Immobilienwirtschaft 2/2025

92 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Nachhaltigkeit & Technologie Gebäudetyp E echten Lösung für den Wohnungsbau werden. Ist der Gebäudetyp E ein Allheilmittel für die an vielen Orten herrschende Wohnungsknappheit? Nein, denn er richtet sich in erster Linie an Wohnungsbaugenossenschaften, kommunale Wohnungsbaugesellschaften und Baugruppen. Private Wohnungsunternehmen hingegen wägen genau ab, ob sich das Modell lohnt. Auch eignet sich der Gebäudetyp E nicht für den Eigentumswohnungsmarkt, was seine Breitenwirksamkeit weiter einschränkt. DER GEBÄUDETYP E ALS LÖSUNG FÜR DEN WOHNUNGSMANGEL? Außerdem stellt sich die Frage, ob der Gebäudetyp E nicht in einem weiteren Kontext gedacht werden sollte. Nehmen wir etwa die Umwandlung leerstehender Büroflächen in Wohnraum. Denn so offensichtlich der Bedarf an neuen Wohnungen ist, so stehen doch gleichzeitig in vielen Städten Büroflächen leer. Die Herausforderung an dieser Stelle lautet allerdings: Der Wechsel von einer Büro- zur Wohnnutzung unterliegt strengen baurechtlichen Vorgaben. Deckenhöhen, Schallschutz, Brandschutzanforderungen und 1 SOLARHAUS Mehrgeschossiger Wohnungsbau von Terhalle in Kamen mit 30 Wohneinheiten für die UKBS Unna 2 EIS UND HOLZ Hybridbauweise, Energieversorgung ohne Gas und Öl, umweltfreundliches Heizen mit Eis und Bauen mit Holz Fensterbrüstungen müssen oftmals auf Neubaustandards gebracht werden. Das treibt die Kosten in die Höhe und verhindert vielerorts eine wirtschaftlich sinnvolle Umwandlung. Dabei ist regelmäßig zu beobachten, dass solche Vorgaben pauschal und ohne Berücksichtigung der realen Gegebenheiten angewandt werden. Doch die Regeln, die für Neubauten zweifellos sinnvoll sind, sind nicht automatisch auch für den Bestand geeignet. Eine pragmatischere Lösung wäre es, eine Art Einfach-Standard-Umwandlung zu etablieren. Diese könnte ermöglichen, dass bestehende Gebäude bei einem Wechsel der Nutzungsart unter bestimmten Bedingungen Bestandsschutz genießen. Dann müssten sie nicht automatisch auf die hohen Anforderungen eines Neubaus angehoben werden. Die Debatte über einfaches und kosteneffizientes Bauen darf sich nicht nur auf den Neubau konzentrieren. Es braucht parallel dazu eine klare Strategie für den Bestand. Wer meint, dass sich das Problem des Wohnungsmangels allein durch Neubau lösen lässt, übersieht, dass bereits bestehende Gebäude ein enormes Potenzial für zusätzlichen Wohnraum bieten – wenn es regulatorisch ermöglicht wird. Der Gebäudetyp E kann also sinnvoll sein, wenn er klug reguliert und in eine umfassendere Bauoffensive eingebettet wird. Doch er ist kein Allheilmittel. Die Politik muss Haftungsfragen lösen, das Mietrecht anpassen und den Gebäudetyp in Bau- und Förderstrategien einfügen. WAS BRAUCHT ES FÜR DEN ERFOLG DES GEBÄUDETYPS E? Man sollte auch beachten, dass die Akzeptanz innerhalb der Branche stark variieren wird. Für kommunale Wohnungsbaugesellschaften könnte der Gebäudetyp E eine schnelle Lösung sein. Für private Entwickler hingegen wird es Jahre dauern, bis Vertrauen in diesen Standard entsteht. Die entscheidende Frage bleibt: Wie mutig und pragmatisch wird die Politik auf Bundes- und Landesebene agieren? Vielleicht wird es in Zukunft auch weitere Lösungswege geben, die über den Gebäudetyp E hinausgehen. Zunächst jedoch müssen dringend die Weichen für ein einfacheres, schnelleres und bezahlbares Bauen gestellt werden. 1 2

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