Immobilienwirtschaft 2/2025

81 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Hause. Mich begeisterte der Idealismus. Aber wie wird daraus die Handlungsmacht, die Vision, der Umsetzungswille, die dieser Idylle tatkräftige Wirkung verleihen? Wo geht’s hier „Richtung Zukunft durch die Nacht“?, wie Nena es formuliert. Die Rechtsstaaten und das regelbasierte, internationale Miteinander brauchten Jahrzehnte, um bis hierher zu kommen. Sie erscheinen heute fragil. Umso wichtiger ist es, Fakten von Fiktion zu trennen, die eigenen Werte und Überzeugungen zu vertreten und an ihrer Weiterentwicklung zu arbeiten. Und – trotz der anspruchsvollen Sachverhalte – nicht zu akzeptieren, dass die Diskussionen mit zu einfachen Lösungen verstopft werden. Sondern die tatsächlich machbaren Fortschritte zügig zu realisieren. Denn alles ist geplant, gebaut, verfällt wieder, wird abgerissen und wieder aufgebaut. Aber erfolgreiche Städte entstehen nicht einfach so. Sie erwachsen nicht plötzlich aus Deals zwischen einzelnen Parteien, sondern sind das Ergebnis von vielfältigem, abgestimmtem und kompetentem Handeln vieler. Erst wenn die Strukturen und Prozesse dafür funktionieren, kann das gelingen. Dazu zählen die Universitäten, Hochschulen und Handwerkskammern, die aus- und weiterbilden, die öffentlichen Institutionen, die Ansprüche des Rechtsstaates durchsetzen, die privaten Unternehmen, die im verlässlichen Umfeld ihre Vorhaben realisieren können, DIN-Ausschüsse, Medien und last but not least engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich einmischen und ihr Gemeinwesen gestalten. Ich mag – trotz aller Verzweiflung an vielen Stellen – dieses Land. Es steckt voller Visionen, Werte, Gerechtigkeit, Respekt, Ehrlichkeit und quicklebendigen Menschen, Organisationen und Unternehmen, die viel darüber wissen, wie gute und noch bessere Lösungen aussehen. Auch ihre Ziele sind visionär und ambitioniert: Dass wir nachhaltig Strom und Wärme erzeugen, ohne die Leben unserer Kinder und Enkel zu ruinieren. Dass in wenigen Jahren Millionen von Unternehmen erfolgreich und insgesamt klimaneutral wirtschaften. Dass der Staat auf allen föderalen Ebenen agiler wird. Dass die europäische Integration vorangetrieben und die gemeinsamen Institutionen handlungsfähiger werden. Dass KI-Systeme entwickelt werden, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit respektieren und fördern. Dass die europäischen Demokratien wehrhaft werden, um sich zu behaupten. All das ist Teil einer Gesellschaft, die so ambitioniert und idealistisch ist, dass sie das für selbstverständlich hält. Und vielfach an ihren Visionen und hohen Ansprüchen verzweifelt. Gute Gestaltung gibt es aber nicht ohne den Willen zur Einflussnahme, zur Tat. Zur effizienten Verbesserung bestehender Lösungen und zur entschiedenen Zurückweisung schlechter Vorschläge. Mit einer Vorstellung von dem, wie die Welt sein sollte. Die Wege dahin sind auch an den Werkstatttischen der Bundesstiftung genannt: Zusammenarbeit intensivieren, Kompetenzen einbinden, Entscheidungsprozesse fokussieren und schneller ins Machen kommen. Und politisch Einfluss nehmen. Denn wenn die, die es wissen, sich nicht tatkräftig engagieren und politisch einbringen, können Städte und Gesellschaften nicht gelingen. MICH BEGEISTERT IMMER WIEDER DER IDEALISMUS IN DEUTSCHLAND. ABER WIE WIRD DARAUS DIE HANDLUNGSMACHT, DIE VISION, DER UMSETZUNGSWILLE, DIE DIESER IDYLLE TATKRÄFTIGE WIRKUNG VERLEIHEN? EIKE BECKER leitet seit 1999 zusammen mit Helge Schmidt das Büro Eike Becker_ Architekten in Berlin. Internationale Projekte und Preise be- stätigen seitdem den Rang unter den erfolgreichen Architekturbüros in Europa

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