Immobilienwirtschaft 6/2024

38 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Schwerpunkt Fachkräftemangel Künstlicher Intelligenz klingt aufregender als die Verwaltung von Gebäuden oder Mietprozessen. Es laufen durchaus auch coole Projekte, doch im Gegensatz zu anderen Branchen sind in der breiten Öffentlichkeit nur sehr wenige prominente Start-ups oder „Big Player“ als technologische Vorreiter bekannt. Es sind Unternehmen wie Google, Amazon oder Tesla, die die Vorstellung von Innovation und Fortschritt in der Tech-Welt dominieren. In der Immobilienbranche sind PropTech-Unternehmen zwar auf dem Vormarsch, haben aber noch nicht die gleiche Strahlkraft oder Bekanntheit, um als „Traumarbeitgeber“ in Frage zu kommen. Dorner setzt als Arbeitgeber auf möglichst frühe Einbindung der Studierenden: „Unser Unternehmen macht gute Erfahrungen bei Kooperationen mit regionalen Hochschulen. Wir schreiben Abschlussarbeiten aus, bieten attraktive Jobs für Werkstudierende an und gehen regelmäßig zu verschiedenen Veranstaltungen von Hochschulen.“ Kritisch merkt er der Punkt. Doch die Unternehmen müssen weiter denken: Es sind auch Veränderungen in der DNA zwingend nötig. Flexibel und bereit zu sein für etwas Neues, offen zu sein für Innovation – das ist es, was die Branche wieder lernen muss. Weggehen von dem engen Korsett, den starren Hierarchien hin zu Innovation und zum Ausprobieren. Gerade im IT-Umfeld, wo die Arbeitsbelastung, auch durch einen hohen Innovationsdruck, phasenweise extrem hoch ist, helfen flexible Entlastungskonzepte und günstige Rahmenbedingungen (siehe Ideen-Kasten), die Positionen attraktiver zu gestalten. Der Fokus sollte aber nicht allein auf der Rekrutierung neuer Talente liegen, sondern auch auf der besseren Bindung der Mitarbeitenden im Unternehmen (siehe S. 44-47). TIKTOK, INSTAGRAM UND CO. ALS BRÜCKE Um auf sich aufmerksam zu machen und neue Talente zu gewinnen, geht die Branche daher inzwischen unterschiedliche Wege. Neben Messen und Absolventenkongressen von Hochschulen spielt das Recruiting über SocialMedia-Plattformen eine große Rolle. „Je nach Altersgruppe sollte man den passenden Kanal für die Bewerberansprache wählen. Das macht die Stellenbesetzung komplex, selbst für uns als hochvernetztes PropTech-Unternehmen, das eine KI-basierte Cloud-Lösung für die digitale Betriebsoptimierung von Immobilien anbietet“, sagt Felix Dorner, CFO des Kölner PropTechs aedifion. In der Branche gesucht würden Uni-Absolventen genauso wie Experten mit 20-jähriger Berufserfahrung. Jobstarter finde man, so seine Erfahrung, immer öfter auch bei Instagram, teilweise sogar auf TikTok. Wer dagegen bereits im Job sei, werde eher über einen Kanal wie LinkedIn erreicht. Es ist die Mischung aus traditionellen und innovativen Ansätzen, die den Unterschied macht. Gerade die jüngere Generation sucht oft nach Branchen mit einem gewissen Coolness-Faktor. Das Arbeiten an selbst fahrenden Autos, Virtual Reality oder 5 Tipps, um Tech-Talente anzuziehen 1 Internationale Rekrutierung und Remote Work: Gerade in der IT sind Remote-Arbeitsmodelle in internationalen Firmen, wie SAP und Siemens, bereits Alltag. IT-Expertinnen und -Experten können so von überall auf der Welt für ein deutsches Unternehmen arbeiten. 2 Technologieorientierte Hochschulkooperationen: Die Zusammenarbeit mit Hochschulen beinhaltet nicht nur die Förderung von IT-nahen Studiengängen, sondern auch die Gründung von gemeinsamen Innovationszentren bzw. Hackathons, um Talente frühzeitig zu identifizieren. 3 Active Sourcing und gezieltes Employer Branding: Selbst hoch bewertete Unternehmen wie SAP setzen auf personalisierte Ansprache von Fachkräften über Social Media und Networking-Events. Besonders erfolgreich sind dabei die so genannten „Tech Talks“, bei denen IT-Mitarbeitende und Führungskräfte einen Einblick in die technologische Strategie des Unternehmens geben und gezielt Talente ansprechen. 4 Förderung von Diversity und Inklusion: Accenture beispielsweise hat gezielt Programme für Frauen in der IT entwickelt und begleitet diese mit Mentoring-Programmen und Netzwerken für weibliche Führungskräfte. Die Initiative #SheTransformsIT, die ebenfalls von großen Unternehmen unterstützt wird, fördert den Einstieg von Frauen und unterrepräsentierten Gruppen in technische Berufe. 5 „Smart-Living-Hackathons für die Zukunft des Wohnens“: Eine spannende Möglichkeit, Fähigkeiten im Bereich IoT, Künstliche Intelligenz und Datenanalyse einzusetzen, um Lösungen für die Zukunft des Wohnens zu entwickeln. Die besten Teams erhalten nicht nur Preise, sondern auch die Chance, ihre Lösungen direkt in realen Immobilienprojekten umzusetzen. So macht man die Wohnungswirtschaft für junge Entwickler greifbar. in Bezug auf die Hochschulen an, dass die universitäre Ausbildung im Real-Estate-Bereich in Sachen Digitalisierung allerdings noch etwas hinterherhinke. Bis vor fünf Jahren habe es noch keine Möglichkeiten gegeben, Vorlesungen mit IT-Schwerpunkten zu wählen. Das habe sich zwar gebessert, könnte aber noch optimiert werden, so sein Appell. AUSBILDUNG HINKT HINTERHER Auch das Thema Zuwanderung von Fachkräften, beispielsweise mithilfe der EU-Bluecard, ist ein wichtiger Weg, der in der Branche verstärkt betrachtet werden sollte. Bei aedifion ist das schon Alltag. „Besonders in den MINT-Berufen schaffen wir dadurch Zugang zu hochqualifizierten Talenten aus der ganzen Welt. Der erste Mitarbeiter aedifions kam aus Pakistan, und heute sind wir stolz darauf, ein Team aus zwölf verschiedenen Nationen zu beschäftigen. Diese Vielfalt stärkt unsere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit“, so Dorner.

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