Immobilienwirtschaft 2/2025

66 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Menschen & Märkte Trump-Effekt Prozent. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Anleger davon ausgegangen, dass die EZB im weiteren Verlauf dieses Jahres den Leitzins von aktuell 2,75 Prozent sukzessive immer weiter senken würde. Unternehmen wären dann an immer günstigere Finanzierungen gelangt. Insbesondere Immobilienfirmen wären so in der Lage gewesen, ihre Bestände zu vergrößern und dadurch Mieterträge und Dividenden zu steigern. Doch mit ihren Sätzen macht die Professorin für Finanzökonomie und frühere deutsche Wirtschaftsweise diese Überlegungen zu Makulatur. ZINSSCHOCK VERSETZT BÖRSEN UND IMMOBILIENWERTE INS WANKEN Denn Schnabel macht deutlich: Die bereits zuvor von der EZB avisierte Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent im März dürfte der vorerst letzte negative Zinsschritt der Zentralbank in diesem Jahr gewesen sein. Das bestätigt EZB-Präsidentin Christine Lagarde indirekt nach dem Zinsentscheid. Im vergangenen Jahr hatte die oberste Währungshüterin der Eurozone nach jeder Zentralbank-Sitzung noch klar kommuniziert, dass die Leitzinsen weiter gesenkt würden. Jetzt sagt sie, Ziel der EZB sei es, die Inflation auf zwei Prozent zu drücken. „Zu diesem Zweck werden wir die Maßnahmen ergreifen, die dafür nötig sind“ – und das dürften nicht weitere LeitIsabel Schnabel, Direktorin der Europäischen Zentralbank, lässt mit wenigen Sätzen Europas Börsen beben: „Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir mit unseren Zinssenkungen möglicherweise pausieren oder stoppen müssen“, erklärt das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der EZB in einem Interview mit der Financial Times. „Die Inflation ist immer noch hoch, das Lohnwachstum ist immer noch hoch, und wir haben neue Schocks bei den Energiepreisen erlebt.“ Der deutsche Leitindex Dax bricht an jenem 19. Februar dieses Jahres in den ersten Handelsstunden um 1,9 Prozent ein. Immobilienwerte werden für Investoren zu heißen Eisen. Die Aktie von Vonovia verliert 2,3 Prozent, das Papier der LEG Immobilien 2,2 IMMOBILIENMOGUL DROHT INVESTOREN ZU VERSCHEUCHEN Währungshüter bereiten das Ende der Leitzinssenkungen vor. Aus gutem Grund: Die Inflation zieht wieder an. Und die von US-Präsident Donald Trump verhängten Importzölle könnten die Teuerung diesseits und jenseits des Atlantiks noch weiter entfachen. Immobilienprofis müssen mit STEIGENDEN FINANZIERUNGSKOSTEN kalkulieren. TEXT Richard Haimann „WIR NÄHERN UNS DEM PUNKT, AN DEM WIR MIT UNSEREN ZINS- SENKUNGEN MÖGLICHERWEISE PAUSIEREN ODER STOPPEN MÜSSEN.“ Isabel Schnabel, Direktorin der Europäischen Zentralbank

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