55 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 „VW WIRD AUCH IN DEN KOMMENDEN JAHREN SEINE STRAHLKRAFT ENTFALTEN. NIEDERSACHSEN IST OHNE VW EINFACH NICHT DENKBAR.“ Hilmar Albrecht, Niederlassungsleiter von Goldbeck Hannover Dieser Umstand macht wiederum den Wohnungsbestand aufgrund wahrscheinlicher Mietsteigerungen für den Investmentmarkt interessant. Besonders die Wohnungsmärkte in Hannover und Braunschweig ziehen ein anwachsendes Investoreninteresse auf sich, wie Martin Wolfrat, Niederlassungsleiter von Art-Invest in Hamburg, bestätigt: „Die Einstiegspreise sind dort wieder auf einem guten Niveau. Zudem haben sich die Baukosten stabilisiert.“ Das Land Niedersachsen hat die Kombination aus schwierigen Neubaubedingungen und einem Anlegerfokus auf Wohnungsportfolios erkannt und zum Jahresende 2024 mit einer Ausweitung der Mietpreisbremse von zuvor 18 auf nun 57 Kommunen mit einem attestierten „angespannten Wohnungsmarkt“ reagiert. INVESTORENLIEBLING LOGISTIK Aufgrund des Bedarfs setzt Hilmar Albrecht von Goldbeck für sein Vertriebsgebiet Niedersachsen gleichwohl auf das Wohnsegment: „Wohngebäude sind das Produkt der kommenden Jahre.“ Doch Hanno Hentis von Getec gibt zu bedenken, dass die politischen Spielräume wie einst mittels KfW-Fördermitteln für den Wohnungsbau sehr eingeschränkt sind: „Sinkende Zinsen sind ein erstes Signal, aber die nun angekündigte Massenverschuldung des Bundes wird Bundesanleihen steigen lassen. Das wird die Spielräume des Bundes für Finanzierungsprogramme einschränken und eine Refinanzierung weiter erschweren. Bei 40 Prozent Eigenkapitaleinsatz ist die Grenze der Zumutbarkeit deutlich überschritten.“ In der schwierigen Gemengelage des Wohnsegments wandern viele Anlegerblicke in Norddeutschland zu Logistikprodukten – eine im Flächenland Niedersachsen und der Hamburger Umgebung traditionell starke Immobiliensparte. Mit mehr als 500 Millionen Euro Track Record in Transaktionen zählt Sonar Real Estate im Logistiksegment zu den aktiven Playern. Teamleiter Phillip Quester orientiert sich bei Neuankäufen an gut angebundenen Logistikregionen, die sich von Hamburg bis nach München erstrecken: „Die B-Standorte in Niedersachsen sind sehr robust dank ihrer Verkehrsachsen in Ost/West und Nord/Süd. Attraktiv ist allen voran der Großraum Hannover und Standorte entlang des Autobahnkreuzes A30/A31“ Die laufenden Autobahnerweiterungen der A20 und der A39 sind nach Questers Einschätzung eine große Chance für die Weiterentwicklung der Logistikmärkte in Niedersachsen. Dem stimmt Julius Hendrich Junicke, Geschäftsführer der Braunschweiger Junicke Gruppe, zu: „Logistikimmobilien sind aktuell die begehrteste Assetklasse der Region, denn Niedersachsen ist das Tor zum nordeuropäischen und hanseatischen Markt. Außerdem haben wir hier viele B- und C-Städte mit einer starken Basis an mittelständischen Unternehmen.“ Die Nachfrage spiegelt sich in steigenden Spitzenmieten wider, allen voran in der Metropolregion Hannover, wie die Researcher von Realogis nachweisen konnten. Hannover rückte mit Preisen von acht Euro pro Quadratmeter erstmalig in die Reihe der Top-10-Städte für Logistik vor. Aber nicht alle norddeutschen Standorte profitieren von der Logistik-Popularität, wie Quester bemerkt: „Den Logistikstandort Bremen sehe ich aufgrund des Automobil-Fokus aktuell riskant, wobei es abzuwarten gilt, wie sich die Erweiterung der A281 auf den Standort auswirkt.“ HAMBURG STRAHLT AUF UMGEBUNG AUS Bedeutsamster Logistik-Hotspot der Region bleibt indes Hamburg: „Hamburg ist weiterhin eine TopDestination für paneuropäische Investoren“, sagt Philip Quester von Sonar Real Estate. Die Stärke der Hansemetropole weitet sich zunehmend auf die Nachbarkommunen in Schleswig-Holstein aus, wie das Beispiel Norderstedt zeigt. Die erst 1970 gegründete Kommune ist kontinuierlich auf mittlerweile 85.000 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen und ist somit bereits die viertgrößte Stadt im nördlichsten Bundesland. Das Erfolgsrezept heißt großzügige Flächenausweisung und authentischer Wachstumswille. Keno Kramer von der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (Egno) drückt es so aus: „Wir hatten damals Fläche, wir haben heute Fläche, denn wir wollen immer ein paar Hektar für passende Unternehmen parat haben.“ 1 DER CAMPUS WEST bildet das Zentrum der wissenschaftlichen Infrastruktur Hamburgs mit hochkarätigen Einrichtungen 2 SCIENCE CITY Der Campus West bildet den wissenschaftlichen Kern der Science City Hamburg Bahrenfeld zwischen Luruper Chaussee und Notkestraße 3 INNOVATIONSPARK ALTONA ist ein wesentlicher Bestandteil der Innovationsstrategie der Freien und Hansestadt Hamburg
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