Immobilienwirtschaft 6/2024

93 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 jahr 2024 entfielen nach Angaben von Destatis 61,5 Prozent der Stromproduktion auf erneuerbare Energien. Im ersten Halbjahr 2023 belief sich der Wert noch auf 53,3 Prozent. Gleichzeitig verbreitet sich aber mehr stromintensive Technik wie autonomes Fahren, KI und Cloud-Anwendungen. Gemäß einer Studie des Fraunhofer-Instituts wird sich der Strombedarf in Deutschland von 595 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2018 um elf Prozent auf 658 TWh im Jahr 2030 erhöhen. ÖKOSTROM Energie, die per Wind und Sonne erwirtschaftet wird, ist quasi Opfer ihres eigenen Erfolgs: Die erfreulicherweise immer mehr fossilfrei hergestellte Stromenergie lässt sich, im Gegensatz zur Herstellung durch Atom- oder Kohlekraftwerke, nicht permanent erzeugen, sondern nur bei Sonnenschein beziehungsweise Wind. Das bisherige Stromsystem ist jedoch darauf ausgerichtet, dass Energie konstant erzeugt wird und Kunden den Strom zu konstanten Konditionen abnehmen. Die Umstellung auf flexible Tarife ändert all das. Weder können Stromanbieter mit dynamischen Tarifen künftig ihre Einnahmen vorhersagen, noch können Stromverbraucher sehen, wie hoch ihre Stromkosten über das Jahr hinweg ausfallen. Dynamische Stromtarife setzen sich zumeist aus einem fixen monatlichen Grundpreis sowie dem variablen Arbeitspreis zusammen. Für das Management flexiblen Stroms muss die Infrastruktur digitaler werden, zusätzliche Stromtrassen müssen gebaut und große, gewerbliche Batteriespeicher errichtet werden. „Bislang galt Strom als Low-Involvement-Produkt, also als eine Ware, für die sich Stromkunden kaum interessieren. Das wird sich mit der wachsenden Verbreitung dynamischer Tarife, Gebäudeautomation und den ESG-Anforderungen von Mietern und Projektentwicklern ändern“, meint Johannes Fütterer. Damit haben aber auch alle Stromkunden, ob private oder gewerbliche, nun die Chance, ihre bislang passive Rolle zu verlassen und mit der entsprechenden Technik aktiv in ihre Energiesteuerung einzugreifen, um den Verbrauch zu senken, Kosten zu sparen und ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. 1 KATHARINENKAI Das in Hamburg von der MOMENIGroup errichtete Büroensemble wird auch als Zwischenspeicher für günstig erworbenen Strom genutzt (GEG) vor. Das GEG basiert auf der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) der EU. Dieses Gesetzeswerk sieht in den nächsten Jahren weitere Verschärfungen für Gebäude vor. Ein weiterer Vorteil von Demand Side Management ist die Möglichkeit der Lastspitzenkappung („Peak Shaving“). Denn die Leistungspreise für gewerbliche Stromkunden orientieren sich an ihrem maximalen Strombedarf. Das heißt, sie müssen einen vergleichsweise hohen Preis zahlen, selbst wenn ihr Verbrauchspeak nur einmal die Woche erreicht wird, etwa wenn eine zusätzliche stromintensive Maschine hochgefahren wird, während die Produktion bereits auf Hochtouren läuft. Gelingt es mit einem smarten Strommanagement, die Produktionsabläufe so zu ändern, dass die Maschine beispielsweise während einer stromarmen Zeit aktiviert wird, kann der Strompreis zusätzlich reduziert werden. Der Stromverbrauch wird künftig weiter steigen. Flexibel gewonnener Ökostrom ersetzt langfristig fossile Energieträger beim Verkehr, bei Wärme- und Klimatechnik sowie im produzierenden Gewerbe. Im ersten Halb1

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