87 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 spitzen. Sind diese zu hoch, kann unter Umständen direkt eine geringere Anschlussleistung gebucht werden“, so Hock. Die Reduzierung der Anschlussleistung sei auch keine einmalige Sache. Wie viel Energie tatsächlich benötigt wird, sollte kontinuierlich (beispielsweise über Software) überprüft werden. Vor allem dann, wenn eine Sanierung oder ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wurde. GROSSE EINSPARPOTENZIALE Durch eine Spitzenlastverschiebung kann die maximale Leistungsaufnahme reduziert werden, was die Spitzenlast deutlich senkt. Das geht so: Die Heizungslastspitze und die Trinkwarmwasserspitze werden auseinandergezogen. Zum Beispiel kann man das Trinkwarmwasser etwas eher und dafür langsamer aufheizen lassen. Dann benötigt das System 30 Minuten statt zehn, vermeidet aber die Lastspitze. Und auch die Nachtabsenkung des Heizsystems kann früher enden, um dem System mehr Zeit zum Aufheizen zu geben. Gleichzeitig zeigen Analysen von Green Fusion, dass die Rücklauftemperatur häufig zu hoch ist – dies weist auf ein großes Optimierungspotenzial hin. Die Lösung erfordert keinen Eingriff in die Wohnungen der Mieterinnen und Mieter, da sie vollständig im Keller umgesetzt wird. Durch die Umrüstung der Anlage können durchschnittlich 16 Prozent Energie eingespart werden. Zusätzlich können weitere Kosteneinsparungen erzielt werden, wenn die Anschlussleistung vertraglich reduziert wird. Praxisbeispiele bestätigen diese Einsparpotenziale: Beim KfW-70-Neubau der dhu in Hamburg konnten trotz der bereits hohen Energieeffizienz des Gebäudes acht Prozent Energie eingespart werden. Ein weiteres Beispiel ist ein Gebäude aus den 1950er Jahren der WSL Leipzig GmbH, bei dem der Energieverbrauch ohne zusätzliche Sanierungsmaßnahmen um 16,5 Prozent gesenkt werden konnte. Diese Ergebnisse zeigen, dass sowohl bei modernen Neubauten als auch bei unsanierten Bestandsgebäuden erhebliche Energieeinsparungen möglich sind. ren). „Wir arbeiten mit realen Werten aus der Anlage und analysieren genau, wann, warum und wie viel Energie verbraucht wird. Auf dieser Basis kann die Anlage optimiert und es können Gespräche mit den Stadtwerken geführt werden“, sagt Hock. Der erste Schritt sollte sein, die tatsächlichen Verbräuche und die vertraglich vereinbarte Anschlussleistung zu kennen. Dann gelte es den Verbrauch der Anlage zu senken. SPITZENLASTEN VERSCHIEBEN Nicht selten ist die gebuchte und damit abgerechnete Spitzenlast deutlich höher als notwendig. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Generell wird es in unseren Breiten durch den Klimawandel wärmer, der Deutsche Wetterdienst spricht von zwölf zu warmen Wintern in Folge. Gleichzeitig werden durch Dämmung und andere Sanierungsmaßnahmen niedrigere Temperaturen benötigt“, so Hock. Und manchmal sei auch einfach die gewählte „Sicherheitsreserve“ zu groß, die Mieter sollten schließlich nicht frieren. All das bedinge sich gegenseitig, und die Anpassung von „Erfahrungswerten“ gehe nur sehr langsam. Hier helfe der Rückgriff auf eine solide Datenbasis. „Unser intelligentes Energiemanagement optimiert den Betrieb ganz gezielt, um Lastspitzen zu vermeiden oder zu reduzieren, indem es die einzelnen Verbraucher im System aufeinander abstimmt und steuert. Dazu ermitteln wir die tatsächlichen Last- „DIE WESENTLICHEN KOSTENFAKTOREN IN DER FERNWÄRMEVERSORGUNG SIND: ARBEITSPREIS, PÖNALE* UND GRUNDPREIS NACH DER MAXIMALEN ANSCHLUSSLEISTUNG.“ Paul Hock, Green Fusion * bei Überschreitung einer maximalen Rücklauftemperatur drohen gegebenenfalls Strafzahlungen 1
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