Die Wohnungswirtschaft Leseprobe

26 BAUEN UND TECHNIK DW Die Wohnungswirtschaft 50 BAUEN UND TECHNIK DW 10/2025 Rund 600 m lang, 46 m hoch, 1.752 Wohnungen: Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, gelegen im Berliner Stadtteil Wilmersdorf, ist ein Gigant. Doch nicht nur die schiere Größe macht die zwischen 1976 und 1980 errichtete „Schlange“, wie die Wohnanlage im Volksmund genannt wird, zu etwas Besonderem: Sie ist auch eines der wenigen Projekte, bei denen es gelungen ist, einen Verkehrsweg mit Wohnungen zu überbauen und so den knappen städtischen Raum effizient zu nutzen. Seit 2017 steht die „Schlange“ unter Denkmalschutz. Jetzt hat die Degewo AG als Eigentümerin des Ensembles mit der seit Langem vorbereiteten technisch und organisatorisch anspruchsvollen Sanierung begonnen (siehe DW 2/2019, Seiten 16-19). Das sei dringend nötig, sagt Elke Benkenstein, Leiterin des Kundencenters West beim landeseigenen Wohnungsunternehmen. „Die Wohnanlage ist insgesamt sanierungsbedürftig“, erklärt Benkenstein und begründet dies unter anderem damit, dass es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Rohrbrüchen gekommen ist. Zwar habe die Degewo fortlaufend in die Instandsetzung zum Beispiel von Dächern und Aufzügen investiert; jetzt sei aber die Zeit gekommen, um in großem Stil aktiv zu werden. Energetische Optimierung Als Pilotprojekt für die Gesamtsanierung hat die Degewo den Gebäudeteil Schlangenbader Straße 28 A-E/ Wiesbadener Straße 59 A-E ausgewählt, der 156 Wohnungen umfasst. Dabei verfolgt die Modernisierung drei Hauptziele, wie Hendrik Rieger, Abteilungsleiter Sanierung bei der Degewo, erläutert: die Ertüchtigung der Gebäudehülle, die Entfernung von Schadstoffen und die Optimierung der Anlagentechnik. Grundlage der Maßnahmen ist ein Denkmalpflegeplan, den das Landesdenkmalamt und das Wohnungsunternehmen im Februar 2023 beschlossen haben. „Die energetische Sanierung im Denkmalschutz ist eine ganz große Herausforderung“, sagt Rieger. Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Energiebilanz leistet die Erneuerung der Fenster, die im Detail mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt wurde. Die neuen Holzfenster mit Zweischeibenverglasung verfügen über einen eingebauten Sonnenschutz, der ein von vielen Mietern beklagtes Problem lindern soll, nämlich die starke Aufheizung der Wohnungen durch Sonneneinstrahlung. Das Anbringen eines außenliegenden Sonnenschutzes verbietet sich durch den Denkmalschutzstatus. Erneuert wird auch die Fassade. Durch die Ersetzung der alten Faserzementplatten wird es zu leichten Anpassungen am Fugenbild kommen. Grund dafür ist laut Hendrik Rieger, dass sich die Normen geändert haben und die ursprüngliche Plattengröße nicht mehr lieferbar ist. Die Vorhangfassade erhält WOHNEN IM DENKMAL Der Koloss über der Autobahn wird saniert Foto: Degewo/Tina Merkau Von Christian Hunziker Vor fast 50 Jahren wurde die Autobahn in Berlin- Wilmersdorf mit einer riesigen Wohnanlage überbaut. Das sorgte für Aufsehen. Heute steht sie unter Denkmalschutz und ist dringend sanierungsbedürftig. Wie die anspruchsvolle Modernisierung am besten umzusetzen ist, erprobt nun die Degewo. Christian Hunziker freier Immobilienjournalist BERLIN

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