Immobilienwirtschaft 3/2025

26 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Schwerpunkt Bestandssanierung B E S T P R A C T I C E AUS IN- UND AUSLAND Mit Nachhaltigkeit hatte der berühmt-berüchtigte Berliner Altsozi und Bausenator Harry Ristock († 1992) wenig am Hut. Vielmehr wollte er Spekulanten „an den Kanthaken“ kriegen, die Häuser vorsätzlich verkommen ließen, um durch Abriss und Neubau höhere Renditen zu erzielen. Ristock machte die „behutsame Sanierung von Altstadtquartieren“ zum Thema der Internationalen Bauausstellung 1987 und zum Programm der Stadtpolitik. Es ist vor allem ihm zu verdanken, dass eine ganze Reihe von Berliner Kiezen mit ihren verschiedenen Bautypen von der Abrissbirne verschont blieben: Gründerzeithäuser, 1930er-JahreBauten oder Q3A-Platten, die ab den 1950er Jahren auf DDR-Territorium entstanden waren. Berlin verkörpert die Entwicklung des Bauens im Bestand in besonderer Weise: von der roten Ideologie über grün-alternative Konzepte – bis hin zu den schwarzen Zahlen, ohne die alles graue Theorie bliebe. Denn Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind zwei Seiten derselben Medaille: Umnutzung, Sanierung und Wiederverwendung von Materialien, um Emissionen zu vermeiden, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Rahmende muss zu den Top 15 Prozent der energieeffizientesten Gebäude im jeweiligen nationalen Markt gehören, gemessen zum Beispiel über den Primärenergiebedarf laut GEG/Energieausweis. Oder es erreicht durch eine Sanierung eine Energieeinsparung von mindestens 30 Prozent. Zum Vergleich: Der Primärenergiebedarf von Neubauten muss mindestens zehn Prozent unter dem gesetzlichen Mindeststandard des nationalen Baurechts liegen. FÜR INVESTOREN ATTRAKTIV Gütesiegel und Zertifikate wie DGNB, BREEAM oder LEED, die sich ebenfalls an ESG-Kriterien orientieren, spiegeln den ökologischen Standard eines Gebäudes wider und können seinen Wert erhöhen. Als staatliches Immobilienzertifikat gibt es seit 2022 das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) mit den Rangstufen „Plus“ und „Premium“. Solche Auszeichnungen sind zwar keine Voraussetzung für die Beantragung von öffentlichen Fördermitteln. Sie können aber dabei helfen, die Zielerreichung oder die ambitionierte Bauweise nachzuweisen, was sich wiederum positiv auf TEXT Manfred Godek RESSOURCE TRIFFT RENDITE Sanieren im Bestand statt abzureißen ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit. Es ist auch eine wirtschaftlich SINNVOLLE STRATEGIE für Investoren und Asset Manager. Herausragende Beispiele aus dem In- und Ausland für das, was umwelttechnisch machbar und wirtschaftlich darstellbar ist. bedingungen, die es Investoren ermöglichen, mit der Transformation bestehender Gebäude attraktive Renditen zu erzielen. ESG ALS LEITMOTIV Im Jahr 2023 flossen laut dem ifo Institut 65 Prozent aller Hochbauinvestitionen in Bestandsmaßnahmen. Der Großteil entfiel auf gewerbliche Immobilien – die Sanierung von Bürogebäuden, Hotelumbauten und Nachverdichtungen im Einzelhandel. Rund 90 Prozent der deutschen Investmentgesellschaften wollen künftig ebenso viel oder mehr als bisher in Bestand investieren. Sie folgen der Logik der EU-Agenda und den Effekten von ESG-Ratings auf die Geldströme am Kapitalmarkt. Zwei Drittel betonen ausdrücklich, ihre Bestandsinvestitionen an ESG-Kriterien ausrichten zu wollen. Diese bewerten unter anderem die Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen einschließlich der „grauen“ Emissionen aus Baumaterialien. Es geht um transparente Entscheidungsstrukturen und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben, insbesondere der technischen Bewertungskriterien. Das Gebäu1 BESTAND ERHALTEN 2023 flossen laut dem ifo Institut 65 Prozent aller Hochbauinves- titionen in Bestandsmaßnahmen

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