Immobilienwirtschaft 3/2025

64 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Venture Capital leister auf den Plan. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, digitale Standards zu etablieren und operative Effizienz zu heben. Viele dieser Start-ups bringen eine ganz eigene Dynamik in die Branche: kurze Entwicklungszyklen, skalierbare Lösungen und einen starken Fokus auf das Nutzererlebnis. Ihre Tools reichen von Self-Service-Portalen für Eigentümer über API-basierte Schnittstellen bis hin zu datengestützten Entscheidungsmodellen für Wartung und Sanierung. All diese Entwicklungen zeigen: Die Branche steht nicht nur vor einem technologischen, sondern auch vor einem strukturellen Wandel – mit weitreichenden Konsequenzen für Geschäftsmodelle, Marktrollen und Wettbewerbsdynamiken. BUY AND BUILD: DAS MODELL DER STUNDE Das dominierende Modell der Stunde heißt Buy and Build: Kleinere Verwaltungen werden übernommen, unter einer neuen Marke zusammengeführt und technologisch wie operativ vereinheitlicht sowie optimiert. So lassen sich Skaleneffekte und Effizienzgewinne realisieren. Ein Fokus liegt klar auf der Technik: CRM-Systeme wie Casavi oder ETG24, automatisierte Abrechnung mit Tools wie Immofolia, automatisiertes Schadensmanagement via ImmoCare Solutions – viele dieser Lösungen sind längst Alltag in wachsenden Gesellschaften. Allerdings verläuft die Integration übernommener Verwalter nicht immer reibungslos. Unterschiedliche Systemlandschaften, gewachsene Unternehmenskulturen und regionale Marktbesonderheiten können den Integrationsprozess verlangsamen oder sogar Reibungsverluste verursachen. Kleinere und mittlere Unternehmen stehen angesichts der Marktdynamik vor einer Richtungsentscheidung: verkaufen, wachsen oder unabhängig bleiben? Ein Verkauf kann Liquidität, Entlastung und Zugang zu digitalen Tools bedeuten – doch es drohen auch kulturelle Brüche, Identitätsverluste und potenzieller Qualitätsverfall. Wer unabhängig bleibt, setzt zunehmend auf Nischenstrategien, Kooperationen und modulare Technologien. Besonders in Großstädten entstehen Plattformmodelle, die Einkaufsmacht und IT-Infrastruktur bündeln, ohne operative Kontrolle aufzugeben. Parallel dazu entstehen neue Allianzen – etwa in Form gemeinsamer Einkaufspools, kooperativer Plattformprojekte oder Shared-Service-Modelle für Buchhaltung und Kommunikation. Zudem gewinnen ESG-Positionierungen auch im Verwaltungsalltag an Bedeutung: Wer klare Prozesse für Energieeffizienz, Mülltrennung oder Mietermitwirkung etabliert, kann sich auch ohne Exit strategisch differenzieren. Ein Blick ins Ausland zeigt: In den USA und Skandinavien gehen Digitalisierung und Konsolidierung oft Hand in Hand. Plattformen wie FirstService Residential oder Odevo gelten als Vorreiter dieses Modells. In dieser Gemengelage rückt auch das Thema Nachfolge verstärkt in den Fokus. Viele der heute aktiven Hausverwaltungsunternehmen wurden in den 1980er und 1990er Jahren gegründet – nicht selten als inhabergeführte Betriebe. Der demografiGründe, warum Start-ups im Hausverwaltermarkt momentan von Risikokapitalgebern finanziert werden Matthias Voss, Gründer von 991 Capital, unterstützt Gründer bei der Vorbereitung von Finanzierungsrunden und sieht die Entwicklung ebenfalls: „Im letzten Jahr haben unsere Kunden über fünf Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt. Aus unserer Perspektive werden Start-ups im Hausverwaltermarkt momentan aus zwei Gründen von Risikokapitalgebern finanziert“: 1 Faktor 1: Ein riesiger, fragmentierter Markt mit enormem Aufholbedarf Der Hausverwaltermarkt ist riesig, stark fragmentiert, schlecht digitalisiert und steht unter Druck. Wenn man den Homeservices-Sektor mit einrechnet, übertrifft er sogar leicht die deutsche Automobilindustrie. 1 Faktor 2: KI als technologischer Wendepunkt Wir befinden uns an einem technologischen Wendepunkt. Die Verbreitung von KI-Agenten hat eine neue Dimension der Automatisierung eingeleitet. Dieser Fortschritt trifft auf einen Markt, der geradezu nach Digitalisierung und Effizienzsteigerung schreit. Risikokapitalinvestoren: Trifft eine solche Kombination auf ein starkes, ambitioniertes Team, werden Risikokapitalinvestoren auf der ganzen Welt hellhörig. ALEXANDER STADE bringt als Investor in der Immobilienwirtschaft und Gründer mehrerer Firmen – darunter einer übernommenen Verwaltung sowie KI-basierter Plattformen und Services – eigene Erfahrung mit, wenn es um Wachstum mit Fremdkapital oder operative Skalierung geht. 1

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