75 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Menschen & Märkte Portrait Als der SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann viel später bei allen in Ungnade fiel, blieb Schwebel ihm gegenüber loyal. Umgekehrt war das einst genauso gewesen. Feldmann hatte CDU-Mann Schwebel weitermachen lassen, als er ins Amt kam. Das hat Schwebel nicht vergessen. Er traf sich mit ihm zum Essen, als niemand mehr mit ihm essen gehen wollte. Feldmann hatte sich seine Freunde zu Gegnern gemacht. „Aber“, meint Schwebel mit etwas Bewunderung in der Stimme: „Populär ist er zwar nicht mehr, aber politisch hat Feldmann einiges erreicht.“ Könnte Schwebel unpopulär? So richtig? Ich habe meine Zweifel. Leichtfallen würde ihm das jedenfalls nicht. Als er seinerzeit bei der DZ-Bank im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms Dutzende von Mitarbeitern entlassen sollte, ist er gegangen. VOM FINISHEN Hobby und Beruf verschwimmen. Man könne lange darüber streiten, ob die Beiratstätigkeit im Marketing Club oder bei der Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein-Main Hobby sei oder Beruf. Oder die Unterstützung der Eintracht, des Frankfurter Eishockeys. Gerade ist er gewählt worden zum Vizepräsidenten der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. Es würde mich nicht wundern, wenn er dieses Amt als Hobby empfände. Was wohl seine Frau dazu sagen würde? Sie finde seine vielen Aktivitäten ganz okay, meint Schwebel. Im Übrigen sei er heutzutage weniger Sklave seines Terminkalenders als damals zu Wirtschaftsförderer-Zeiten. Kinder hätte er gerne gehabt, das hat nicht geklappt. Dafür hat er zwei spanische Halbneffen. Nach dem Tod seiner Mutter hat Schwebel Ahnenrecherche betrieben. Sein Vater kommt aus Galizien in Spanien. Er hat, nachdem die Ehe auseinandergegangen war, dort wieder geheiratet. Aus dieser Ehe resultierte eine Halbschwester mit zwei kleinen Kindern. Mit ihnen fühlt sich Oliver Schwebel sehr verbunden. Gleiches gilt für den Trentino mit seinen Bergen, dem Essen, den Menschen. Ich finde, er hat ziemlich viel Glück gehabt. Er meint, das Verhältnis sei ausgewogen. Und führt als Beleg für Pech seine Idee an, 1990 im ostdeutschen Suhl ein Unternehmen zu gründen. Der Einberufungsbescheid hatte diese Pläne zunichtegemacht. Ob er in Suhl glücklich geworden wäre? Mit seinem Akzent? Dass die Einberufung zur Bundeswehr im Nachhinein vielleicht doch eher Glück war, diskutieren wir nicht. Das Ende naht. Früher hatte er eine kleine Triathlon-Karriere, war auch in Frankfurt bei den Europameisterschaften dabei. Sogar eine Medaille habe er erreicht. Eine Medaille? Mir fällt die Kinnlade runter. Er lacht: „Kriegen alle, die ins Ziel kommen.“ Von Schwebel lerne ich: „Beim Ironman zählt das Finishen.“ Auch bei Prosa ist ein guter Schluss nicht schlecht. Als ich den machen will, erzählt Schwebel noch, dass er 2024 mit seinem neuen Unternehmen die größte mobile Veranstaltung im Sommer in Frankfurt organisiert hat. Finishen ist wichtig. Aber was tun, wenn einer einfach nie aufhört? SCHWEBEL KENNT FRANKFURT IM SCHLAF. UND WAHRSCHEINLICH ERHOLT ER SICH WÄHREND EINER NÄCHTLICHEN FÜHRUNG WIE IN DES SCHLAFES TIEFSTER PHASE ... legte er sämtliche Ämter bei der CDU nieder. Er wollte zu allen Parteien einen guten Draht haben. Doch seine Beziehungen blieben. Während seiner Tätigkeit als Wirtschaftsförderer der Stadt musste Schwebel einigen Damen und Herren dienen, neben Petra Roth auch Peter Feldmann von der SPD. Ende 2022 ist sein Vertrag jedoch ausgelaufen. Es scheint nicht mehr gepasst zu haben zwischen den handelnden Personen, insbesondere zwischen ihm und dem neuen Wirtschaftsdezernenten der Stadt. WENN MAN NUR DEN FLUGHAFEN KENNT Ich selbst begegnete ihm vor acht Jahren. Er war Gesprächsteilnehmer bei unserer Frankfurt-Runde, die wir jedes Jahr im Heft haben. Schon damals dachte ich, der Mann kann erzählen. Er wusste alles über die Stadt und ihre Protagonisten. In einem Nebensatz bot er mir an, mich einmal durch Frankfurt zu führen. Ich nahm sein Angebot an und erinnere mich noch an die schier unendliche Zeit, die Oliver Schwebel mir widmete. So wie dem damaligen Chef der amerikanischen NHL, der unvorsichtigerweise geäußert hatte: „Von Frankfurt kenne ich nur den Flughafen.“ Das ging ja gar nicht. Wenn es um Frankfurt geht, seine Schönheit, seine Geschichte, geht es auch um sowas wie alte Liebe. Sein Bekenntnis kostete den NHL-Chef damals die Nachtruhe. Anders gesagt: Er gewann eine nächtliche Frankfurt-Führung. Schwebel kennt die Stadt im Schlaf. Und wahrscheinlich erholte er sich während der Führung wie in des Schlafes tiefster Phase. So erträgt man das Wirtschaftsförderungsleben. Dass Schwebel so gut vernetzt ist, mag auch an seinen vielen Nebenämtern gelegen haben, die er lange innehatte. Bis zum Eintritt in die Wirtschaftsförderung, so erzählt er, war er Aufsichtsratsvorsitzender einer Wohnungsbaugesellschaft, Gesellschafter der Main Taunus Verkehrsgesellschaft, Leiter des Eigenbetriebsausschusses des Kreistages und im Aufsichtsrat der Kliniken. Ich würde ihn als Menschenfreund bezeichnen. Die haben es leicht damit, gut vernetzt zu sein. So eine Geisteshaltung bringt man mit. Verstärkt wird sie durch Begegnungen mit anderen Menschenfreunden. Einer war der damalige CDU-Bürgermeister von Kriftel, der Menschen, egal welcher Couleur und Denkweise, miteinander verbinden konnte. Bei der Bundeswehr war Schwebel einst Vertrauensmann der Kompanie. Wird ja nicht jeder.
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