Immobilienwirtschaft 2/2025

42 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Mieter-Apps können Mietverträge vollständig digital mit nur einem Klick und innerhalb weniger Minuten unterzeichnet werden.“ Nun kann man nicht verschweigen, dass im Marktangebot an App-Lösungen kein flächendeckender technologischer Wunderzoo zur Verfügung steht. Die Funktionsvielfalt ist sehr unterschiedlich und umfasst die Abdeckung des gesamten Mietprozesses von der Suche bis zum Vertragsabschluss oder aber auch nur die Automatisierung von speziellen Teilprozessen. Zu Ersteren gehören etwa die PropTechs Evernest, iDWELL und Vermietet.de. Immobilienportale wie ImmoScout24 und Immowelt bieten eigene Verwaltungslösungen an, während Anbieter wie DocuSign und Smartlaw sich auf die rechtssichere Erstellung und digitale Unterzeichnung von Verträgen spezialisieren. Mieter-Apps gibt es auch von allen bekannten ERP-Anbietern, angefangen von Aareon bis zu Immomio, Casavi, Crem Solutions, PROMOS consult und mehr. HETEROGENER APP-MARKT Nicht alle Lösungen bieten demnach den gleichen Komfort, das gleiche Leistungsspektrum und die gleiche Kosten-Nutzen-Bilanz. Jonas Hahn, Professor für Immobilienmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences, urteilt so über den App-Markt: „Nicht jede Lösung hielt, was sie versprach. Einige Lösungen waren klassische Insellösungen, die einen eigenen Datenbestand aufbauen, statt an bestehende Systeme anzudocken. Solche Anbieter haben sich wenig mit ihren Kunden und deren IT-Landschaft befasst. Eine weitere Software, die es zu pflegen und zu lizenzieren gilt, ist hier oft überflüssig. Und auch die Mieterschaft legt häufig noch Wert auf persönliche Kommunikation oder meldet sich mit ihren Anliegen auf mehreren Kanälen, sodass eine App dann eher mehr als weniger ‚Touchpoints‘ erzeugt. Auch die Kostenstruktur solcher Apps passt nicht immer zu den Budgets der Immobilienunternehmen, gerade für beispielsweise gemeinnützige Wohnungsgenossenschaften ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen meist uninteressant, da die Lizenzkosten pro Mietverhältnis relativ hoch ausfallen und die Mieterkommunikation im Durchschnitt auch recht überschaubar bleibt. Und wenn es einmal etwas zu klären gibt, bleibt eine kurze E-Mail an die Immobilienverwaltung häufig noch die für alle grundsätzlich günstigste Option.“ Aufschluss über die Verbreitung und Nutzungsstruktur von Mieter-Apps gibt der „Servicemonitor Wohnen“ des Beratungsunternehmens Analyse & Konzepte immo.consult (heute DOMUS Consult), der auf einer 2023 durchgeführten Umfrage unter rund 1.000 repräsentativ ausgewählten Mieterinnen und Mietern beruht. Demnach nutzten zum Umfragezeitpunkt 13 Prozent der deutschen Mieterinnen und Mieter Mieter-Apps, 54 Prozent gaben an, dass ihr Vermieter keine Kunden-App anbiete, 22 Prozent war die App ihres Vermieters unbekannt und elf Prozent kannten sie zwar, wendeten sie aber nicht an. Die Begründung hierfür lautete in rund der Hälfte der Fälle, dass kein Bedarf bestehe, bei weiteren 35 Prozent, dass die Handhabung der App zu schwierig sei. Am häufigsten werden die Apps genutzt, um Reparaturen anzumelden. Dahinter folgen die Einsichtnahme in die Betriebskostenabrechnung und in den Mietkontostand sowie das Abrufen von Verträgen und Verbrauchsinformationen. Die Erfahrungen mit den Apps sind laut dieser Studie ausgesprochen positiv: 43 Prozent der Personen, die auf diese Weise mit ihrem Vermieter kommunizieren, sind damit zufrieden, 40 Prozent sogar sehr zufrieden. VERBESSERUNG DURCH FEEDBACK Was die Verwaltungsunternehmen angeht, die Mieter-Apps einführen, beobachtet Nicolas Jacobi, Gründer und CEO von Immomio, eine Gemeinsamkeit bei den Kunden seines Unternehmens: „Der heute typische Use Case ist ein Anwenderunternehmen mit vorhandener ERP-Software. Unsere Lösung verfügt daher über Schnittstellen zu allen gängigen „DER BEWERBUNGSPROZESS FÜR EINE MIETWOHNUNG KANN KOMPLETT IN DER APP STATTFINDEN, AUCH DIE RECHTSSICHERE UNTERZEICHNUNG DES MIETVERTRAGES.“ Lena Tuckermann, Gründerin und CEO von Mietz, Berlin 13 Laut einer von DOMUS Consult 2023 durchgeführten Umfrage wurden Mieter-Apps zum Umfragezeitpunkt nur von 13 Prozent der deutschen Mieter genutzt.

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