91 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 effizienz nicht aus dem Blick geraten. Denn nachhaltiges und energieeffizientes Bauen ist kein optionaler Luxus, sondern in erster Linie eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Und diese gilt nicht nur für den Klimaschutz, sondern zunehmend auch mit Blick auf die Betriebskosten und auf die langfristige Werthaltigkeit von Gebäuden. Daher ist davor zu warnen, außer Acht zu lassen, dass der Gebäudetyp E ursprünglich als ganzheitliches Konzept gedacht war: einfach und energieeffizient. Doch in der Praxis zeigt sich, dass diese beiden Ziele nicht immer leicht miteinander zu vereinbaren sind. Die Frage muss daher lauten: Wo genau lassen sich Vorgaben sinnvoll vereinfachen, ohne dass Gebäude langfristig ineffizient werden und damit hohe Folgekosten für Eigentümer und Mieter nach sich ziehen? Wenn der Gebäudetyp E erfolgreich sein soll, dann muss er folglich nicht nur für günstigere Baukosten sorgen, sondern auch klare Vorgaben für Energieeffizienz und Lebenszyklus-Betrachtungen enthalten. Die Einführung praxisnaher Gebäude-Lebenszyklus-Regelungen könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, um nicht nur die Betriebsenergie, sondern auch die graue Energie im Neubau systematisch zu reduzieren. Vielleicht werden schon in der nächsten Zeit weitere Möglichkeiten entstehen, die einfache Bauweisen mit hohen Energieeffizienzstandards besser kombinieren. Denn schon heute gewinnen standardisierte, vorgefertigte Bauelemente und eine gezielte Förderung emissionsarmer Materialien immer mehr an Bedeutung. Ein weiterer Hebel, um Einfachheit mit Energieeffizienz zu verbinden, liegt im modularen und seriellen Holzbau. Serielles Bauen ermöglicht eine industrielle Vorfertigung von Bauteilen, die passgenau auf Energieeffizienz- und Klimaschutzanforderungen abgestimmt werden können. Der Holzbau bietet hier zudem besondere Vorteile: Er ist nicht nur leicht und schnell montierbar, sondern speichert CO2 und lässt sich hervorragend in eine zirkuläre Bauweise integrieren. Dabei beobachten wir regelmäßig, dass modulare Holzbausysteme nicht nur in der Bauzeit erheblich schneller sind, sondern auch durch optimierte Produktionsprozesse Materialeinsparungen ermöglichen – was sich direkt in den Kosten niederschlägt. UND WO BLEIBT DAS E WIE ENERGIEEFFIZIENT? Andererseits stellt sich die Frage, warum der Gebäudetyp E bisher nicht konsequent mit den Potenzialen des seriellen Bauens verbunden wurde. Wer über einfaches Bauen spricht, muss zwangsläufig über serielle Bauweisen sprechen. Erst durch eine Kombination dieser Ansätze kann das E für einfach und das E für energieeffizient tatsächlich zusammengebracht werden – und damit zu einer eine bundespolitische Dimension. Daher lässt sich zusammenfassen: Der Gebäudetyp E ist stellvertretend für eine ganze Bandbreite an Vereinfachungsmodellen zu verstehen. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass eine politische Bekräftigung allein noch keine Umsetzung bedeutet. Die entscheidende Frage bleibt, wie schnell und mutig die neue Bundesregierung die bereits existierenden Modelle in eine praktikable Gesetzgebung überführen wird. SERIELLES MODULARES BAUEN ALS ERGÄNZENDE STRATEGIE Ein weiteres wesentliches Argument für den Gebäudetyp E ist seine Kompatibilität mit dem seriellen modularen Bauen. In einem Land, in dem Bauland ein knappes Gut ist und Genehmigungsprozesse Jahre dauern, müssen schnellere Bauweisen gefördert werden. Das serielle modulare Bauen kann hier eine Schlüsselrolle spielen. Dabei sollte man bedenken, dass Skaleneffekte vor allem dann entstehen, wenn Prozesse und Standards bundesweit harmonisiert werden. Die Frage ist also: Sind Bund und Länder bereit, den Gebäudetyp E respektive die rechtlich sichereren Variationen so auszugestalten, dass sie nicht an bisherigen Hürden etwa zwischen den Bundesländern scheitern? Während die Diskussion über den Gebäudetyp E vor allem um die Baukosten und die rechtlichen Rahmenbedingungen kreist, darf allerdings die Frage der Energie1 PLUS-ENERGIE QUARTIER Im Stuttgarter Klinikum sind 330 Personalwohnungen in nachhaltiger Holzbauweise mit KfW-Standard 40 Plus ent- standen 2 FLAIRWOOD Immprinzip baut günstig für die WBG und setzt damit auf Zielgruppen mit niedrigem Einkommen 3 AH AKTIVHAUS In Weil am Rhein wurde in modularer Holzbauweise bezahlbarer und attraktiver Wohnraum geschaffen 2 3
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