Die Wohnungswirtschaft Leseprobe

14 MARKT UND MANAGEMENT DW Die Wohnungswirtschaft 28 MARKT UND MANAGEMENT DW 07/2025 in der Stadt fehlten“, berichtet Jonas Schwartze, zuständig für Innovation und Nachhaltigkeit bei der kommunalen Wohnraumversorgerin. Nutzen können die möblierten Räumlichkeiten Patientinnen und Patienten, die einen Kurzzeitnutzungsvertrag mit dem Wohnungsunternehmen abschließen. In der Nutzungsgebühr von täglich 27,50 € sind alle Kosten einschließlich die für diverse Services, etwa Reinigung und Hausnotruf, enthalten. Die Förderung durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung halte den finanziellen Aufwand bewusst moderat, so der promovierte Medizininformatiker, um ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu machen. Das kommt offenbar gut an. Denn vermehrt fragen Dritte danach, temporär in einer der Wohnungen untergebracht zu werden. Darunter ein junger Mann, der durch einen Motorunfall gelähmt ist und in Braunschweig die Zeit überbrückte, bis seine Wohnung in Helmstedt rollstuhlgerecht umgebaut war. Damit das Projekt nach der Förderphase, die Ende 2025 ausläuft, in den Regelbetrieb gehen kann, müssen noch nachhaltige Finanzierungslösungen gefunden werden. Denn derzeit sieht das Sozialgesetzbuch diese Art der Unterbringung zur medizinischen Rehabilitation nicht vor, weshalb die Kosten dafür auch nicht von der Kranken- oder Pflegekasse übernommen oder erstattet werden. Hier wünscht sich Schwartze ein Umdenken, einerseits im Sinne der Patientinnen und Patienten, andererseits mit Blick auf die im Kontext des demografischen Wandels auf Wohnungsunternehmen zukommenden Herausforderungen, da vermutlich immer mehr pflegerische Versorgungsleistungen in Wohnungen wandern dürften. Wohnen für Übergangsphasen Doch nicht immer ist ein Servicekonzept nötig, damit zielgruppenspezifisches Wohnen funktioniert. Auch bauliche Gegebenheiten können ausschlaggebend sein, dass Wohnraum für einen bestimmten Nutzerkreis entsteht. Die kompakten, größtenteils öffentlich geförderten zwölf Mietwohnungen, die die kommunale Volkswohnung Karlsruhe auf drei Garagenanlagen in ihrer Nachkriegssiedlung im Stadtteil Rintheim erstellte (siehe DW 06/2023, Seite 48-51) und deren Zugang nicht barrierefrei ist, zielen bewusst auf Bewohnende wie Studierende, Auszubildende oder junge Paare ab, die sich in eher übergangsweise orientierten Lebensphasen befinden und deshalb ein zeitlich begrenztes Mietinteresse haben. Jede der Anlagen besteht aus drei Einzimmerwohnungen und einer Zwei- oder Dreizimmerwohnung, die über eine außenliegende Treppe und einen Laubengang erreichbar sind. „Diese Bereiche dienen zugleich als nachbarschaftliche Begegnungsorte und schaffen so innerhalb der Siedlung eine soziale Substruktur und Identität“, sagt Pressesprecherin Pia Hesselschwerdt. Die ersten Mieterinnen und Mieter sind im Herbst 2023 eingezogen. Seitdem habe es teils schon Mieterwechsel gegeben. Grundsätzlich seien alle Wohnungen aber dauerhaft vermietet und sehr nachgefragt. Bei Mietpreisen von rund 7,75 €/m² nettokalt für eine 75 m² große Dreizimmerwohnung und cirka 9,30 €/m² für eine Einzimmerwohnung, die 32 bis 39 m² umfasst, überrascht das wenig, liegen die derzeitigen Wohnkosten etwa für Studierende laut einer Untersuchung des Moses Mendelsohn Instituts doch zwischen 570 und 800 € pro Monat. Die Zielgruppen, die zusätzlich zu bezahlbarem Wohnraum unterstützende Angebote benötigen, sind demnach breit gefächert. Was sie verbindet, ist die in vielen Städten fast ausweglose Situation, für eine Übergangsphase etwas Adäquates zu finden. Sozial orientierte Wohnungsunternehmen schaffen hier vielerorts Abhilfe und arbeiten dafür mit Partnern zusammen. Ihre Angebote können – auch mangels verbreiteter Förderung – nur einen sehr begrenzten Teil der Bedarfe abdecken – zumal sich die gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft ja auch an anderer Stelle engagiert und beispielsweise durch Concierges, Kümmerer in den Siedlungen oder ein Quartiersmanagement zum sozialen Zusammenhalt in den Wohnsiedlungen und Stadtteilen beiträgt (siehe hierzu DW 6/2025, Seite 39). Rund 4,5 Mio. € investierte die Volkswohnung in das beispielgebende Projekt Laut einer in 2023 von der Volkswohnung durchgeführten Umfrage sind acht von zehn Mietenden mit ihrer Wohnung zufrieden Fotos: Volkswohnung/Chiara Bellamoli

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