Immobilienwirtschaft 3/2025

47 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 neten den Verein 2022 mit dem mit 25.000 Euro dotierten Preis „Blauer Kompass“ aus. „Die Tiny Forests dienen vom Zeitpunkt ihrer Pflanzung als grüne Klassenzimmer, die fortan für die Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden können“, heißt es in der Begründung der Jury. Dann diene der Tiny Forest als „RealLabor“, in dem sich die Entwicklung eines Waldökosystems hautnah miterleben lasse: „Im Sinne von Citizens Science können Menschen mit einfachen Mitteln zum Beispiel den Zuwachs der Bäume dokumentieren oder Insekten bestimmen, die den Miniwald bewohnen.“ Aber es gibt auch skeptische Stimmen: „Mit dem Aufwachsen bleiben sicher nur wenige Arten übrig. Ohne Pflege wird das eine Müllhalde. Ein gepflegter Park wäre sinnvoller. In Südeuropa und Mittelamerika kann man solche Parks in jedem Ort sehen“, sagt Prof. Ernst-Detlef Schulze, ehemaliger Leiter der Abteilung Biochemische Prozesse am Max-Planck-Institut in Jena. TINY FORESTS SIND KEINE "KLIMARETTER" Er sieht eher einen psychologischen Effekt: „In einer Plattenbausiedlung hat ein grüner Baum eine psychologisch positive Wirkung. Wenn zwischen all den tristen Häusern etwas Grün ist, hat es eine nicht zu unterschätzende wohltuende Wirkung auf die Menschen, die dort leben.“ Allerdings werde man auch mit sehr vielen isolierten Tiny Forests in einer Großstadt klimatechnisch nicht viel bewirken können: „Um zum Beispiel Berlin durch Waldeinsatz Kohlenstoff-neutral zu machen, bräuchte es einen großen Teil von Brandenburg dazu: nämlich ungefähr die achtfache Fläche des Stadtgebietes von Berlin.“ Allerdings sehen auch die Tiny-Forest-Bewegungen bei allem Enthusiasmus die Mini-Wälder keineswegs als Zauberwälder, die die Erderwärmung stoppen. Die Tiny Forests seien keine Klimaretter, erklärt Tabea Selleneit, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Eberswalde und eine der Projektverantwortlichen bei Miya: „Wir argumentieren lieber mit der Klimaanpassung. Dafür sind Tiny Forests eine sehr gute Methode, vor allem in Städten. Sie speichern sehr viel Wasser nach Extremwasserereignissen. Sie puffern die Temperatur. Sie kühlen und reinigen die Luft, erhöhen die Biodiversität.“ In der Tat stellten Forscher der niederländischen Universität Wageningen in den Tiny Forests eine deutlich höhere Artenvielfalt als in klassischen Vergleichswäldern fest. In elf untersuchten Mini-Wäldern in den Niederlanden entdeckten die Wissenschaftler 934 Tier- und Pflanzenarten. Zudem hätten die winzigen Wälder sechs Millionen Liter Regenwasser gespeichert. Die Büsche würden auch gegen den Hitzestress in der Stadt wirken. In einer Hitzeperiode im Sommer 2020 registrierten die Wissenschaftler am Waldboden 15 Grad und auf der benachbarten Straße 40 Grad Celsius. Den größten Nutzen der Mini-Wälder kann man indes gar nicht messen. „Durch die Pflanzaktionen kommen die Menschen fast spielerisch ins Handeln. Sie werden sehr wahrscheinlich ihr eigenes Verhalten in Sachen Klimaschutz optimieren“, sagt Girardot. Er deutet auf das Schild vor dem Tiny Forest in Altona: „Damit pflanzen wir unsere Vision in die Köpfe der Leute. Wer hier in 15, 20 oder 30 Jahren vorbeigehen wird, erfährt, wie die Idee zu diesem Wald entstanden ist.“ Und wer mag, kann die beiden Mini-Wälder in Altona sogar aus dem Weltraum betrachten. Citizens Forests meldet jeden gepflanzten Tiny Forest der Organisation restor, die auf ihrer Website www.restor.eco weltweit den Waldbestand dokumentiert. 1 PIRATEN Auch im Hort „Oderpiraten“ in Frankfurt/Oder durften die MiyaExperten auf die tatkräftige Mithilfe der Kleinen setzen 2 PFLANZEN Die Tiny-Forest-Bewegungen setzen bei ihren Pflanzaktionen auf einheimische Gewächse 3 UNTERRICHT Grüne Klassenzimmer: Der Verein Miya will Kindern über Naturlernräume wichtige Werte vermitteln 3 2

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