Immobilienwirtschaft 2/2025

27 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Unter „nachhaltigem Wohlstand“ findet sich jedoch ein neuer Deal für eine saubere Industrie, und auch die Kreislaufwirtschaft soll weiter befördert werden. Schwerpunkte liegen aber auf Bürokratieabbau, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Unternehmensförderung. Gleichzeitig soll der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden; bezahlbares Wohnen wird gar ein wichtiges neues Handlungsfeld mit eigenem Kommissar, einer Taskforce und extra Geld. Verabschiedet sich die Kommission damit vom Green Deal? Oder zeigt der Umschwung vielmehr, dass die Kommission erkannt hat, dass die Klima- und Umweltziele mit den bisherigen Politiken zum einen nicht erreicht werden, zum anderen sowohl der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit als auch dem sozialen Zusammenhalt schaden? NEUE ANSTRENGUNGEN UND BESTREBUNGEN Die Dekarbonisierung des Gebäudebereichs ist dafür ein gutes Beispiel. So führen sehr hohe und immer detailliertere Regelungen für Effizienzanforderungen an die Gebäudehülle (zuletzt mit der EU-Gebäuderichtlinie) gerade bei Bestandssanierungen nicht zu wirtschaftlich, sozial und ökologisch optimalen CO2-Einsparungen. Denn für einen maximalen Effizienzstandard entstehen unverhältnismäßig höhere Kosten als für ein gutes Effizienzniveau, das im Betrieb oftmals gar nicht viel mehr Emissionen verursacht. Deshalb ist es richtig, dass die Kommission nun weit mehr Anstrengungen auf eine sichere, grüne DEUTSCHER VERBAND Die erste Kommission unter Ursula von der Leyen legte mit dem Green Deal bis 2024 einen starken Fokus auf klimaneutrales und ökologisches Wirtschaften. Mit „von der Leyen II“ lauten die Prioritäten im neuen Fünfjahresprogramm: Verteidigung und Sicherheit, nachhaltiger Wohlstand, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. CHRISTIAN HUTTENLOHER IST GENERALSEKRETÄR UND VORSTANDSMITGLIED IM DEUTSCHEN VERBAND FÜR WOHNUNGSWESEN, STÄDTEBAU UND RAUMORDNUNG E.V. und bezahlbare Energieversorgung unternimmt, die Klimaneutralität aber gleichzeitig noch rechtlich verbindlicher als Ziel verankert. Ebenfalls positiv sind die Bestrebungen, übermäßige Regulierungen und Bürokratie im Bereich Taxonomie und Nachhaltigkeitsberichterstattung wieder auf ein handhabbares Maß zurückzudrehen. Denn sie führen bei der derzeitigen Kleinteiligkeit und Komplexität bei Finanz- und Immobilienwirtschaft zu erheblichen Aufwänden. Mit dem Omnibus-Paket soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung nun erleichtert werden und keine Erweiterung auf KMU erfolgen. Für die Taxonomie wäre es wichtig, einen schwerwiegenden Widerspruch zur vordringlichen Sanierung der schlechtesten Gebäude zu beheben, die die Gebäuderichtlinie einfordert. Denn derzeit werden nur Gebäude mit höchsten Energiestandards taxonomiekonform gewertet und können damit etwas günstigere Finanzierungskonditionen erhalten. Sanierungen von Energieschleudern auf einen guten, aber nicht besten Effizienzstandard sind nicht taxonomiekonform, obwohl dies enorm viel Energie einspart. Gerade diese Beispiele zeigen, dass es richtig ist, den Green Deal nachzujustieren, um die Klima- und Umweltschutzziele effektiver und effizienter zu erreichen. ÜBERMÄSSIGE REGULIERUNGEN UND BÜROKRATIE IM BEREICH TAXONOMIE UND NACHHALTIGKEITSBERICHT- ERSTATTUNG WIEDER AUF EIN HANDHABBARES MASS ZURÜCKZUDREHEN, IST POSITIV ZU BEWERTEN. DROHT DER ROLLBACK DES GREEN DEAL?

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