I M M O - P O R T R A I T OLIVER SCHWEBEL Schwebel war schon in jüngeren Jahren gut vernetzt. Letztlich hat Vernetzung ihm geholfen, seine Stelle als Wirtschaftsförderer zu bekommen. 2010 hatte nämlich die Deutsche Börse die Entscheidung getroffen, nach Eschborn umzuziehen. Die Stadt fühlte sich davon überrumpelt und wollte eine Art Verbindungsmann zwischen ihr und der Finanzwirtschaft installieren. Der damalige Wirtschaftsdezernent erkundigte sich bei Schwebel, ob er den Job übernehmen wolle. Der arbeitete damals in der Finanzwirtschaft. Banklehre bei der Bank für Gemeinwirtschaft. Traineeprogramm zum Wertpapier- und Vermögensberater. Später ging er zur Südkapitalanlagegesellschaft. Danach zur DZ Bank und zur Schweizer Börse, wo er einen Beratervertrag hatte. Warum dann zur Wirtschaftsförderung? Eine gehaltliche Verbesserung sei das für ihn nicht gewesen, meint er. Aber er fand die Position „total toll“. Bindeglied zwischen zwei Polen, die eigentlich ganz weit weg sind, nämlich Finanzwirtschaft und Verwaltung. Trotzdem, als man ihm damals die Stelle antrug, sah er dieses völlig neue Betätigungsfeld mit einigem Respekt. Dabei war es nicht das erste Mal, dass er in einen neuen Bereich eintrat. Immer wieder im Vorfeld waren ihm Jobs anvertraut worden, von denen er bis dahin nicht viel wusste. Studiert hat er übrigens nicht. Er war 13, da trennten sich seine Eltern. Schwebel sollte gleich Geld verdienen. Mit viel Organisationstalent arbeitete er sich in alles ein. KINOABENDE UND KONZERTVERANSTALTUNGEN So organisierte er nach der Wiedervereinigung bei der Bundeswehr in Halle Kinoabende und Konzertveranstaltungen und zusammen mit Radio FFH ein Konzert für 10.000 Menschen in Stadtallendorf. Mit 21 führte er bei der Südkapitalanlagegesellschaft die deutsche Terminbörse in Deutschland für sein Haus mit ein. Das hatte damals niemand machen Da saß ich nun, vollgesogen nach einem langen Gespräch, voller Anekdoten und Eindrücke. Und überlegte, was denn dieser eine Punkt sei, in dem sich alles sammelt. Immobilienberatung etwa? Wenn ich ihn mir vorstellte, sah ich ihn weniger, als dass ich ihn hörte, seine Stimme mit diesem singenden hessischen Akzent. Ich dachte an eine unserer ersten Begegnungen. Es ging damals auch um Grüne Sauce. Spätestens jetzt wurde klar: Frankfurt. Da sammelt es sich. Oliver Schwebel ist im Taunus geboren. Zwei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt, in Kriftel. Und natürlich war Frankfurt immer der Ort, an den man von dort aus pilgerte. Für Einkäufe, um in die Diskothek zu gehen. Er schwärmt von Frankfurt als dem damaligen Hotspot der deutschen Musikindustrie. Von den Amerikanern, die dort stationiert waren, die der Stadt ihr besonderes Flair gaben. Vom ersten Fußballspiel im Waldstadion. MIT EINEM JOB WAR ER VERWOBEN Nach der Zeit als Frankfurter Wirtschaftsförderer sind Oliver Schwebel viele Stellen angeboten worden, darunter in Berlin und Meck-Pomm. Aber das war für ihn völlig undenkbar. „Ich bin hier zu Hause. Ich fühle mich hier wohl. Ich liebe meine Heimat. Ich bleibe hier.“ Und so ist er Partner geworden beim Immobilienberater Knight Frank, dessen Frankfurter Büro mit 60 Mitarbeitenden er aufgebaut hat. Es floriert, und er erzählt lange von der freilassenden Unternehmenskultur, vom hohen Maß an Eigenverantwortung, der großen Dienstleistungsbreite, die Knight Frank in Frankfurt anbietet. Seinen neuen Job, so versichert er nachvollziehbar, macht er mit Freude. Dass er ihn erfolgreich ausfüllen kann, liegt auch an seinem Leben davor. Von 2010 bis 2022 übte er den Job aus, mit dem er verwoben war, den des Frankfurter Wirtschaftsförderers. Da baute er Kontakte auf, die ihm jetzt nutzen. Der Managing Partner des Immobilienberaters Knight Frank Frankfurt und LANGJÄHRIGE WIRTSCHAFTSFÖRDERER der Stadt hat schon viele Menschen miteinander vernetzt und 1.000 Dinge bewegt, organisiert. Mit Freude. Aber nicht um jeden Preis. Menschen & Märkte Portrait 72 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025
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