90 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Nachhaltigkeit & Technologie Gebäudetyp E Kosten an andere Stellen – etwa hin zu nachträglichen Sanierungen oder späteren Rechtsstreitigkeiten? Denn regelmäßig ist zu beobachten, dass Kosten, die in der Bauphase eingespart wurden, in der Nutzungsphase doppelt und dreifach zurückkommen. Ein Gebäude mag sich auf dem Papier günstiger errichten lassen, doch wenn bereits nach wenigen Jahren hohe Sanierungskosten entstehen oder die Mieter eine unzureichende Wohnqualität beklagen, hat man am falschen Ende gespart. Auch die Frage der Investitionsbereitschaft privater Unternehmen muss in diesem Zusammenhang diskutiert werden. Wer meint, dass sich der Gebäudetyp E automatisch als neuer Standard durchsetzt, der übersieht, dass viele Bauträger und institutionelle Investoren äußerst zurückhaltend agieren, wenn sie sich auf rechtliches Neuland begeben sollen. Ohne eine verlässliche rechtliche Grundlage und ohne eine klare Haftungsregelung wird der Gebäudetyp E daher eher theoretisches Modell bleiben als eine tatsächliche Lösung für den Wohnungsbau. Vielleicht wird es in Zukunft einfacher sein, eine Balance zwischen einfacher Bauweise und Rechtssicherheit zu ermöglichen. Doch bis zum heutigen Tage steht ein solcher Balanceakt noch aus. Was mit der Debatte um den Gebäudetyp E allerdings schon jetzt erreicht wurde, ist eine Neubetrachtung des bisherigen Bauens. Von Nord bis Süd wird das traditionelle Bauen hinterfragt – zumindest für den Wohnungsbau. Bayern testet derzeit 19 Pilotprojekte im Rahmen des Programms „Einfach Bauen“. Schleswig-Holstein geht mit dem Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ neue Wege, indem es über Förderungen gezielt Anreize für einfacheres und kostengünstigeres Bauen setzt. Auch Hamburg hat mit seinem kürzlich vorgestellten „Hamburg-Standard“ eindrucksvoll vorgerechnet, wie durch gezielte Vereinfachungen Baukosteneinsparungen von bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter erzielt werden können. Diese Modelle sind der richtige Weg. Sie zeigen, dass vereinfachtes Bauen möglich ist, wenn es klug reguliert wird. Wer bezahlbaren Wohnungsbau fördern will, sollte diesen Ansätzen folgen. Entscheidend ist, dass weniger Ressourcen eingesetzt werden, ohne dass die Mindeststandards für gutes Wohnen unterschritten werden. Dabei ist regelmäßig zu beobachten, dass innovative Bauweisen insbesondere dort auf Akzeptanz stoßen, wo Kommunen und Wohnungsunternehmen eng zusammenarbeiten und regulatorische Spielräume nutzen. Die Erfahrung zeigt: Wenn sich ein Bundesland aktiv für Vereinfachungen im Baurecht einsetzt, werden diese Maßnahmen auch von privaten Bauträgern mit größerem Vertrauen aufgegriffen. BUNDESLÄNDER ALS VORREITER Ein Blick auf die aktuelle politische Diskussion zeigt zudem, dass das Thema auf höchster Ebene angekommen ist – auch vor dem Hintergrund der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Nicht ohne Grund sind mehrere Mitglieder der Arbeitsgruppe „Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen“ politische Vertreter aus Hamburg. Mit der Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein, sowie dem CDU-Politiker Christoph Ploß erhält insbesondere der Hamburger Standard MANCHE BUNDESLÄNDER SETZEN PER FÖRDERUNGEN GEZIELT ANREIZE FÜR EINFACHERES UND KOSTENGÜNSTIGERES BAUEN. 1
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