Immobilienwirtschaft 2/2025

86 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Nachhaltigkeit & Technologie Fernwärme einem Wärmenetz. Wobei wir wieder bei einer technisch anderen Art von Netz wären. Wer sich angesichts dessen überfordert, gestresst oder anderweitig schlecht fühlt, kann sich zumindest damit trösten, dass ein kommunaler Wärmeplan (KWP) rechtlich nicht in allen Punkten bindend ist. Verbindlich ist er nur dort, wo Gebiete für den Ausbau von Fernwärme – oder in seltenen Fällen von Wasserstoff-Gasnetzen – festgelegt werden. In diesen Bereichen müssen Wärmeversorger die vorgegebenen Fristen einhalten. Alle anderen Aspekte des Plans haben, wenn überhaupt, lediglich empfehlenden Charakter. Ein weiteres Ärgernis im KWP ist der mögliche Anschlusszwang, der in Deutschland bisher mehr als 1.000 Mal vorkommt. Das KWP-Gesetz weist noch einmal ausdrücklich auf diese Möglichkeit hin. Letztlich kann also eine Kommune vorschreiben, wer sich ans Fernwärmenetz anschließen muss – und wer nicht. Das wird wohl immer dort geschehen, wo die Netze (oder deren Ausbau) von sich aus nicht wirtschaftlich tragfähig wären: aufgrund von mangelnder Anschlussdichte (Anzahl Abnehmer und der von ihnen bezogenen Wärmemengen) bezogen auf die Trassenlänge (und deren Verluste) – ein gängiger Faktor, um die Effizienz von Wärmenetzen zu berechnen. Auch hier: aus Sicht der Stadtwerke durchaus verständlich, wenn sie ein solches Instrument einsetzen – aus Sicht der Zwangsanschlussnehmer mit Blick auf zukünftige Preissteigerungen nur fatal. ES GIBT WEGE, DIE KOSTEN ZU BEHERRSCHEN Auch die Gasnetze stehen vor einer unsicheren Zukunft. Der Mannheimer Versorger MVV hat im November 2024 als erster Anbieter in Deutschland angekündigt, seine Gasnetze bis 2035 stillzulegen. Ab 2040 soll das dann auch in Stuttgart und Hannover so sein. Weitere Städte werden vermutlich folgen. Der Grund: Es gibt kaum praktikable Alternativen zur Dekarbonisierung des Erdgases. Biogas reicht bei Weitem nicht aus, und Wasserstoff ist wie beschrieben teuer. Und er erfordert auch eine aufwändige technische Umstellung der rund 20 Millionen Gasheizungen in Deutschland. Dadurch wird in Zukunft eine sinkende Zahl von Gasverbrauchern die Kosten für ein immer teurer werdendes Netz tragen müssen. Für die Stadtwerke, die häufig auch als Betreiber der Gasverteilnetze agieren, ist dieser Wandel wirtschaftlich verkraftbar. Die meisten Gasnetze sind inzwischen abgeschrieben und haben in der Vergangenheit hohe Gewinne eingebracht. Anders als bei der Fernwärme agieren die Stadtwerke im Gasmarkt jedoch nur als einer von vielen Lieferanten, weshalb die Gewinnmargen dort vergleichsweise niedrig ausfallen. Im Gegensatz dazu bleibt die Fernwärme für die Stadtwerke ein lukratives Geschäftsfeld mit deutlich höheren Margen. Da gerade im innerstädtischen Bereich viele Immobilien und deren Verwalter auf leitungsgebundene Energien angewiesen sein werden, bleibt hier nur die Fernwärme. Das heißt: Es wird noch teurer! Jammern hilft jedoch nicht weiter. Moderne Energiemanagementsysteme ermöglichen es, (Fern-)Wärmebezug und -verbrauch in Echtzeit zu überwachen und dynamisch anzupassen. Die Technologien von Green Fusion und Kugu beispielsweise setzen auf intelligente Sensorik, automatisierte Regelkreise und fortschrittliche Analysealgorithmen, um die Energieflüsse optimal aufeinander abzustimmen. Diese Systeme identifizieren Einsparpotenziale und passen die Wärmezufuhr bedarfsgerecht an, was nicht nur unnötige Kosten vermeidet, sondern auch die Betriebseffizienz steigert. Ergänzende Lösungen anderer Anbieter integrieren zusätzliche Prognosemodelle, die zukünftige Verbrauchsmuster erfassen und so die Planungssicherheit erhöhen – durchaus eine Möglichkeit, den finanziellen Herausforderungen der Fernwärmeversorgung nachhaltig zu begegnen. „Die wesentlichen Kostenfaktoren in der Fernwärmeversorgung sind: Arbeitspreis (Kosten für die tatsächlich verbrauchten Kilowattstunden Energie), Pönale (bei Überschreitung einer maximalen Rücklauftemperatur drohen gegebenenfalls Strafzahlungen) und Grundpreis (richtet sich nach der maximalen Anschlussleistung, also der Spitzenlast der Anlage)“, rechnet Paul Hock von Green Fusion vor. Betreiber könnten ihre Fernwärmekosten folgendermaßen in den Griff bekommen: Verbrauch minimieren (Betriebseffizienz durch Optimierung der Heizkennlinie steigern), Rücklauftemperatur kontrollieren (Überschreitung des vertraglich vereinbarten Maximums vermeiden), Anschlussleistung reduzieren (Spitzenlast analysieren und durch Lastspitzenverschiebung, das so genannte „Peak-Shifting“, reduzie1 WÄRMENETZE Hochtemperaturige Fernwärme lohnt sich nur in dicht besiedelten Gebieten mit hohen Anschlussdichten

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