Die Wohnungswirtschaft Leseprobe

22 BAUEN UND TECHNIK DW Die Wohnungswirtschaft BAUEN UND TECHNIK DW 09/2025 Es könnte so einfach sein, man könnte alles so laufen lassen, nach und nach seine Bestandsgebäude komplett durchsanieren – inklusive Anlagentechnik und Dämmung der Gebäudehülle. Aber das verbietet sich. Denn erstens dauert es Jahrzehnte und zweitens verschenkt es bis zu diesem Ziel erhebliche Einsparpotenziale zugunsten der Mietenden. Also doch – ohne den kompletten Heizungskeller neu auszustatten – die Installation digitaler Messtechnik? Und zusätzlich erhält man wichtige Informationen für den Heizungstausch. Das Zauberwort heißt also Digitalisierung der Anlagensteuerung. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz und vor allem mit deutlich mehr erfassten Daten als bei den oft noch analog gesteuerten Heizungsregelungen, werden bestehende Heizanlagen aller Art – vom alten Heizölkessel bis zur Wärmepumpe im Hybridbetrieb – auf den tatsächlichen Wärmebedarf abgestimmt. Verbrauchseinsparungen von 10 bis 20 % können erreicht werden, bei sehr schlecht geregelten oder überdimensionierten Anlagen auch mehr. Dazu messen eine Vielzahl von Sensoren Temperaturen und Wärmemengen im Heiz- und Warmwasserkreislauf in Abhängigkeit von Tageszeit und Außentemperaturen. Diese Daten werden über ein sogenanntes Gateway in eine internetbasierte und KI-gestützte Cloudsoftware übertragen, analysiert, mit Wettervorhersagen abgeglichen und automatisiert optimiert. Die so „manipulierten“ Werte werden in Echtzeit an die Anlage zurück übermittelt und regeln diese über die vorhandenen Schnittstellen, etwa den Anschluss des Außentemperaturfühlers. Auch Speicherladezeiten und -mengen sowie Temperaturen für Warmwasser lassen sich so an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Die Software zeigt mit einem Gesamtüberblick (Dashboard) den Zustand der angeschlossenen Anlagen auf jedem PC an. Mit einem Klick geht es dann in die Details der Anlage und ihrer Verbrauchsdaten. Störungen lassen sich so schnell erkennen. Die Pilotphase der Technologie ist abgeschlossen, mehr und mehr Wohnungsunternehmen rollen die Digitalisierung ihrer Heizungskeller auf weite Teile ihres Bestandes aus. Ein Überblick über einige laufende Projekte macht Sinn. Rollout auf mehr als 1.300 Wohneinheiten Die KHW Kommunale Haus und Wohnen GmbH aus Rheda-Wiedenbrück setzt nach guten Erfahrungen in 20 Pilotanlagen auf die vollständige Digitalisierung ihres Bestandes. Technologiepartner ist die Green Fusion GmbH. „Wir haben das feste Ziel, unsere Mietenden bis 2045 mit klimaneutraler Wärme und möglichst viel umweltfreundlichem Strom zu versorgen“, sagt Lars Lippelt, Geschäftsführer des 1953 gegründeten Unternehmens. Dazu hat die KHW die Green Fusion GmbH mit der Steuerung und Optimierung ihres gesamten Bestands von 1.353 Wohneinheiten im südlichen Kreis Gütersloh beauftragt. EntscheiTDM GERINGINVESTIVE HEIZANLAGENOPTIMIERUNG Nicht warten, machen! Foto: Metr/Bildschön/Trenkel Von Volker Lehmkuhl Auf dem Weg zur weitgehend CO2-neutralen Wärmeversorgung fließt noch jede Menge Gas oder Öl in fossile Heizkessel. Nachträglich installierte, digitale Mess- und Steuerungssysteme überwinden starre Regelungsparameter und reduzieren Energieverbrauch und Treibhausgase. Volker Lehmkuhl freier Fachjournalist HERRENBERG

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