Immobilienwirtschaft 3/2025

STUDIERENDE UNTERSUCHEN INSOLVENZEN Die Immobilienbranche kennt kaum größere Skandale als die Insolvenzen des „Baulöwen“ Dr. Jürgen Schneider in den 1990er Jahren und der Signa-Gruppe von René Benko, die 2025 die Branche erschütterte. Was verbindet diese beiden Fälle? Dieser Frage widmeten sich die Studierenden des dritten Mastersemesters Immobilienmanagement der HAWK Holzminden unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne ErtleStraub, Senatorin h.c., im Projekt: „Zwei Pleiten – ein Muster?“ Die Aufgabe: einen direkten Vergleich der beiden Insolvenzen zu ziehen und dabei zentrale Aspekte wie Unternehmensstrukturen, Finanzierungsstrategien, Bewertungsmethoden und die Auswirkungen auf Stakeholder zu untersuchen. Mit Engagement und analytischer Tiefe lieferten Lea Aldag, Brendan Lubs, Lisa Mertensmeier und ihre Kommilitonen beeindruckende Ergebnisse, die zeigen, dass auch junge Talente die drängenden Fragen der Branche beantworten können. Ihr Fazit: Trotz der zeitlichen und wirtschaftlichen Unterschiede weist das Handeln von Schneider und Benko erstaunliche Parallelen auf. Beide Unternehmer nutzten hochkomplexe Firmengeflechte, um Finanzierungsstrukturen zu verschleiern. Während Schneider mit 200 Tarnfirmen operierte, baute Benko ein Netzwerk aus über 1.000 Firmen auf, darunter viele in steuerlich günstigen Ländern wie Luxemburg. Auch bei der Immobilienbewertung arbeiteten beide mit "kreativen" Methoden. Schneider manipulierte Flächen- und Mietangaben, um fiktive Werte zu schaffen, während Benko sich auf das IFRS-Fair-Value-Modell stützte, das bei steigenden Zinsen ins Wanken geriet. Die Folgen waren gravierend: Baustopps, Arbeitsplatzverluste und massive Kreditausfälle. Besonders bemerkenswert ist der Fokus der Studierenden auf die Lehren aus diesen Fällen. Sie betonen die Notwendigkeit von Transparenz, strengeren Regulierungen und einem stärkeren Fokus auf Compliance. „Unsere Studierenden haben gezeigt, dass sie nicht nur aktuelle Probleme erkennen, sondern auch Lösungen für die Zukunft entwickeln können“, so Prof. Ertle-Straub. Mit ihrer Arbeit setzten die Studierenden ein starkes Zeichen. ZIA KÜRT SYTE ALS „PROPTECH OF THE YEAR“ Bereits zum vierten Mal hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) den „PropTech of the Year Award“ verliehen – diesmal unter der Schirmherrschaft von CBRE. Preisträger 2025 ist die syte GmbH. Das Start-up überzeugte die Jury mit seiner KI-basierten Plattform, die in Sekundenschnelle fundierte Analysen einzelner Immobilien ermöglicht – von der Bebauung über Sanierung bis hin zu ESG-Bewertungen. „Aus der Branche für die Branche“ – so lobte die Jury das datengetriebene Analyse-Tool, das den Aufwand klassischer Standort- und Potenzialanalysen um bis zu 90 Prozent reduzieren soll. Mit nur einer Adresseingabe liefert syte Auswertungen zu Bebauungspotenzial, Förderoptionen, CO2-Einsparungen und mehr – flächendeckend für ganz Deutschland. Dank tiefgreifender Datenintegration, hoher Skalierbarkeit und starkem Umsatzwachstum habe sich syte als Lösung mit Seltenheitswert etabliert. Die Auszeichnung wurde am 4. Juni beim Tag der Immobilienwirtschaft im Berliner Friedrichstadt-Palast verliehen. Als Preisträger wird Syte in die Hall of Fame der ZIA-PropTechPlattform aufgenommen. Im Bild: Nilas Möllenkamp, Senior Key Account Manager, Co-Founder / Co-CEOs Matthias Zühlke und David Nelles sowie Lena Lüpping, Head of Marketing & Growth. Hier geht’s zur ZIA-PropTechPlattform 56 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Campus & Young Leaders Interviews, Meldungen & Co.

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