36 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Schwerpunkt Fachkräftemangel Wir befinden uns im Jahre 2024 n. Chr. ... Ganz Deutschland spricht von der Krise ... Ganz Deutschland? Nein! Eine Branche leistet den Negativmeldungen Widerstand: Trotz der schwachen konjunkturellen Entwicklung konnten die von Lünendonk untersuchten IT-Dienstleister ihre Inlandsumsätze 2023 um durchschnittlich 9,7 Prozent steigern. Ein Knick in der Nachfrage ist nicht in Sicht. Vor allem die Industrie (34 Prozent) und der Finanzsektor (17,7 Prozent) sind aktiv. Eine Zunahme sehen die Analysten aber auch im öffentlichen Sektor (9,6 Prozent). Kein Wunder: Der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung bei den Behörden ist groß. DIGITALISIERUNGSBREMSE Viele Unternehmen, darunter auch die Immobilienbranche, können ihre vakanten IT-Stellen nicht oder nur schwer besetzen. Das nervt nicht nur die Personalabteilungen, sondern kostet auch viel Geld. Und: 52 Prozent der befragten Unternehmenssprecher gaben an, dass die Schwierigkeit, digitale Kompetenzen aufzubauen, die digitale Transformation verlangsame und es dadurch dauerhaft zu Wettbewerbsnachteilen kommen werde. Ohne IT geht es angesichts des demografischen Wandels nirgends mehr. 94 Prozent der befragten CIOs und IT-Leiter setzen große Hoffnung in die IT, um mit generativer KI, Robotisierung und Automatisierung die Lücke zu füllen. Die Entwicklung bei den IT-Fachkräften ist wenig überraschend. Erschreckend ist allerdings die Dimension. Wie groß die Lücke bereits geworden ist, zeigt die diesjährige Bitcom-Langzeitstudie. Aktuell sind in Deutschland 149.000 Stellen für IT-Expertinnen und -Experten unbesetzt. Das sind 12.000 mehr als vor einem Jahr. Bis 2040 werden rund 660.000 IT-Fachkräfte fehlen. Werfen wir nun einen Blick auf die komplexe und vielschichtige Immobilienbranche. Auch sie steht an der Schwelle der digitalen Transformation, und deshalb spielen auch hier IT-Expertinnen und -Experten eine zentrale Rolle. Doch die finden die Branche langweilig. Das hat seine Gründe: Die Immobilienbranche hat sich im Vergleich zu anderen Branchen, wie FinTech, E-Commerce oder Softwareentwicklung, langsam digitalisiert. Viele junge Menschen assoziieren sie daher mit veralteten Prozessen und überbordender Bürokratie, mit papierbasierter Dokumentation und manuellen Prozessen, und nicht mit KI und Blockchain. Dabei hat die als konservativ eingestufte Branche enormes Potenzial und bietet Gestaltungsspielraum für innovative Lösungen, angefangen bei Themen wie Smart Buildings und Senior Living, über die Automatisierung von Verwaltungsprozessen von tausenden von Wohnungen bis hin zu vielschichtigen Mietanalysen. Doch das wird oft nicht ausreichend kommuniziert. Branchen wie die Automobilindustrie oder die Luftfahrt sind Meister der Selbstvermarktung. „Die Immobilienbranche ist zwar nicht das Silicon Valley, aber dennoch sehr attraktiv für IT-Experten, weil sie aufgrund des allgemein geringen Digitalisierungsstandes der Branche sehr großes Potenzial und überdurchschnittliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet“, betont Marko Broschinski, Head of Sales Intreal Solutions. Fachkräfte könnten auch durch Weiterqualifikation aus den eigenen Reihen entstehen. Große Chancen sieht er auch in der Zusammenarbeit mit externen Partnern wie Bildungseinrichtungen und in der Kooperation mit PropTechs, die aus Universitäten hervorgegangen seien. Andere Branchen, wie die Banken- oder Versicherungsbranche, denen ebenfalls ein konservativer Ruf anhängt, haben schon viel früher auf innovative Rekrutierungsstrategien gesetzt. Die Immobilienbranche hinkt da noch hinterher. „Von ausgebildeten ITFachkräften werden Unternehmen aus der Immobilienbranche als potenzieller Arbeitgeber häufig gar nicht erst wahrgenommen. Der ‚Coolness-Faktor‘ fehlt einfach“, bringt es Matthias Höppner, Geschäftsführer des Recruiting- und W 149.000 Aktuell sind in Deutschland 149.000 Stellen für IT-Expertinnen und -Experten unbesetzt. Das sind 12.000 mehr als vor einem Jahr. Bis 2040 werden rund 660.000 IT-Fachkräfte fehlen.
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