36 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Mieterstrom Deutlich effizienter wäre es, Strom dort zu produzieren, wo er auch verbraucht wird – direkt vor Ort. Ein immer größerer Anteil unseres täglichen Lebens basiert auf elektrischer Energie. Strom ist essenziell, doch die vorhandenen Stromleitungen – besonders in älteren Stadtteilen oder ländlichen Regionen – wurden oft vor Jahrzehnten installiert. Damals konnte niemand den heutigen Energiebedarf oder gar die dezentrale Stromproduktion vorausahnen. Die Leitungsquerschnitte sind vielerorts nicht auf den heutigen Bedarf ausgelegt. Ein Ausbau ist technisch möglich, aber kostenintensiv, langwierig und planerisch herausfordernd. Vor diesem Hintergrund wird die lokale Stromproduktion durch Solaranlagen auf Dächern von Wohnhäusern immer attraktiver. SOLARANLAGEN ALS GESETZLICHE PFLICHT In mehreren Bundesländern wurde inzwischen eine so genannte Solarpflicht eingeführt. Sie verpflichtet Eigentümer von Immobilien – insbesondere bei Neubauten oder Dachsanierungen – zur Installation von Photovoltaikanlagen. Ziel ist es, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen auf breiter Fläche voranzutreiben und die Energiewende auf lokaler Ebene zu unterstützen. Der Begriff Mieterstrom ist nach wie vor in aller Munde. Die Meinungen darüber gehen jedoch weit auseinander. Während manche Kritiker ihn als ideologisch motiviertes Experiment ohne echten Nutzen betrachten, sehen andere in Mieterstrom ein zukunftsweisendes Modell, das einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz leisten, die dezentrale Energieversorgung fördern und sowohl Vermietern als auch Mietern wirtschaftliche Vorteile bringen kann. Doch der Begriff „Mieterstrom“ ist eigentlich zu eng gefasst. Es geht nicht nur um Strom für Mieter, sondern um elektrische Energie für alle Nutzerinnen und Nutzer einer Immobilie – also auch für Eigentümer, die ihre Wohnungen selbst bewohnen, oder für gewerbliche Mieter. Im Zentrum des Mieterstromkonzepts steht der Wunsch, den Ausstoß von CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Vorhabens ist der Ausbau der Photovoltaik (PV). Zwar tragen große Freiflächenanlagen, wie man sie entlang von Autobahnen oder auf landwirtschaftlich weniger genutzten Flächen sieht, erheblich zur Stromproduktion bei. Doch dieser Strom muss über weite Strecken durch das öffentliche Netz transportiert werden, was Leitungen belastet, Verluste mit sich bringt und die Netzstabilität herausfordert. NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR VERWALTER Die neue gemeinschaftliche Gebäudeversorgung erlaubt es, Strom aus einer PV-Anlage im Gebäude zu nutzen, ohne dass der Betreiber dauerhaft zur Stromlieferung verpflichtet ist. Das könnte dem MIETERSTROM neue Flügel verleihen. Verwalter sollten sich deshalb verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen. TEXT Rechtsanwalt Steffen Groß, GROSS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Berlin www.gross.team 1 PV-ANLAGENSTROM Es ist hocheffizient, Strom dort zu produzieren, wo er auch verbraucht wird – direkt vor Ort
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