9 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 „VIELFALT IST DIE GRUNDLAGE DER INNOVATION. DIE STADT VON MORGEN MUSS HETEROGEN, OFFEN UND NUTZERZENTRIERT GEDACHT WERDEN.“ Thomas Willemeit, Architekt 1 RICS Focus 2025 „Veränderung braucht Mut zur Lücke – und ein neues gesellschaftliches Vertrauen“ Die Herausforderungen sind gewaltig: Klimawandel, Fachkräftemangel, wirtschaftliche Unsicherheit und digitale Transformation stellen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen auf die Probe. Der diesjährige RICS Focus 2025 setzte ein starkes Zeichen für konstruktive Antworten – unter dem Motto: „Innovation erleben – Zukunft gestalten“. Ort des Geschehens: die Pioneer One – das weltweit erste Medienschiff. An Bord: hochkarätige Expertinnen und Experten, innovative Formate und ein Publikum, das bereit war, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Veranstaltung wurde nicht nur auf der Berliner Spree ausgetragen, sondern auch live und kostenfrei in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg, Köln, Leipzig und Stuttgart übertragen. An diesen sieben Standorten haben zusätzliche Panels lokale Perspektiven und Fachwissen eingebracht. Damit hat das hybride Veranstaltungsformat Dialog neu definiert und war bundesweit sehr gut besucht. In seiner Eröffnungsrede betonte Jens Böhnlein MRICS, Vorstandsvorsitzender der RICS Deutschland, die Notwendigkeit einer integrativen Vision: „Zukunft ist zu komplex für Silos. Wir brauchen partizipative Prozesse, technologische Offenheit und strategische Resilienz.“ Der Fokus lag auf drei Schwerpunktthemen: Smart Cities, Megatrends und Krisenmanagement. Wie verändern autonome Mobilität, vertikale Stadtplanung und digitale Bürgerbeteiligung das Verständnis von Urbanität? Was bedeutet es, wenn Künstliche Intelligenz und Individualisierung neue Werte schaffen – und wenn traditionelle Standortlogik durch Erreichbarkeit und Konnektivität ersetzt wird? Einen besonderen Impuls lieferte Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin. Er stellte klar: „Wir befinden uns nicht in einer Krise – sondern in einer Stagnation. Die Stimmung ist schlechter als die wirtschaftliche Realität.“ Und weiter: „Wenn es nicht gelingt, Menschen mitzunehmen, werden die großen Transformationen nicht gelingen.“ Besonders die soziale Komponente sei entscheidend. Zukunftsängste, mentale Erschöpfung und das Festhalten am Status quo verhinderten oft nötige Veränderungen. Fratzscher forderte drei Transformationen: resilientere Lieferketten, eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie – auch mit Blick auf KI – und eine Mobilisierung ungenutzter Fachkräftepotenziale. „Veränderung braucht Mut zur Lücke – und ein neues gesellschaftliches Vertrauen.“ In Panels wurde diskutiert, wie Städte lebenswerter, Immobilienmärkte flexibler und Unternehmen krisenfester werden können. Der Architekt Thomas Willemeit fasste es so zusammen: „Vielfalt ist die Grundlage der Innovation. Die Stadt von morgen muss heterogen, offen und nutzerzentriert gedacht werden.“ Der RICS Focus 2025 war mehr als ein Branchenevent – er war ein Plädoyer für Verantwortung, Weitblick und den gemeinsamen Willen zur Gestaltung. 1 INNOVATION UND ZUKUNFT Jens Böhnlein MRICS, RICS Deutschland (li.), und Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin
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