MARKT UND MANAGEMENT 11 MARKT UND MANAGEMENT 25 Die vier „Kindernester“ im Erdgeschoss der Gebäude stellen sicher, dass die Kinder in einem sicheren und ansprechenden Umfeld heranwachsen Bekanntlich verläuft das Leben nicht immer gradlinig. Einige Abzweigungen sind geplant, manche Kurve kommt plötzlich und es gibt Ereignisse, die markieren einen Scheideweg. Mit Veränderungen im Leben sind oft Fragen verbunden, die das Wohnen betreffen, insbesondere wo und wie gewohnt werden kann, wenn die Lebensumstände übergangsweise unterstützende Angebote erfordern, der Geldbeutel aber schmal ist. Dann wird es schwierig. Denn vermeintliche „Sonderwünsche“, zumal im Bereich preisgünstiger Mietwohnungen, scheinen angesichts der angespannten Wohnungsmärkte vielerorts verfehlt. Dabei ist das Bedürfnis nach vorübergehenden Unterstützungsangeboten im moderaten Mietpreissegment keineswegs ungewöhnlich. Auch und gerade hier gibt es zahlreiche Zielgruppen mit großem Bedarf und kleinem Budget, die sozial orientierte Wohnungsunternehmen bisher jedoch nur selten gezielt adressieren. Gutverdienende haben die Wahl Eine Gruppe, für die reichlich Wohnformen mit allerlei Annehmlichkeiten angeboten werden, ist die der Geschäftsreisenden, gutverdienenden Berufspendler und Studierenden, die nicht auf jeden Cent achten müssen. Sie hat je nach Präferenz die Wahl zwischen Boarding Houses, Serviced Apartments und Wohnkonzepten wie Co- oder Micro-Living. Der aus den USA kommende Trend funktioniert trotz unterschiedlicher Bezeichnungen fast überall nach dem gleichen Geschäftsmodell: Es werden voll ausgestattete Apartments für vorübergehendes Wohnen angeboten. Ihre Größe reicht von 15 bis 40 m². Optional sind Dienstleistungen wie Zimmerreinigung, Wäscherei oder Concierge-Services buchbar. Es gibt Räumlichkeiten für gemeinsame Aktivitäten, etwa Fitnessstudio, Co-Working-Space, Lounge und Event-Küche. Diese bequeme Art, zeitlich begrenzt zu wohnen, hat ihren Preis. In den Top-7-Städten Deutschlands (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) liegt die durchschnittliche All-inclusive-Miete, worin die Kosten für Heizung, Wasser und Strom sowie meist Internet und KabelTV enthalten sind, dem Report „Modern Wohnen in Deutschland“ des Immobiliendienstleisters CBRE zufolge bei rund 40 €/m² pro Monat. Nochmals deutlich teurer sind Serviced Apartments mit monatlich über 70 €/m². In Mittelstädten liegen die Preise bei etwa der Hälfte. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Apartmentservice gibt es deutschlandweit derzeit rund 50.200 Serviced Apartments in rund 930 Häusern. Und die Projekt-Pipeline von Investoren für diese Form des temporären Wohnens ist gut gefüllt. Bis 2027 soll das Segment nach Schätzung der Experten um 27 % wachsen. Ein Zuhause für alleinerziehende Mütter Von so viel Aufmerksamkeit können Alleinerziehende nur träumen, die dringend speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Wohnformen bräuchten, um Beruf und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren zu können. Allerdings stehen sie bei Wohnungsprojekten bisher kaum im Fokus. Dabei ist ihre Gruppe nicht klein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es in 2023 rund 2,4 Mio. alleinerziehende Mütter und rund 500.000 alleinerziehende Väter. Das sind knapp 25 % aller Familien hierzulande, die, so eine Bertelsmann-Studie, meist armutsbetroffen sind und an deren Lage sich über Jahre nichts ändert. Das Wohnkonzept „Home and Care“, das die Stadt Landshut im Rahmen eines EU-Projektes 2022 realisierte, zeigt einen Ausweg aus der Misere. Gemeinsam mit dem Verein ZAK, der Eltern und Tagesmütter durch flexible Betreuungsangebote unterstützt, der ZAKKinderstiftung, der Heiliggeistspitalstiftung soTHEMA DES MONATS Dagmar Hotze freie Journalistin HAMBURG
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