Immobilienwirtschaft 3/2025

13 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2025 lienarten nach einem Refurbishment ist zwar sinnvoll, aber nicht immer investorentauglich. Wir haben bislang zu wenige Praxisbeispiele gelungener Umwandlungen von reiner Büronutzung hin zu Mixed Use.“ STEIGERUNG BEI DER ENERGETISCHEN ERTÜCHTIGUNG Neben den umfassenden Eingriffen in die Immobilie gibt es die rein energetische Ertüchtigung. Für neue Wärmequellen sowie die sanierte Dämmung von Fenstern, Fassaden, Dächern und Kellern wurden von 2021 bis 2023 nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW bundesweit zwar 20 Prozent mehr ausgegeben. Doch angesichts der gleichzeitigen massiven Zunahme der Baukosten bedeutet die Summe von 72 Milliarden Euro im Jahr 2023 eine preisbereinigte Reduzierung des Sanierungsvolumens von sechs Prozent. Da die politische Direktive Dekarbonisierung lautet, also die EU-weite Vorgabe der CO2-Reduktion um 90 Prozent gegenüber 1990, ziehen die meisten Marktteilnehmer die energetische Sanierung der Revitalisierung vor. Eine Expertenbefragung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vom Jahresbeginn 2025 ermittelte eine Wachstumsprognose energetischer Ertüchtigungen je nach Nutzungsart zwischen 34 Prozent (Einzelhandel) und 52 Prozent (Mietwohnungen). Demgegenüber fallen die Wachstumserwartungen für umfassende Repositionierungen mit niedrigen zweistelligen Werten vergleichsweise gering aus. Doch Jens Fieber rechnet hierzulande mit einem Aufschwung dank einer regulatorischen Verschärfung: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir schon bald das englische System mit einem Vermietungsverbot für marode, energetisch schlechte Flächen übernehmen werden.“ Bauen im Bestand – ob umfassende Revitalisierung oder einfache Sanierung – hat sich nicht nur aufgrund von Regulatorik und Nutzererwartungen etabliert, sondern allen voran aufgrund gestiegener Kapitalvolumina. „Bauen im Bestand ist kein Hype, sondern eine Einsicht. Die Beliebtheit des Produkts erklärt sich aus dem gewachsenen Kapital, es gilt wieder die alte Marktregel ‚Follow the money‘“, formuliert es Anastasija Radke, Geschäftsführerin des Immobilienberaters KVL und Vorstandsmitglied im Verband für Bauen im Bestand. Die im Februar 2023 gegründete Brancheninitiative zählt mittlerweile mehr als 180 Mitglieder – mehrheitlich zwar Privatpersonen, aber auch große Marktakteure wie Goldbeck, Edge oder List. Zwar gibt es noch keine einheitliche Studie über abgeschlossene Finanzierungen für Revitalisierungen, doch die Banken werden zum wesentlichen Treiber der Entwicklung. FREMDKAPITAL IST ZUGÄNG- LICHER ALS EIGENKAPITAL Dabei lassen sie sich auch nicht von fehlenden ESG-Standards für grüne Finanzierungen irritieren, wie Stephen von der Brüggen, Partner von Art-Invest in Frankfurt, beobachtet: „Banken schauen auf den Track Record der Entwickler und die Projektgutachten. Da sie nach und nach ein eigenes ESG-Scoring mit Vorzug für Bestand etablieren, gibt es „BAUEN IM BESTAND IST KEIN HYPE, SONDERN EINE EINSICHT. DIE BELIEBTHEIT DES PRODUKTS ERKLÄRT SICH AUS DEM GEWACHSENEN KAPITAL, ES GILT WIEDER DIE ALTE MARKTREGEL ‚FOLLOW THE MONEY‘. “ Anastasija Radke, Geschäftsführerin des Immobilienberaters KVL und Vorstandsmitglied im Verband für Bauen im Bestand 1 SANIERUNG Die umfassende Revitalisierung dieses Büro- gebäudes in der Chausseestraße 23 in Berlin-Mitte ist abgeschlossen

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