18 · Immobilienwirtschaft · 06 / 2024 Menschen & Märkte Reportage Sorgen bereiten ihnen hingegen andere Dinge: Was, wenn der Fuchs mal wieder die Hühner holt? Wenn die Hundewiese nebenan bebaut wird? Oder die Mini-Sträßchen verbreitert werden, damit mehr Verkehr ins Umland kommt? „Wir haben viel Geld bezahlt, um hier unsere Ruhe zu haben“, sagt Willis. „Niemand von uns will neben einem Hochhaus wohnen.“ Doch auch sie profitieren von der idyllischen Lage, vermieten ihr renoviertes Cottage per Airbnb. Gerne würden sie den benachbarten Stall zu einem bewohnbaren Haus umbauen und den Garten verbreitern. Doch da machen ihnen die strengen Green-Belt-Regeln einen Strich durch die Rechnung – noch. „Wenn man hier eine Etage aufstocken will, ist das fast unmöglich“, sagt Bee Willis. „Da müssen schon die Holzbalken in den alten Häusern komplett durchgefault sein, bevor die Behörden einen Umbau genehmigen.“ Manche Nachbarn tricksten regelrecht, um Bauvorhaben auf ihrem eigenen Grundstück genehmigt zu bekommen. „Komplett gegen das Bauen sind wir nicht“, beteuert die Cottage-Besitzerin. Es müsse sich nur im Rahmen halten. So ist es am Ende eine Frage der Deutungshoheit, was im Green Belt passiert. Geht es wirklich nur um dringend benötigten Wohnraum? Oder auch um die Privilegien einiger Wohlhabender, die keine Menschenmassen in ihren sorgsam gepflegten Hinterhöfen wollen? Um sensible Ökosysteme? Um Geldmacherei? Um politische Spielchen? Womöglich steckt in allen Aspekten ein Funken Wahrheit, und genau das macht die Diskussion so kompliziert. BREXIT VERSCHÄRFT DIE PROBLEME Und dann wäre da noch die Umsetzung. Hunderttausende neuer Wohnungen zu bauen stellt die Branche vor enorme Herausforderungen, ganz gleich ob im Grüngürtel oder in der Innenstadt. Schon die Vorgängerregierung hatte sich diesbezüglich hehre Ziele gesetzt, die sich dann doch als illusorisch herausstellten. „Auch im Vereinigten Königreich sind Bauprojekte mit viel Aufwand und Bürokratie verbunden“, sagt Ulrich Hoppe, Geschäftsführer der DeutschBritischen Industrie- und Handelskammer. Zwar handle es sich um ein „Land der Häuslebauer“, in dem große Firmen auch schon mal ganze Straßenzüge entwickeln. Doch durch den Brexit habe sich die Personalsituation nochmals verschärft. „Seither können Unternehmen keine Arbeitnehmer mehr aus der EU entsenden“, sagt Hoppe. Wenn überhaupt, dann müssten sie sich mit britischen Unternehmen zusammentun. „Der Markt ist groß“, sagt Hoppe, „aber trotzdem sehen wir noch keinen Ansturm deutscher Baufirmen.“ Bis in Großbritannien also wirklich massenhaft neue Wohnungen emporschießen, dürften im Green Belt noch einige Golfbälle durch die Gegend fliegen – ganz gleich, ob man das nun mag oder eben nicht. 1 IM STAU Schon heute sind die Autobahnen rund um London im Berufsverkehr überlastet. Hier soll nun eine komplett neue Stadt für 2.500 Personen entstehen 2 ENTLASTUNG Wohnen im Londoner Umland ist extrem teuer. Die Regierung erhofft sich, dass neue Bauvorhaben den Immobilienmarkt entlasten „UNSERE STÄDTE WACHSEN SO STARK, DASS WIR IN DEN NÄCHSTEN JAHREN BIS ZU FÜNF MILLIONEN NEUE HÄUSER BRAUCHEN.“ Brian Berry, Vorsitzender des Bauwirtschaftsverbands Federation of Master Builders 2 1
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