28 BAUEN UND TECHNIK DW Die Wohnungswirtschaft 52 BAUEN UND TECHNIK DW 10/2025 vorstellen. Erhalten bleiben die 150 unterschiedlichen Grundrisse der Wohnungen. Ein Blick zurück Das alles sind aber vergleichsweise kleine Probleme im Vergleich zu den Herausforderungen, denen sich die Planer und Bauherren des Komplexes in den 1970er Jahren gegenübersahen. Konzipiert wurde die Anlage vom Projektentwickler Heinz Mosch, der für seine ehrgeizigen Projekte Kapital von westdeutschen Kommanditisten einsammelte. Weil Moschs Firmenkonglomerat in Schieflage geriet, musste die landeseigene Degewo in die Bresche springen. Sie sah sich bald einem gewaltigen Problem gegenüber: Die in Bau befindliche Wohnanlage drohte abzusacken und musste mit Zementinjektionen stabilisiert werden. Nicht zuletzt deshalb erhöhten sich die Baukosten um ein Drittel auf 400 Mio. DM. Und eine schlechte Presse gab es obendrein: „Das als zukunftsweisend gerühmte Objekt erweist sich als gigantische Fehlplanung“, schrieb der „Spiegel“ 1980. Eines aber machten die Planer gut: Von der Autobahn, die in den untersten drei Geschossen des Bauwerks verläuft, ist in den Wohnungen nichts zu hören. Zu verdanken ist das einem System, bei dem Tunnelanlage und Wohnkomplex auf zwei unterschiedlichen Fundamenten stehen. Ohnehin fahren derzeit keine Autos unter den Wohnungen durch: Der 570 m lange Autobahntunnel Schlangenbader Straße ist wegen Schäden an Fahrbahn und Decke auf unbestimmte Zeit gesperrt. Konfliktpotenzial gibt es trotzdem. So fassen die Handwerker im Rahmen der Sanierung beispielsweise auch die Terrassen an, die einen neuen Aufbau mit 50 mal 50 cm großen Betonplatten und eine einheitliche Gestaltung erhalten. Bisher sind viele Terrassen sehr individuell – und damit in deutlichem Gegensatz zum Originalzustand – gestaltet. Dass die Bewohnenden über die Vereinheitlichung nicht immer glücklich sein dürften, lässt sich leicht Um die Energiebilanz zu verbessern, werden unter anderem die Fenster und die Fassadenplatten ersetzt Fotos: Christian Hunziker; Degewo Mut zur Farbe: Die originale Briefkastenanlage im Pilotabschnitt Ein Blick ins Treppenhaus mit dem bauzeittypischen Fußbodenbelag Die Terrassen sind oft sehr individuell gestaltet – nicht zur Freude der Denkmalschützer
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