15 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 Dementsprechend belegen Hotels im Projektvolumen-Ranking von bulwiengesa von 2020 bis 2027 nur den fünften Platz – nach Büro, Wohnen, Handel und Logistik. Anspruchsvolle Finanzierungsbedingungen, Unsicherheit über Mietabschlüsse in Randlagen und die Gefahr ausufernder Kosten durch Überraschungen im Bestand bleiben Sorgenfaktoren im Gewerbeimmobilienbereich. Wie der ESG-Dienstleister Deepki in einer Umfrage im Juni 2024 ermittelte, weist jeder zweite Bestandshalter in Europa eine Quote von mindestens 30 Prozent Stranded Assets im Portfolio auf. Angesichts einer gewissen Ratlosigkeit tendieren weiterhin einige Asset Manager zum Abriss. Laut einer Studie der Deutschen Umwelthilfe sind es pro Jahr in Deutschland 14.000 Gebäude, die einem Abriss zum Opfer fallen und zum Bau2 schuttanteil von 50 Prozent am gesamten Müllaufkommen beitragen. Die KVL-Geschäftsführerin Radke bringen solche Entscheidungen in Rage: „Wenn Bestandshalter keine Expertise, sondern Angst haben, wie sie mit einem Stranded Asset umgehen sollen, müssen sie entweder lernen oder den Bestand verkaufen: an Leute, die wissen, wie man mit Bestand umgeht – denn diese gibt es!“ ABRISS ALS ULTIMA RATIO Etwas pragmatischer sehen es ArtInvest-Partner von der Brüggen, der eine allzu poröse Betonstruktur als Abrissgrund formuliert, und HIH-Geschäftsführer Fieber, der den Abriss eines Bürogebäudes in Stuttgart aufgrund einer Deckenhöhe von 2,10 Metern verantwortete. Zwar ist eine individuelle Objektbetrachtung immer notwendig, doch eine grobe Orientierung am Baualter hilft bei der Entscheidung Sanierung versus Abriss: „Bei Gebäuden, die vor den 1980er Jahren errichtet wurden, kann mehr als die Hälfte abgerissen werden. Schadstoffe und eine schlechte Bausubstanz lassen keine wirtschaftlich rentable Sanierung zu“, urteilt Stefan Heselschwerdt, Partner von Drees & Sommer in Köln. Gleichwohl, so die Experten, darf eine Abrissentscheidung niemals ohne eingehende Machbarkeitsstudien erfolgen. ESG-Berater wie Heselschwerdt, aber auch Baudienstleister bringen daher ihre Kompetenzen in der neuen Phase 0 ins Spiel. Vor der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure)-konformen Leistungsphase eins der Grundlagenermittlung setzen sie eine objektspezifische Potenzialanalyse der Immobilie an. „‚Erst grübeln, dann dübeln‘ ist mein Motto. Gerade die öffentliche Hand hätte in der Vergangenheit viel Geld eingespart, wenn sie vor einem Bauprojekt erst einmal detaillierte Machbarkeitsstudien beauftragt hätte“, so Heselschwerdt. Doch die Kommunen denken um und zeigen gemäß den baukulturellen Richtlinien des Bundes mehr Bereitschaft für Bauen im Bestand. Stephen von der Brüggen sieht eine gute Entwicklung: „Planungsämter sind zu Konzessionen beispielsweise im Brandschutz bereit, wenn der Entwickler entsprechende Kompensationsmaßnahmen wie eine Erweiterung der Brandmeldeanlage oder druckbelüftete Treppenhäuser anbietet.“ Dem pflichtet Wolfgang Sigg, Geschäftsführer des Projektentwicklers Schwitzke Project, 1 PROJEKT „SACHS“ Der Umbau einer denkmalgeschützten Bankzentrale in der Kölner Innenstadt zu einem Ort der Begegnung und der Kommunikation 2 DIE DACH- TERRASSE des Projekts „Sachs“ bietet einen spektakulären Ausblick
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