wird innerhalb von Sekunden bereitgestellt oder aufgenommen, um die Frequenz stabil bei 50 Hertz zu halten; vergütet werden sowohl Bereitstellung als auch Einsatz. Fernwirktechnik und direkt angebundene Wechselrichter sichern dabei schnelle, netzdienliche Reaktionen. Das Gelingen setzt eine frühe Abstimmung zwischen Eigentümern, Netzbetreibern und Energieversorgern voraus. Realistische Erzeugungs- und Lastprognosen sowie Klarheit über nötige Infrastrukturmaßnahmen – etwa verstärkte Trafostationen – schaffen Planungssicherheit und halten den Zeitplan auf Kurs. DIE BETREIBERMODELLE Beim wirtschaftlichen Einsatz von Photovoltaik auf Gewerbeimmobilien haben sich verschiedene Grundmodelle etabliert, die sich in Investitionslast, Risikoverteilung und Erlösmechanik deutlich unterscheiden. Wer im Gebäude viel Strom verbraucht, fährt mit dem Eigenverbrauchsmodell am besten, geringe Lasten sprechen für die Volleinspeisung; wer Kapital und Verantwortung scheut, greift zu Contracting, Dach- oder Anlagenpacht. Mieterstrom liefert Zusatzrendite, braucht aber sauber geschnürte Verträge. 1 Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung: Die Anlage deckt vorrangig den Bedarf der Immobilie; nur Überschüsse gehen vergütet ins Netz. Batteriespeicher und intelligentes Lastmanagement heben die Eigenverbrauchsquote deutlich – ein Plus für Produktionshallen, Bürokomplexe oder Standorte mit Ladepunkten und Wärmepumpen. Je stärker Wärme und Mobilität elektrifiziert werden, desto mehr lohnt sich dieses Modell: Sinkende Strombezugskosten treffen dabei auf stabile Erzeugungspreise. 2 Volleinspeisung: Hierbei fließt der gesamte Solarstrom ins öffentliche Netz – ideal für Gebäude mit großen Dachflächen und geringem Eigenverbrauch, etwa Lagerhallen oder Parkhäuser. Ab 100 Kilowattpeak (kWp) – der installierten Spitzenleistung unter Standardtestbedingungen – greift die Direktvermarktung: Ein Händler platziert den Strom an der Börse, der Betreiber erhält zusätzlich eine Marktprämie. Hohe Spotpreise können die Erlöse steigern, verlangen aber Prognosetools, Bilanzkreismanagement und etwas mehr Betriebsaufwand. Bis einschließlich einem Megawattpeak (MWp) gilt eine feste EEG-Vergütung; erst darüber ist die Teilnahme an den PV-Auktionen der Bundesnetzagentur Pflicht. 3 Contracting: Ein externer Spezialist plant, finanziert, errichtet und betreibt die Anlage. Der Eigentümer zahlt nur den vertraglich festgelegten Arbeitspreis, der sich dynamisch an Marktstrom- und Einspeisepreisen orientiert. Die Vorteile: kein Eigenkapital, kein Technik- oder Vermarktungsrisiko, dafür eine kalkulierbare Stromrechnung und oft eine Option auf Eigentumsübergang nach Vertragsende. FÖRDERKULISSE VERSTEHEN UND AUSSCHÖPFEN Investitionen in Photovoltaikanlagen auf Gewerbedächern profitieren von einer Vielzahl öffentlicher Förderinstru- mente – allen voran das KfW-Programm 270 „Erneuerbare Energien – Standard“. Es unterstützt Unternehmen mit zinsgünstigen Krediten für die Errichtung, Erweiterung oder den Erwerb von PV-Anlagen und dazugehöriger Technik wie Speicher oder Netzanschluss. Je nach Bonität und Laufzeit liegen die Zinssätze deutlich unter Marktniveau, Kredit- beträge bis zu 50 Millionen Euro sind möglich. Die Beantragung verläuft über die Hausbank und muss vor Projektbeginn erfolgen. Ergänzend bieten einzelne Bundesländer und Kommunen gezielte Programme an. In Berlin etwa wird mit SolarPLUS seit 2025 wieder die Installation von PV-Anlagen auf gewerblichen Bestandsgebäuden gefördert – einschließlich Batteriespeicher und Machbarkeitsstudien.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==