Immobilienwirtschaft 6/2024

77 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 mehr Service, dass das in die Rechnung eingepreist werden muss. Was zukünftig laut Wölfle stärker praktiziert werden muss, „ist der Ausbau von Netzwerken innerhalb der Makler und ein pragmatischer Umgang mit Hilfsmitteln zur optimalen Kostendeckung im Unternehmen“. Wiebke Zauka, Prokuristin der Toplage Immobilien GmbH aus Kiel, nutzt 3D-Besichtigungen insbesondere bei Neubauwohnungskomplexen, wo in der Regel nur eine Musterwohnung zu besichtigen ist – also sehr gezielt, um einen Mehrwert zu generieren. Außerdem komme objektspezifisch das digitale Homestaging zum Einsatz. Wo es möglich ist (Fluggenehmigung etc.), werde zudem eine Drohne eingesetzt, die von einem Kollegen mit Drohnenführerschein geflogen werde, so Zauka. ENORMER NACHHOLBEDARF IM BESTAND „Der Makler muss für seine Kunden heute ein Allrounder sein“, sagt Samina Julevic, CEO Remax Germany. „Wir haben einen Rundum-Service entwickelt entlang der Kundenanforderungen. Wir agieren als Finanzdienstleister, können den Teilverkauf von Objekten anbieten und bilden das Thema Preisfindung mit unserer Software DAVEit ab“, so Julevic. KI-Technologien sollten das Alltagsgeschäft erleichtern und beschleunigen. Makler im Remax-Netzwerk können einen KI-Textgenerator nutzen, „der ansprechende Texte automatisch und effizient erstellt“. Zudem biete man neuerdings intelligente Lagekarten auf der Website an. Gemeinsam mit dem Hamburger PropTech-Unternehmen AreaButler würden mithilfe von KI maßgeschneiderte Lage-Exposés erstellt, die präzise auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abgestimmt sind, erklärt Julevic. „Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile in der Bevölkerung angekommen, und Schulterzucken löst es nur noch bei wenigen Menschen aus“, so Anika Schönfeldt-Schulz. Die Traditions-Maklerin und Vorsitzende des IVD-Nord aus Hamburg weiß um den Nachholbedarf bei Bestandsimmobilien, „von denen ein Großteil den aktuellen energetischen Anforderungen nicht mehr entspricht“. Spätestens beim Bewohnerwechsel komme der energetischen Sanierung daher eine besondere Bedeutung zu, so Schönfeldt-Schulz. Für Immobilienmakler, die oft in diesen Prozess eingebunden sind, sei daher ein Grundwissen über bautechnische Standards unbedingt empfehlenswert. In der Beratung von Eigentümern oder Käufern muss indes laut Schönfeldt-Schulz klar sein, dass die Branchenkompetenz nicht darin liegt, in die Tiefe gehende energetische Sanierungsberatungen anzubieten. Der Makler fungiere quasi als „Eingangslotse“ zu Fragen der Energieeffizienz, meint Jan Meyer, Geschäftsführer Immoto Immobilien GmbH & Co. KG. Es gehe zunehmend darum, zu erkunden, ob durch das Ansteigen der zweiten Miete dann noch genügend finanzieller Spielraum für die erste Miete bleibe, so die Einschätzung Meyers. Der Immobilienfachmann aus Oldenburg hat nach eigener Aussage kein Problem damit, wenn Kunden ihren eigenen Energieberater nach der ersten Vorauswahl bei der Besichtigung mitbringen würden. Natürlich sei das berufliche Netzwerk mit Architekten, Ingenieuren, Handwerkern der Energiebranche wie auch Beratern in der aktuellen Marktsituation noch einmal wichtiger geworden, so Meyer. Nicht nur die Selbstnutzer, sondern vielleicht noch mehr die Anleger hätten ein besonderes Augenmerk auf die dauerhaft gute Energiebilanz ihrer Objekte. Prinzipiell plädiert Jan Meyer für den Auf- und Ausbau der Schulungsthemen des Verbandes IVD-Nord zu Bau- und Energietechnik. NACHHALTIGKEIT IST NICHT NUR TREND Fakt ist: Als weltweit größter CO2-Emittent steht der Immobiliensektor vor der enormen Herausforderung, die eigenen Geschäftsmodelle bis hin zu Neubauten und Bestandsimmobilien im Portfolio zeitnah ESG-konform zu gestalten – und damit einen Beitrag zur Reduzierung der globalen Emissionen zu leisten. „Nachhaltiges Handeln ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Bei der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft für unsere Gesellschaft sind ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Gebäude unerlässlich“, so Christian Elsholz, Partner Capital Projects, Infrastructure and Real Estate bei PwC Deutschland. JAN MEYER Geschäftsführer Immoto Immobilien GmbH & Co. KG „Der Makler fungiert quasi als ‚Eingangslotse‘ zu Fragen der Energieeffizienz. Es geht zunehmend darum, zu erkunden, ob durch das Ansteigen der zweiten Miete dann noch genügend finanzieller Spielraum für die erste Miete bleibt.“ SAMINA JULEVIC CEO Remax Germany „Der Makler muss für seine Kunden heute ein Allrounder sein. Wir haben einen Rundum-Service entlang der Kundenanforderungen entwickelt. Wir agieren als Finanzdienstleister, können den Teilverkauf von Objekten anbieten und bilden das Thema Preisfindung mit unserer Software DAVEit ab.“

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