Immobilienwirtschaft 3/2025

65 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 sche Wandel sorgt nun dafür, dass in den kommenden Jahren tausende Unternehmen zur Übergabe anstehen. Doch geeignete Nachfolger sind rar, und nicht jeder Eigentümer möchte das Lebenswerk in die Hände eines Konsolidierers legen. Gleichzeitig scheuen potenzielle Nachfolger die regulatorische Komplexität und die geringen Margen traditioneller Geschäftsmodelle. NEU SIND HYBRIDE BETEILIGUNGSFORMEN Hier kommen neue Modelle ins Spiel: So entstehen zunehmend hybride Beteiligungsformen, bei denen Gründer Minderheitsanteile behalten und operativ eingebunden bleiben – oft kombiniert mit einer gemeinsamen Wachstumsstrategie. Für Investoren ergibt sich daraus ein strukturierter Zugang zu regional verankerten Unternehmen mit gewachsenen Kundenbeziehungen. Für Eigentümer bleibt ein Stück Identität erhalten. Zudem gewinnen Netzwerke wie der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) oder PropTech-Verbundinitiativen wie die German Platform for Technology and Innovation (gpti) an Bedeutung. Sie bieten allen Playern Zugang zu Knowhow, digitaler Infrastruktur und Markteinblicken – und stärken damit ihre Unabhängigkeit gegenüber großen Plattformen. Auch neue Ausbildungsmodelle und Qualifizierungsprogramme tragen dazu bei, die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern und Fachkräfte langfristig zu binden. Ein weiterer Treiber des strukturellen Wandels ist die stets dynamische ESG-Regulatorik. Die Anforderungen aus EU-Taxonomie, Lieferkettengesetz oder GEG wirken tief in die Verwaltungspraxis hinein. Immobilienverwalter müssen nicht nur gesetzeskonform dokumentieren, sondern auch strategische Beratung leisten – etwa zur CO2-Bilanz oder zur Sanierungsplanung. Die Integration entsprechender Standards erfordert Investitionen in Prozesse, Personal und Technologie. Doch wer hier frühzeitig aktiv wird, kann sich als kompetenter Partner für Eigentümer und Investoren profilieren. Auch internationale Vorbilder liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Marktes. In den BEISPIELE FÜR NEUE GESCHÄFTSMODELLE • Konsolidierungsunternehmen, wie Deutsche Hausverwaltung Plus oder Erste Hausverwaltung, die mit Buy-and-Build-Strategien und institutioneller Finanzierung auf Konsolidierung setzen. • Matera als softwarebasierte Plattform für Eigentümerverwaltung – von erfahrenen Investoren getragen. • Dienstleister mit modularem Serviceansatz, die Verwalter bei Buchhaltung, Kommunikation oder Reporting digital unterstützen, ohne selbst zu verwalten. USA etablieren sich zunehmend Plattformmodelle, bei denen Technologie, Reporting und Kommunikation zentral gesteuert werden – kombiniert mit offenen API-Strukturen für die nahtlose Integration unterschiedlichster PropTech-Lösungen. Ein Beispiel dafür ist AppFolio (www.appfolio.com), ein Anbieter cloudbasierter Verwaltungssoftware, der besonders im mittelständischen Property-Management-Segment aufgrund seines hohen Automatisierungsgrads breite Anwendung findet. DAS AUSLAND MACHT'S VOR – DEUTSCHLAND ZIERT SICH NOCH In Großbritannien treiben öffentlich-private Partnerschaften die Etablierung digitaler Standards in der Mietverwaltung voran. Housemark (www.housemark.co.uk), eine Tochter der National Housing Federation, unterstützt Gesellschaften mit datenbasierten Benchmarks und Prozessoptimierung. Auch Unternehmen wie Plentific (www.plentific.com), eine Plattform für digitales Instandhaltungsmanagement, setzen neue Maßstäbe in Bezug auf Integrationstiefe und Skalierbarkeit. Solche Ansätze könnten auch in Deutschland verstärkt zum Tragen kommen – vorausgesetzt, die Softwarelandschaft öffnet sich konsequent für standardisierte Schnittstellen und transparente Datenkommunikation. Gleichzeitig bedarf es gezielter Investitionen, etwa durch institutionelles Wachstumskapital, um innovative Verwaltungsmodelle nachhaltig zu entwickeln. Besonders KI-basierte Lösungen haben das Potenzial, in naher Zukunft tiefgreifende Veränderungen in der Branche auszulösen – etwa in der automatisierten Entscheidungsunterstützung, im Reporting oder im Schadenmanagement. Die entscheidende Herausforderung liegt nun darin, diese technologischen Möglichkeiten strukturiert, verantwortungsvoll und mit unternehmerischer Weitsicht zu begleiten, was bereits bei etlichen heimischen PropTech-Unternehmen geschieht. Letztlich zeigt sich: Die einst wenig beachtete Hausverwalterbranche ist heute ein hochdynamischer Markt im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation. Wer ihn versteht, erkennt nicht nur Risiken, sondern vor allem Chancen – für nachhaltiges Wachstum, moderne Dienstleistungen und neue unternehmerische Modelle. 1 DEUTSCHE PLATTFORM Matera bringt frischen Wind in die fragmentierte Verwalterlandschaft hierzulande 2 BLICK INS AUSLAND Plattformen wie FirstService Residential oder Housemark gelten als Vorreiter 2

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