Immobilienwirtschaft 3/2025

88 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Nachhaltigkeit & Technologie Klimawandel und Immobilien wichtige Rolle, indem sie große Wassermengen speichern und kontrolliert abgeben können. Die naturnahe Gestaltung von Stadtlandschaften trägt ebenfalls zum nachhaltigen Wassermanagement bei. Renaturierte Flüsse und Bäche bieten nicht nur natürlichen Hochwasserschutz, sondern fördern auch die Biodiversität. Auch Feuchtgebiete und Teiche dienen im städtischen Kontext als Wasserspeicher, tragen zur Steigerung der Verdunstungskühlung bei und verbessern die Lebensqualität. Park- und Freianlagen mit Retentionsflächen können bei Starkregen gezielt überflutet werden und so Wasser zurückhalten. Auf Gebäudeebene sind vor allem Regenwassertanks und Zisternen effektive Maßnahmen, um Niederschläge zu sammeln und später als Brauchwasser zu nutzen. Die Entkopplung der Dachentwässerung vom überlasteten Kanalisationssystem ist notwendig, um das Regenwasser nicht mehr abzuleiten, sondern vor Ort zu nutzen und zu versickern. Bei der Umsetzung dieser Konzepte ist es wichtig, zwischen städtischen und architektonischen Maßnahmen zu unterscheiden und auf Praxistauglichkeit zu achten. Die genannten Maßnahmen wirken dem Hitzeinseleffekt entgegen und tragen zur Verbesserung des Mikroklimas in den Städten bei. Sie umfassen den bewussten und reduzierten Umgang mit energieintensiven Rohstoffen wie Beton und Stahl, um Energie einzusparen; die Verwendung wiederverwendbarer und nachhaltiger Materialien, welche nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip in einen Kreislauf zurückgeführt werden können; einen aktiven Verzicht auf Verbundsysteme, welcher dazu beiträgt, dass die Stadt und die Gebäude zu Rohstofflagern der Zukunft werden. KLIMAANGEPASSTE GEBÄUDE Aus all den genannten Maßnahmen leiten sich Folgen für die Immobilienwirtschaft ab. Die Implementierung von Klimaanpassungsmaßnahmen in der Immobilienwirtschaft führt zu verschiedenen wirtschaftlichen Konsequenzen. Besonders hervorzuheben sind die erhöhten Investitionskosten, die höheren Unterhaltungs- und Instandhaltungsaufwendungen sowie die komplexere Modernisierung von Bestandsgebäuden. Bei den Investitionskosten fallen vor allem die Anlage von Rigolen, Zisternen sowie aufwendigere Freianlagen ins Gewicht. Hinzu kommen höhere Dachlasten für die intensivere Begrünung und die umfangreichere Technik, die für klimaangepasste Gebäude erforderlich ist, wie z. B. Wärmepumpenanlagen, Klimatisierungssysteme und Wärmetauscher. Zudem werden auch die Unterhaltungs- und Instandhaltungskosten steigen. Dies betrifft insbesondere die regelmäßige Pflege und Wartung der erweiterten Haustechnik, Zisternenanlagen und die kontinuierliche Pflege von Dachbegrünungen, Versickerungs- und Entwässerungseinrichtungen. Auch die Modernisierung von Bestandsgebäuden wird aufwendiger, wenn klimaangepasste Lösungen implementiert werden sollen. Ein typisches Beispiel hierfür ist die nachträgliche Verstärkung von Dachkonstruktionen, um die höheren Dachlasten durch Wasserrückhaltung (Retention) sowie Begrünung oder Solaranlagen tragen zu können. Diese wirtschaftlichen Faktoren stellen die Immobilienbranche vor neue Herausforderungen und erfordern langfristig betrachtet Investitionen, die sowohl der Klimaresilienz als auch der Nachhaltigkeit von Gebäuden zugutekommen. Somit können auch die Kosten für Schäden in der Zukunft reduziert werden. 1 DAS SYSTEM SCHWAMMSTADT ist ein integrativer Ansatz, der Klimaanpassung und Nachhaltigkeit miteinander verbindet FOLGEKOSTEN Kosteneffekte Klimaanpassung auf die Immobilienwirtschaft: • erhöhte Investitionskosten • höhere Unterhaltungs- und Instandhaltungs- aufwendungen • komplexere Modernisierung von Bestandsgebäuden Quelle: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH 1 Wasserspeicher für Gründächer Erhöhung der biologischen Vielfalt Lärmschutzwand begrünt Regenwasserspeicher Evapotranspiration Kälteinseln Solarenergie

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