Immobilienwirtschaft 2/2025

26 · Immobilienwirtschaft · 02 / 2025 Schwerpunkt Zukunftstechnologien in den Mittelpunkt der Klimaanpassung. Und zwar nicht bloß als Risikoträger, sondern auch als Impulsgeber für klimaresilientes Bauen. Für Investitionen in Immobilien bedeutet das: Klimaanpassung wird zunehmend zur Voraussetzung – nicht zuletzt, um Versicherbarkeit und Werthaltigkeit dauerhaft zu sichern. Denn laut Swiss Re drohen der Weltwirtschaft bis 2050 Verluste von bis zu 18 Prozent des globalen BIP – wenn Klimaschutzmaßnahmen ausbleiben. Besonders betroffen: immobiliengebundene Vermögenswerte, die sowohl physischen als auch regulatorischen Risiken ausgesetzt sind. PRÄMISSE: WIRTSCHAFTLICH Die Immobilienwirtschaft steht somit vor der Aufgabe, Klimaschutzvorgaben wirtschaftlich umzusetzen. Dabei ergeben sich Spannungsfelder bei der Finanzierung energetischer Maßnahmen, da hohe Investitionskosten auf begrenzte Mieterhöhungsspielräume treffen. Die Dynamik der Förderlandschaft erschwert zudem langfristige Planungen. Bestehende Geschäftsmodelle müssen angepasst werden – hier verzögert die Branche teilweise notwendige Innovationen und Prozessoptimierungen. Die Implementierung digitaler Lösungen und KI-gestützter Technologien könnte erhebliche Effizienzpotenziale erschließen. Der sich wandelnde regulatorische Rahmen erfordert Anpassungsfähigkeit. Denn im Marktumfeld entwickeln sich neue Chancen für zukunftsfähige Gebäudekonzepte. Fortschrittliche Unternehmen mit integrierten Nachhaltigkeitsstrategien können Wettbewerbsvorteile erzielen. WERTSTEIGERUNGSPOTENZIALE Denn klimaresiliente Immobilien profitieren von Nachhaltigkeitsprämien am Markt und erschließen Wertsteigerungspotenziale. Verbesserte Energieeffizienz reduziert Betriebskosten und steigert die Attraktivität für Mieter und Käufer, während die dynamische Einhaltung regulatorischer Anforderungen langfristige Transaktionssicherheit schafft. Die Transformation wirkt trotz aller regulatorischer Unwägbarkeiten als Innovationstreiber für neue Geschäftsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das gilt vom spezialisierten Sanierungsmanagement über Ihre Auswirkungen auf die gesamte Immobilienwertschöpfungskette: KLIMASCHUTZVORGABEN KONKRET Planungs- und Genehmigungsphase: Strengere Energieeffizienzanforderungen führen bereits in der Planungsphase zu umfangreicheren Nachweispflichten. Projektentwickler müssen frühzeitig Energiekonzepte vorlegen und zunehmend Ökobilanzen erstellen. Die Standortwahl wird komplexer, da auch Klimaresilienz und lokale Energieerzeugungspotenziale berücksichtigt werden müssen. Bautechnik und Materialwahl: Die Bauwirtschaft reagiert mit intensiver Forschung zu recyclingfähigen Baustoffen, klimaschonenden Konzepten und modularen Bauweisen. Denn die Komplexität technischer Gebäudesysteme steigt – etwa für erneuerbare Energien, intelligente Steuerung und Energiespeicherung. Dies erfordert spezialisiertes Know-how bei Planern und ausführenden Unternehmen. Betrieb und Instandhaltung: Das kontinuierliche Monitoring und Management von Ressourcenverbräuchen gewinnt an Bedeutung. Die Digitalisierung von Gebäuden schreitet voran. Mess- und Regeltechnik, IoT-Lösungen und KI-gestützte Gebäudesteuerung spielen eine zentrale Rolle. Immobilieneigentümer müssen mittel- und langfristige Sanierungspläne entwickeln, um regulatorische Risiken zu minimieren. Finanzierung und Renditeerwartungen: Investoren bewerten Rendite-Risiko-Profile neu. Klimarisiken – physische wie transitorische – müssen in Finanzmodellen berücksichtigt werden. Während zukunftsfähige, energieeffiziente Gebäude Renditeprämien erzielen können, drohen ineffizienten Immobilien Abschläge oder gar die Unverkäuflichkeit. Finanzierungskosten differenzieren sich entlang der Nachhaltigkeitskriterien. Asset und Portfoliomanagement: Bestandshalter haben Dekarbonisierung als zentrale Aufgabe. Portfoliomanager entscheiden unter Berücksichtigung von Klimaaspekten. Datenerhebung und -management werden kritische Erfolgsfaktoren. Neue Kennzahlen wie Carbon Value at Risk, CRREM-Überschreitungsjahre oder Stranding Risk gewinnen an Bedeutung. Energie-Contracting bis zur Klimaresilienz-Beratung. Die Digitalisierung beschleunigt sich, da KI-gestützte Lösungen für Energiemanagement, Gebäudesteuerung und Verbrauchsoptimierung zunehmend nachgefragt werden. Datenbasierte Entscheidungsprozesse ermöglichen präzisere Investitionsplanungen und effizientere Bewirtschaftungsstrategien. Im Finanzierungsbereich haben nachhaltig ausgerichtete Unternehmen Vorteile durch Zugang zu ESG-orientierten Finanzierungsinstrumenten wie Green Bonds oder Sustainability-linked Loans. Taxonomiekonforme Immobilien profitieren von besseren Kreditkonditionen, während innovative Projekte öffentliche Förderungen für Klimaschutzmaßnahmen nutzen können. Perspektivisch entwickelt sich jedes Unternehmen der Immobilienwirtschaft zu einem Technologieunternehmen im erweiterten Sinne. Die Integration von Künstlicher Intelligenz und datenbasierten Lösungen in bestehende Geschäftsmodelle schafft eine höhere Resilienz gegenüber Klimarisiken. Sie bietet stabilere Cashflows und einen langfristigen Wettbewerbsvorteil auch in einem sich stets wandelnden Marktumfeld. CRREM Der Carbon Risk Real Estate Monitor (CRREM) hat sich als Defacto-Standard zur Bewertung von Klimarisiken im Immobilienbereich etabliert. Aktuelles zum Thema aus dem EU-Parlament

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