Die Wohnungswirtschaft Leseprobe

BAUEN UND TECHNIK 07 BAUEN UND TECHNIK 31 Das Erdgeschoss liegt leicht unter dem Geländenivau, ist aber voll nutzbar. Die Solarmodule der Balkonsolaranlagen senken die Stromkosten und spenden als positiver Nebeneffekt auch Schatten Seit den 1960er Jahren steht der frühere Verwaltungsbau in vereinheitlichter Geschossbauweise (VGB) in der Poststraße in Sömmerda. Zentral gelegen mit kurzen Wegen zum Bahnhof und anderen ÖPNVAngeboten, zu Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, dem Krankenhaus und der öffentlichen Verwaltung. Ursprünglich vom VEB Büromaschinenwerk genutzt, übernahm die Wohnungsbaugenossenschaft Sömmerda / Thüringen eG (Wobag) das damals nur noch teilweise genutzte Gebäude im Jahr 2014. „Wir hatten sowieso vor, unser Angebot in der Ortsmitte von Sömmerda zu entwickeln und die Zahl barrierearmer Wohnungen in unserem Portfolio zu vergrößern, da kam das Angebot, das Gebäude zu übernehmen, gerade passend“, sagt Frank Richter, Vorstandsvorsitzender der Wobag. Im Gegensatz zu Bürogebäuden mit Großraumbüros ist der Typ VBG gut für die Umnutzung geeignet: Die Tiefe von 14,18 m, die Erschließung per Mittelgang über ein zentrales Treppenhaus, die Orientierung der Wohnungen nach Ost und West sowie das Raster des Tragwerks von 3,60 m erlauben flexible Grundrisse der 42 Wohneinheiten, eine hervorragende Belichtung und einen attraktiven Mix an Wohnungsgrößen. Die reichen von den 27 rund 40 m² großen Zweiraumwohnungen über 13 Dreiraumwohnungen mit 83 m² an den Giebelseiten bis zum Penthouse mit vier Zimmern und 120 m² Wohnfläche. Zusammen mit einer Dreiraumwohnung und einem Studio wurde dieses in Holzständerbauweise auf den ursprünglichen Fünfgeschosser aufgestockt und so die vermietbare Wohnfläche auf insgesamt 2.368 m² erweitert. Das ursprüngliche Kellergeschoss wurde zum Erdgeschoss. Dort ist eine Sozialstation und eine Tagespflege des Arbeitersamariterbunds ASB auf zusätzlich 667 m² Gewerbefläche untergebracht. Im ersten Obergeschoss ergänzt eine Wohngruppe mit acht Zimmern mit jeweils eigenem Bad sowie gemeinsam nutzbarer Küche und einem Gemeinschaftsraum das Angebot an betreutem Seniorenwohnen. Heizen und Kühlen mit erneuerbaren Energien Das ursprünglich mit Fernwärme versorgte Gebäude wird nun ausschließlich über zwei Solewärmepumpen (35 und 50 kW), die ein Sondenfeld mit 18 Tiefenbohrungen à 99 m erschließen, in Kombination mit einer Luftwärmepume (60 kW) beheizt. „Die Anlagenkombination wurde in Bezug auf Investitions- und Energieeffizienz gewählt. Bei Außentemperaturen über 0° sorgt die Luftwärmepumpe für einen effizienteren Betrieb, während die beiden Solemaschinen die konstante Wärmeversorgung bei Minusgraden im Außenbereich gewährleisten. Zudem ist das verfügbare Grundstück nicht groß genug für reinen Erdsondenbetrieb“, erläutert Frank Richter die Beweggründe. Mit einem SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) von durchschnittlich 4,6 wird für ein Bestandsgebäude ein sehr guter Effizienzwert erreicht. Die Wärme verteilt sich über Klimadecken. Im Sommer lassen sich die Wohnungen über die Heizflächen im Natural-Cooling-Verfahren ohne Nutzung der Luftwärmepumpe auch passiv kühlen, indem die Solemaschinen mit der dem Gebäude entzogenen Wärme das Erdsondenfeld regenerieren. Die Fassade erhielt ein Wärmedämmverbundsystem, das Dach wurde außerhalb der im Neubaustandard gedämmten Penthouse-Wohnungen mit einer Flachdachdämmung versehen. „Die Fenster haben wir so weit wie möglich behalten, nur wo bodentiefe Fenstertüren auf die Balkone jeder Wohnung führen, gab es neue Elemente“, erklärt Frank Richter den Ansatz, so viel wie möglich der alten Bausubstanz weiter zu nutzen. „Bei einem Neubau würde man heute nicht mehr so große Fensterflächen vorsehen wie damals für die Büronutzung“, ergänzt Richter. Auch das THEMA DES MONATS Volker Lehmkuhl freier Fachjournalist HERRENBERG

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