91 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Nachhaltigkeit & Technologie Dynamische Stromtarife Ab Januar 2025 müssen alle Stromanbieter dynamische Stromtarife für alle Verbraucher anbieten (§ 41a Energiewirtschaftsgesetz). Dabei orientieren sich die Kosten pro Kilowattstunde (kWh) am tagesaktuellen Preis der Strombörse. Ist viel Strom verfügbar, etwa weil an einem sonnigen Tag viel Solarstrom eingespeist wird, sinkt der Preis. In Zeiten, in denen zum Beispiel Industrie und Haushalte viel Strom benötigen und wenig Wind- und Sonnenenergie zufließt, ist er höher. Für private Haushalte bieten verschiedene digitale Anbieter wie Tibber, Octopus Energy oder Rabot Charge schon heute flexible Stromtarife an. Aber eine merkliche Verbreitung wird diese Tarifart ab Anfang 2025 erhalten, wenn auch die größten Versorger, bundesweit rund 900 Stadtwerke, in dieses Tarifmodell einsteigen. Im Gebäudesektor eröffnen dynamische Stromtarife, auch „flexible Tarife“ genannt, neue Möglichkeiten, Nebenkosten zu sparen und den CO2-Fußabdruck zu senken. Zudem stabilisieren sie das Stromnetz. „Werden Belastungsspitzen aufgrund flexibler Preise und Stromverbräuche abgemildert, reduziert sich somit auch der Ausbaubedarf der Stromnetze“, ergänzt Dr. Joachim Lohse, Geschäftsführer des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). So weit die Theorie. Bis die große Mehrheit der Privathaushalte von optimierung von Gebäuden. Den größten Effizienzhebel erzielt die Technik, wenn größere Gebäude wie Büroimmobilien oder produzierendes Gewerbe mit smarter Technik betrieben werden. Das gilt sowohl für Neubauten als auch für Bestandsgebäude. SMART-METER-GESETZ Ein zweites Gesetz spielt der Transformation hin zu einem automatisierten Gebäudeenergiemanagement in die Hände: Im Mai wurde das Smart-Meter-Gesetz verabschiedet, das die Einführung digitaler Stromzähler beschleunigt. Bis Ende 2030 sollen 95 Prozent der Haushalte und Unternehmen mit dieser Technik ausgestattet sein. „Bereits ab 2025 müssen Kunden mit einem durchschnittlichen Verbrauch zwischen 6.000 und 100.000 kWh pro TEXT Judith Väthjunker IMMER DEN GÜNSTIGSTEN STROM VERBRAUCHEN Ab 2025 kommt die Umstellung auf FLEXIBLE STROMTARIFE. Strom aus erneuerbaren Quellen wird dann sinnvoller genutzt. Netze sollen nicht mehr überlastet werden. Außerdem reduziert das Tarifwerk die Nebenkosten. Doch um diese Vorteile zu heben, müssen die Gebäude dafür technisch ausgerüstet sein. geringeren Stromkosten profitiert, wird aber noch Zeit verstreichen. Mehrere Dinge müssen dafür zusammenkommen. Erstens muss das Gebäude technisch aufgerüstet werden. Zweitens müssen Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen für diese Technik ausgelegt sein. Schon heute können Ladestationen für E-Autos und Wärmepumpen damit arbeiten. Drittens wird ein System für eine automatisierte Laststeuerung benötigt, das so genannte Demand Side Management (DSM). „Auf Basis der Marktsignale, die anzeigen, wie viel Strom zu welchem Preis gerade verfügbar ist, drosselt oder erhöht die Technik den Strombezug, beispielsweise für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen“, erläutert Dr.-Ing. Johannes Fütterer, Geschäftsführer der aedifion GmbH. Das Unternehmen entwickelt digitale Softwarelösungen für die BetriebsA WISSENSWERTE FRISTEN Ab 2025 müssen Kunden mit einem durchschnittlichen Verbrauch zwischen 6.000 und 100.000 kWh pro Jahr sowie Anlagen mit einer installierten Leistung von 7 bis 100 kW verpflichtend einen Smart Meter einbauen. Bereits bis Ende Dezember 2024 müssen Nichtwohngebäude, die mehr als 290 kW kombinierte Nennleistung aus Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik verbrauchen, mit einer digitalen Energie-Überwachungstechnik ausgestattet werden. Das sieht § 71a Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor.
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