Immobilienwirtschaft 2/2025

41 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 D „DIE APP-ENTWICKLUNG GEHT DAHIN, KÜNFTIG NOCH MEHR ALS BISHER OPTIONEN IM BEREICH SELBSTSERVICE ZU UNTERSTÜTZEN.“ Dr. Chris Richter, Associate Partner bei Drees & Sommer Mit dem Einsatz von Sprachsoftware lassen sich dabei auch Sprachbarrieren minimieren. Einige Lösungen bieten die Option, Dokumente in der Muttersprache auszufüllen und sie anschließend ins Deutsche übersetzen zu lassen. Aus Mietersicht besonders attraktiv sind die digitalen Optionen für Schadensmeldungen und Serviceanfragen. Hier sind oftmals Auswahlkataloge für Materialien oder Gegenstände wie Leuchtmittel und mehr integriert, was nicht nur die Präzision der Schadensmeldungen erhöht, sondern auch die Reaktions- und Bearbeitungszeiten erheblich verkürzt. Zur Erleichterung der Orientierung können abgelesene Daten sowie Fotos übermittelt werden, und die Bearbeitung läuft weitgehend automatisiert ab. KOMPLETT DIGITALISIERTE VERMIETUNGSPLATTFORM Inzwischen erstreckt sich das App-Spektrum auch auf den dem Mietverhältnis vorgelagerten Prozess: die Wohnungssuche. Es gibt Apps für die Terminierung von Wohnungsbesichtigungen – und durch die Integration von 3D-Lösungen in die Wohnungsbeschreibung werden sich künftig virtuelle Rundgänge durch die Objekte gestalten lassen. Noch einen Schritt weiter geht das Berliner PropTech-Unternehmen Mietz und betreibt eine mobile, komplett digitalisierte Vermietungsplattform, die Mietern und Vermietern einen rechtssicheren und automatisierten Ablauf des Mietvorgangs per App zur Verfügung stellt – „eine Art Tinder für Mieter und Vermieter“, wie Lena Tuckermann, Gründerin und CEO von Mietz, die Softwarelösung plastisch beschreibt. „Mit Mietz können Nutzerinnen und Nutzer Wohnungen swipen, also auf einem Touchscreen matchen. Mit einem Swipe nach rechts bewirbt man sich mit dem eigenen Profil sowie der zuvor erstellten Bewerbungsmappe. Der anschließende Bewerbungsprozess kann komplett in der App stattfinden, auch die rechtssichere Unterzeichnung des Mietvertrages. Somit Das Internet-fähige Mobiltelefon hat die gesellschaftlichen Prozesse in einem Ausmaß verändert wie zuvor nur die Einführung des Radios und des Fernsehens. Smartphones sind inzwischen fast überall flächendeckend verbreitet. Im Jahr 2024 gab es beispielsweise in Deutschland rund 69 Millionen Smartphone-Nutzer – bei einer Bevölkerung von rund 84 Millionen Menschen. Die jüngere Generation betreibt kaum noch Schriftverkehr und ist immer weniger bereit, ein Telefon zu nutzen. Kein Wunder also, dass immer mehr Prozesse, die in früheren Jahren Papierverkehr oder Telefonate erforderten, im Zeitalter des Internet ganz selbstverständlich über Smartphone-Applikationen abgewickelt werden. Das gilt zunehmend auch für die Prozesse rund ums Wohnen, bei der Wohnungssuche, alltäglichen Serviceprozessen oder Mietvertragsdetails. BEQUEM, EFFIZIENT UND SICHER Mieter-Apps sind ein logischer Schritt in der Digitalisierung des Prozessumfelds von Immobilienunternehmen. Sie gestatten die Automatisierung des Informationsaustauschs und der verschiedensten Abläufe im Verhältnis Mieter/Vermieter über eine zentralisierte Plattform, die die verschiedenen Funktionalitäten und Services zur Verfügung stellt. Austausch und Erstellung von Dokumenten aller Art, Schadensmeldungen, die Übermittlung von Informationen, Terminen oder Benachrichtigungen – all diese und noch mehr Funktionen lassen sich mittels einer App zu jeder Zeit und von jedem Ort aus nutzen. Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit der Mieter-Apps sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Beide Parteien des Mietverhältnisses haben jederzeit schnellen und bequemen Zugriff auf und Einblick in Vertragsinformationen und Details zu Vorgängen wie Reparaturen oder Veränderungen in der Wohnung. Die transparente Verwaltung, Prozessierung, Aktualisierung und Synchronisierung der Daten erfolgen in aller Regel über die angebundenen ERP-Systeme der Unternehmen. Relevante Dokumente und Unterlagen stehen auf Knopfdruck zur Verfügung, was in Verbindung mit einem leistungsfähigen Dokumentenmanagementsystem eine effiziente Prozessabwicklung ermöglicht. Die rechtssichere und papierlose Übermittlung von Dokumenten lässt sich individuell (beispielsweise Nutzer- oder Objekt-bezogen) realisieren. Apps erlauben die Nutzung von Plattformen, die den Ablauf komplexer Prozesse automatisieren, etwa das Erstellen von Mietverträgen, die auf vorgefertigten Vorlagen aufsetzen und sich den jeweils individuellen Gegebenheiten rechtssicher anpassen lassen. In diesem Zusammenhang gewinnen standardisierte Identitätsprüfungen und Bonitätsfeststellungen der Mieter an Bedeutung. Auch Zahlungsprozesse können standardisiert, organisiert und sicher abgewickelt werden. Beispiele dafür sind Online-Mietzahlungen und digitale Kautionsverwaltung. Zum Standard moderner MieterApps gehören auch Chatfunktionen, die beiden Seiten erlauben, Fragen zu klären, Termine zu koordinieren und Informationen oder Dokumente auszutauschen. Hinzu kommen oft digitale „schwarze Bretter“, auf denen ständig aktualisierte Mitteilungen, Hinweise oder Statusinformationen zu finden sind. TEXT Dr. Hans-Dieter Radecke

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