Mallorca war jedoch die Ausnahme. Die Regel ist Norwegen, angeln. Oft mit Kindern und Enkeln. Ihr Zuhause ist einige Kilometer weg von Strausberg, auf dem Land, mit Mann und fünf Hühnern, an einem See mit Steg. Pruß bezeichnet sich selbst als Ur-Ossi. Sie kommt aus Berlin-Weißensee. Und verwaltet jetzt wieder eine Anlage in der Nähe des Ortes, wo sie Abitur gemacht hat, was sie riesig freut. Zur Zeit der Wende saß sie zu Hause mit einem Kind. Man war gerade nach Strausberg gezogen, der Weg nach Berlin an die Uni war weit. Sie erschien beim Arbeitsamt und meinte, sie wolle umschulen auf einen Beruf, der schon ein bisschen anspruchsvoll sein dürfe. So kam sie auf den Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Allerdings gab es keine WEGs im Osten, deshalb begann Pruß ihre Ausbildung in einem Maklerbüro. 1994 bekam dieses Büro den Auftrag, Wohnungen einer Kommune zu verwalten. Das könne doch sie tun, meinten die Makler. Während der Ausbildung, nach der Schule. Sie willigte ein, wenn sie einen festen Arbeitsvertrag bekomme. Sie bekam ihn. „ICH MACHE JEDEN TAG DIE POST“ Und machte sich kurze Zeit später dann doch selbstständig. Mit 150 Einheiten. Inzwischen sind es 5.000. Die kommunalen Wohnungen konnte sie mitnehmen in ihr neues Unternehmen, und sie bekam weitere dazu. Langsam wuchs es, jedes Jahr um etwa 100 Wohnungen. Als es später eine Gebietsreform gab, musste sie sich vom kommunalen Wohnungsbestand trennen. Da begann sie mit der Akquise privater Wohnungseigentümergemeinschaften. 1996, direkt nach ihrer Selbstständigkeit, war sie übrigens in den VDIV eingetreten, Landesverband Berlin-Brandenburg. Seit 1998 ist sie dort im Vorstand. 1998 war sie Anfang 30. „Ich bin oft im Büro, gehe ans Telefon, mache jeden Tag die Post.“ Es ist ihr ganz wichtig, dass die Mitglieder des VDIV Sylvia Pruß als eine Präsidentin wahrnehmen, die ihre Sprache spricht. Das wird sie nicht müde zu betonen. Aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich das vorzustellen. Alles Gewundene hasse sie, Worthülsen. Das verbinde sie übrigens mit der Bundesbauministerin. Sie mag die Geschichte, wie die einen Verbandspräsidenten mit den Worten zurechtgewiesen habe, die Zeit sei knapp und das, was er sage, habe sein Vorredner schon gesagt. Das erzählt sie frei heraus mit ihrem Berliner Dialekt. Bei so viel Bodenständigkeit könnte sich die Frage stellen nach den Visionen und Zielen, die die neue VDIV-Präsidentin im besten Falle ja auch haben sollte. Sich nicht auf der Größe ausruhen, immer weiter gehen, lautet ein Credo von ihr jedenfalls. Stagnation kann ich mir eher nicht vorstellen bei einer Frau, die lange Fan der Band Motörhead war. Ich lese von Einflüssen aus Punk, Hard Rock, Rock ’n’ Roll. Da wird’s eher laut und drängt voran. Pruß sieht sich selbst als weniger präsidial als den von ihr sehr geschätzten Vorgänger Heckeler. Aber darum geht es nicht. Ich glaube, Sylvia Pruß wird uns noch alle überraschen. 31 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024
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