52 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Schwerpunkt Fachkräftemangel L Laut dem Artificial Intelligence Report 2023 von Ernst & Young verwendeten europaweit nur sieben Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) im HR-Bereich. In diesem Jahr hat der Einsatz jedoch einen Schub erhalten, vor allem in RecruitingAgenturen. Dennoch bleibt der ganz große Durchbruch im Personalwesen der Immobilienbranche und anderer Wirtschaftszweige bislang noch aus. Noch. Es ist nur eine Frage der Zeit. AKTUELLE EINSATZBEREICHE: RECRUITING UND SCHICHTPLAN Erst einmal aber ein Blick ins Hier und Jetzt: Noch herrscht die „Angst“ vor der Fehleranfälligkeit der KI. Bewerbende könnten sie erkennen und die Qualität des Unternehmens durch falsche Ansprachen oder Texte mit verfehltem Inhalt in Frage gestellt werden. Die Zurückhaltung in der Branche rührt also nicht aus einem Mangel an Technologie, sondern aus der Komplexität der HR-Aufgaben, die neben datenbasierten Prozessen auch menschliche Intuition erfordern. Daher beschränkt sich KI-Anwendung bislang auf die Automatisierung von sich wiederholenden Prozessen. Viele Unternehmen nutzen diese KI etwa, um den Aufwand Vorauswahl der Kandidatinnen und Kandidaten, die am besten zu den Anforderungen der ausgeschriebenen Position passen. Vor allem in den USA hat sich diese Praxis etabliert, weil sie Unternehmen ermöglicht, große Bewerbermengen effizient zu bewältigen. Ein drittes wichtiges Einsatzfeld von KI im HR-Bereich ist die Optimierung von Stellenanzeigen. Durch die Analyse von Sprachmustern und Strukturvorgaben kann KI sicherstellen, dass Stellenanzeigen zielgerichtet und inklusiv formuliert werden. So werden eine breitere, diversere Zielgruppe angesprochen, unbewusste Vorurteile minimiert und dadurch Chancengleichheit gefördert. Auch bei der Suche nach hochqualifizierten Bewerbern hilft die KI-getriebene Datenanalyse. So sehen laut Deloitte-Studie 71 Prozent der Unternehmen People Analytics und Text Mining als Schlüsselinstrumente. Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die Unterstützung der Mitarbeitenden durch maßgeschneiderte Lern- und Entwicklungspfade. Anstelle allgemeiner Weiterbildungsangebote ermöglichen KI-gestützte Tools die Entwicklung von Lernangeboten, die exakt auf die Bedürfnisse und Ziele der einzelnen Mitarbeitenden abgestimmt sind. MITARBEITERBINDUNG: KI ALS GLÜCKLICHMACHER Ein besonders innovativer Ansatz ist der Einsatz von KI in der Mitarbeiterkommunikation und -bindung, etwa mit Chatbots und intelligenten Feedback-Systemen. KI-gestützte Chatbots können einfache Anfragen rund um die Uhr beantworten und Mitarbeitenden den Zugang zu Informationen erleichtern, ohne dass sie auf die Verfügbarkeit von HR-Mitarbeitenden angewiesen sind. Gerade im Onboarding-Prozess ein Riesenvorteil. Darüber hinaus kann KI durch kontinuierliche Sentiment-Analysen und die intelligente Auswertung von Mitarbeiter-Feedback frühzeitig Probleme identifizieren und gezielte TEXT Alexander Stade PERSONALWESEN EX MACHINA KÜNSTLICHE INTELLIGENZ wird schon heute im Personalwesen genutzt – etwa um Talente zu erkennen und Schichtpläne zu erstellen. In Zukunft könnte sie sogar Karrieren bestimmen. Oder vorhersagen, wer das Zeug hat, Chef zu werden. Ein faszinierender Blick in eine neue Ära der Personalentwicklung. für administrative Aufgaben zu reduzieren und die Effizienz in der Personalabteilung zu steigern. Laut einer globalen Studie von Workday glauben gar 99 Prozent der Entscheidungsträger, dass Investitionen in KI geschäftliche Vorteile bringen. Zu den häufigsten Gründen zählen verbesserte Entscheidungsfindung (41 Prozent), die Automatisierung von Geschäftsprozessen (35 Prozent) sowie eine gesteigerte Mitarbeiterbindung und -erfahrung (32 Prozent). Ein klassischer Einsatzbereich für KI ist die Personaleinsatzplanung, wo Systeme bereits komplexe Schichtpläne erstellen. Hier werden verschiedene Kriterien berücksichtigt, wie gesetzliche Vorschriften, individuelle Präferenzen der Mitarbeitenden und die betriebliche Auslastung, um faire und effiziente Schichtmodelle zu entwickeln. Der Mehrwert zeigt sich in einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit, ist in der Immobilienwirtschaft meist aber höchstens im Bauträgergeschäft relevant. Ein weiteres etabliertes Anwendungsgebiet im HR-Bereich ist das automatisierte Screening von Bewerbungen. Diese Systeme analysieren eingehende Lebensläufe auf Qualifikationen und Erfahrung, filtern unpassende Bewerbungen heraus und erstellen eine
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