nur, um seine Immobilien zu bewerben, sondern auch, um seine Reise zum erfolgreichen Unternehmer zu dokumentieren. Allein im vergangenen Jahr konnte Serhant seine Mitarbeiterzahl um 48 Prozent auf annähernd 600 erhöhen. Die Causa Lara Sophie Bothur, Deutschlands erste hauptberufliche Corporate Influencerin bei Deloitte und unter den Top 10 der reichweitenstärksten Deutschen auf der Business-Plattform, zeigt indes die Grenzen dieser Strategie auf. Bothur, deren LinkedIn-Auftritt laut eigener Aussage einer der größten Kanäle für Employer Branding bei Deloitte ist, geriet Anfang 2024 heftig in die Kritik, als Zweifel an der Echtheit ihrer 300.000 Follower aufkamen. Es wurde spekuliert, dass sie Follower gekauft oder so genannte Engagement-Pods genutzt habe – Gruppen, die sich gegenseitig durch Likes und Kommentare unterstützen. Dieser Fall zeigt, dass Reichweite „um jeden Preis“ auch Risiken birgt. Unternehmen, die auf Corporate Influencing setzen, müssen sicherstellen, dass die Authentizität und Glaubwürdigkeit der Influencer gewahrt bleiben. Besonders in der Immobilienbranche, wo Vertrauen zentral ist, könnten solche Zweifel erheblichen Schaden anrichten und das Employer Branding gefährden. Auch Julian Nasiri hebt hervor, dass Authentizität oberste Priorität hat. „Es ist mir wichtig, dass meine Inhalte authentisch sind. Ich poste daher Themen, die mich persönlich interessieren, unabhängig von Unternehmensvorgaben, Werbemöglichkeiten und Unternehmensneuigkeiten“, erklärt er. Unternehmen, die ihre Führungskräfte und Mitarbeitenden ermutigen, authentische Inhalte auf LinkedIn und Co. zu teilen, können sich im Wettbewerb um die besten Talente einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Nico Kramp trifft den Kern: „Corporate Influencing spielt eine zentrale Rolle im Employer Branding. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, ein authentisches und positives Bild des Unternehmens zu vermitteln.“ So stärkt man die Marke und gewinnt die besten Talente für sich. Er unterstreicht, dass Menschen vor allem anderen Menschen folgen – nicht Unternehmen. „Persönliche Profile, die authentisch und strategisch geführt werden, erreichen deutlich mehr Menschen als reine Unternehmensprofile“, so der Berliner. Diese authentische Ansprache sei der Schlüssel zum Erfolg. Mit seiner LinkedIn-Präsenz möchte er Assetbird als Innovationsführer und Gestalter des digitalen Wandels in der Immobilienwirtschaft positionieren. Kramp betont, dass Corporate Influencing ein zentraler Faktor sei, um die richtigen Talente zu gewinnen – Menschen, die die Werte des Unternehmens teilen und dessen Wachstum vorantreiben wollen. ERFOLGSFORMEL: REICHWEITE UND PERSÖNLICHKEIT Auch Jakob Mähren, CEO der Mähren AG, kombiniert Reichweite und Persönlichkeit, um potenzielle Mitarbeitende anzusprechen. In seinen LinkedIn- Videos spricht er über offene Stellen und bewirbt zu besetzende Schlüsselpositionen des Unternehmens. Mit rund 19.000 Followern auf dem Unternehmensprofil und 124.000 auf seinem persönlichen Account ist die Mähren AG eines der wenigen deutschen Immobilienunternehmen, die auch Instagram nutzen, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Diese Plattform spielt eine Schlüsselrolle, um jüngere Talente zu gewinnen. Vor allem Maklerhäuser der neuen Generation, sogenannte „Social Makler“, setzen auf Instagram, um neue Mitarbeitende zu rekrutieren. Videos, in denen sie das Unternehmen vorstellen, und einfache, direkte Bewerbungsmöglichkeiten über Instagram-Formulare werden von den Jungfirmen gezielt eingesetzt. Ihr Vorbild: Ryan Serhant, der wahrscheinlich schillerndste Social Makler weltweit. Bekannt aus der Netflix-Show „Owning Manhattan“, hat Serhant seine Präsenz auf Instagram und Youtube massiv ausgebaut. Er nutzt diese Plattformen nicht Quelle: Index Recruiting-Report 2024 von Index Research Top 5 Recruiting-Maßnahmen für die das meiste Budget aufgewendet wurde (Mehrfachauswahl möglich) Stellenanzeigen auf Online-Jobbörsen 63% Social-Media-Recruiting 28% Stellenanzeigen Print 23% Karrieremessen 12% Mitarbeiterempfehlungen bzw. -programme 11% Die wichtigsten Trends im Recruiting Welche Themen werden Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr die wichtigsten Trends im Recruiting sein? (Mehrfachauswahl möglich) 51% 35% 28% 28% 27% 14% 12% 7% Social Media Recruiting Employee Engagement Active Sourcing Skill-basiertes Recruiting KI im Recruiting Automatisiertes Recruiting Datenbasiertes Recruiting Virtual Reality/ Augmented Reality An der Umfrage nahmen zwischen Juni und Juli 2024 638 Personalverantwortliche aus Deutschland teil. 42 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Schwerpunkt Fachkräftemangel
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