Immobilienwirtschaft 6/2024

54 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Schwerpunkt Fachkräftemangel 72 Prozent der Firmen im DACH-Raum sehen KI in der Personalentwicklung als einen der wichtigsten Trends für die nächsten drei bis fünf Jahre.* *Quelle: Studie von Pinktum und eLearning Journal 1 Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre vorschlagen. Neben der Kommunikation spielt KI auch eine zentrale Rolle im strategischen Talent Management und in der Leistungsbewertung. Durch die Analyse von Leistungsdaten und sozialen Interaktionen innerhalb des Unternehmens können Muster erkannt werden, die auf zukünftige Fluktuationsrisiken hinweisen. Dies erlaubt es, präventive Maßnahmen zu ergreifen und die Mitarbeiterbindung langfristig zu sichern. Deloitte fand heraus, dass Unternehmen, die People Analytics und datenbasierte HR-Strategien nutzen, im Durchschnitt eine um 30 Prozent höhere Aktienrendite erzielen als ihre Wettbewerber. Trotz erster Erfolge ist der Einsatz von KI im HR-Bereich längst nicht ausgeschöpft. Daher wundert es nicht, dass viele Unternehmen sich zunehmend unter Druck gesetzt sehen, ihre Investitionen in KI und maschinelles Lernen zu erhöhen, um die Mitarbeitererfahrung nachhaltig zu verbessern. Denn neben den genannten Anwendungsbeispielen im administrativen Bereich liegt ein großes Potenzial in der strategischen Neuausrichtung von HR-Prozessen und der Maximierung des Mitarbeiterwerts. WENN KI KARRIEREWEGE VORZEICHNET Insbesondere im Bereich der strategischen Talententwicklung bietet KI Chancen, die weit über das hinausgehen, was heute in der Praxis realisiert wird. Die Einbindung von Predictive Analytics zur Identifikation von zukünftigen Führungskräften, zur Prognose von Karriereverläufen und zur dynamischen Gestaltung von Kompetenzmodellen könnte Unternehmen dabei unterstützen, Talente gezielt zu fördern und langfristig zu binden. Diese tiefgreifenden Analysen könnten künftig die Grundlage für eine datengetriebene Personalstrategie bilden. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Prognose des „Cultural Fit“ und die Identifikation des idealen Karrierepfads für Mitarbeitende. Mithilfe von Predictive Analytics können historische Daten aus früheren Rekrutierungsprozessen genutzt werden, um Muster zu erkennen, die auf eine hohe Übereinstimmung zwischen einem Kandidaten und der Unternehmenskultur hinweisen. Diese Technologien analysieren nicht nur fachliche Qualifikationen, sondern beziehen auch Faktoren wie soziale Interaktionen, berufliche Interessen und sogar Sprachmuster in ihre Prognosen mit ein. Dies kann Unternehmen helfen, Mitarbeitende nicht nur basierend auf aktuellen Anforderungen auszuwählen, sondern auch darauf, wie sie sich langfristig entwickeln und in die Unternehmensstrategie integrieren könnten. Als Anwendungsbereich vielversprechend ist außerdem die Integration in die strategische Teamzusammenstellung und Innovationsförderung. Hier können KI-Systeme durch die Analyse der internen Kommunikationsmuster und der Projektverläufe Rückschlüsse darauf ziehen, welche Mitarbeitenden besonders gut zusammenarbeiten und welche Teamkonstellationen das größte Innovationspotenzial bieten. Darüber hinaus könnte KI auch in Video-Interviews neue Maßstäbe setzen. KI-gestützte Tools analysieren Videoaufnahmen und identifizieren subtile nonverbale Hinweise wie Mimik, Gestik und Stimmmodulation, um die Eignung eines Bewerbers noch umfassender zu beurteilen. Diese Technologie kann vor allem in frühen Phasen des Auswahlprozesses genutzt werden, um die Zahl der vielversprechendsten Kandidatinnen und Kandidaten schneller zu reduzieren. Bei all dem beeindruckenden Potenzial von KI gibt es einen entscheidenden Faktor, der darüber bestimmt, ob Unternehmen die Vorteile tatsächlich voll ausschöpfen können: die zielgerichtete Implementierung. Viele Unternehmen befinden sich noch in einer Experimentierphase, in der Technologien getestet, jedoch nicht strategisch in bestehende HR-Prozesse integriert werden. Ohnehin ist es noch nicht ratsam, sofort in alle verfügbaren KI-Lösungen zu investieren. Eine schrittweise Einführung, die die Grenzen und Risiken im Blick behält, ist eher der richtige Weg. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ KANN VIELES, NUR NICHT MENSCHELN Denn auch wenn KI im Personalwesen zahlreiche Vorteile bietet, gibt es wichtige Aufgabenbereiche, in denen der Einsatz von KI mit Vorsicht betrachtet werden sollte. Diese Grenzen sind vor allem dort zu beachten, wo menschliche Feinheiten, komplexe soziale Interaktionen oder ethische Fragen eine zentrale Rolle spielen. Insbesondere bei Feedback- und Konfliktgesprächen oder sensib1 IMMOFOLIAGRÜNDER Alexander Stade (rechts) und René Wolter-Pecksen sind auch Geschäftsführer des Unternehmens

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==