Seite 57 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2014_12

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ke entwickelten die Mitarbeiter der GWG ein
tragfähiges Heizkonzept, in dessen Zentrum die
Versorgung mit Fernwärme stand. Die Überle-
gungen gingen dabei in zwei Richtungen: Wie
kann der Aufwand für das Umrüsten so gering
wie möglich gehalten werden? Und welche Form
der Wärmeerzeugung hat eine möglichst große
Nachhaltigkeit?
Einfache Lösung
Bei der baulichen Umsetzung wurden die veral-
teten Gasthermen der Etagenheizungen durch
Wärmeübergabestationen ersetzt. In einer der
ehemaligen Waschküchen wurde die Hausüber-
gabestation errichtet. Die Grundleitungen zu den
einzelnen Aufgängen wurden im Kellerfußboden
verlegt. Umgerüstet wurden immer alle überei-
nanderliegenden Wohnungen. Die Thermen und
Wasserspeicher wurden ausgebaut und die ein-
gezogenen Abgasrohre entfernt.
Das nun vorliegende Versorgungskonzept zeigt,
welcher Komfort für Mieter erfahrbar ist, wenn zu-
vor mit alten Gasthermen in der Wohnung geheizt
und Warmwasser bereitet wurde. Die dezentrale
Lösung mittels Wärmeübergabestationen ist bei-
spielgebend für die wärmetechnische Sanierung
imBestand. Sie ermöglicht u. a. den Austausch des
Primärenergieträgers – hier Erdgas zu umwelt-
freundlicher Fernwärme –, ohne ein umfangrei-
ches und kostenintensives Rohrleitungsnetz im
Gebäude verlegen zu müssen. Die Zuleitungen zu
den Unterstationen konnten in den bestehenden
Schornsteinen verlegt werden. So hielten sich
auch die Belastungen für die Mieter und der Kos-
tenaufwand für dieWohnungsbaugenossenschaft
in einem erträglichen Maß.
Weitere Vorteile entstehen durch eine vereinfach-
te Messung und Abrechnung des Wärmeenergie-
verbrauchs und die hygienische Trinkwasserer-
wärmung imDurchflussprinzip bei extremkurzen
und somit besonders sicheren Leitungswegen für
Trinkwarmwasser. Typischerweise liegen Therme,
Küche und Bad in solchen Wohnungen Wand an
Wand. Die konstante Temperatur von 55 °C reicht
aufgrund der kurzen Leitungswege aus, um den
Schutz vor Legionellenbefall und anderen Trink-
wasserkeimen gemäß der aktuellen TrinkwV zu
gewährleisten. Eine Warmwasserzirkulation wird
nicht benötigt, wodurch kein Stromverbrauch für
Pumpen anfällt. Auch das entlastet den Geldbeutel
der Mieter.
Kostenvorteile
Die Umstellung auf Fernwärme bietet aber noch
weitere Vorteile. Durch den Verbleib der Überga-
bestationen beim Energieversorger fallen keine
weiteren Folgekosten an. Die Stadtwerke Neu-
ruppin kümmern sich im Rahmen ihrer Versor-
gungsleistung um den Betrieb und die Wartung
der Anlagen. Auch entfällt die kostenaufwändi-
ge Einzelmessung des Wärmeverbrauchs an den
Heizkörpern, da jede Übergabestation über einen
zentralenWärmemengenzähler verfügt. Dadurch
entfällt auch das übliche Umlageverfahren und
der Mieter kommt nur für seinen tatsächlichen
Verbrauch auf. Gleichzeitig reduzieren sich die
Betriebskosten, da die jährlichen Wartungskos-
ten und die Schornsteinfegergebühren entfallen.
Dieser angenehme Umstand verbessert besonders
die Transparenz der Heizkostenabrechnung deut-
lich, was auf großen Zuspruch bei den Bewohnern
stößt. Für die GWG-Mieter ist das Luxus pur. Und
die GWG ist mit diesemAnsatz langfristigwesent-
lich besser aufgestellt, weil der Mieter vonmorgen
sehr genau wissen möchte, wofür er bezahlt und
welche Kosten noch anfallen.
Für die Grundstücks- undWohnungsbaugenossen-
schaft ergeben sich darüber hinaus auch steuer-
liche Vorteile, da sich der Baukostenzuschuss für
die Hausanschlüsse direkt in den Aufwand buchen
lässt.
Übertragbarkeit
In einem Pilotprojekt haben die Mitarbeiter der
GWG und der Stadtwerke das bestehende Konzept
zur Wärmeversorgung aus der Altbausanierung für
den Neubau an der Präsidentenstr./Rosa-Luxem-
burg-Str. weiterentwickelt.
Dabei war es der Genossenschaft sehr wichtig,
im Sinne der Mieter entsprechende Grundlagen
für eine ganzheitliche Dienstleistung zu legen. So
können erstmalig vomVersorgungsunternehmen
sämtliche Leistungen wie Wärme, Warmwasser,
Strom, Kaltwasser und Abwasser direkt mit dem
Mieter abgerechnet werden. Das verringert lang-
fristig auch den Verwaltungsaufwand auf Seiten
der Genossenschaft. DieWohnungsstation wurde
zu diesem Zweck neben einem Warmwassertau-
scher, auch mit einem Kaltwasserzähler ausge-
stattet. Der Durchlauferhitzer hat eine Kapazität
von 14 l/min. Das Durchlauferhitzerprinzip bietet
ebenfalls die bereits beschriebenen Vorteile in Be-
zug auf die Wasserqualität, da keine Speicherung
mehr erfolgt. Die Prüfung nach TrinkwV wird so
ebenfalls eingespart.
Das Gesamtsystem lässt sich mit einer online-ge-
stütztenMonitoring- und Regelungssoftware aus-
bzw. nachrüsten: Derzeit setzen die Stadtwerke
Neuruppin zunächst auf einfache wohnungsbezo-
gene Regelverfahren, umdie Eingriffsmöglichkei-
ten der Mieter auf z.B. Heizzeiten und Temperatu-
ren so einfach wie möglich zu gestalten.
DieWohnungsstation ist ca. 60cmbreitund110cm
hoch. Sie hat eine Tiefe von 16 cm und lässt sich
problemlos in eine Wohnung integrieren. Für die
Zukunft planen die beiden Unternehmen, die
Wärme und den Strom „vor Ort“ zu erzeugen.
So entsteht derzeit ein neues Blockheizkraft-
werk in unmittelbarer Nähe zum Gelände der
Grundstücks- undWohnungsbaugenossenschaft.
Beide Unternehmen fördern damit nicht nur eine
kostengünstige und umweltfreundliche Strom-
und Wärmeversorgung, sondern gewährleisten
auch die Einhaltung der Rahmenbedingun-
gen zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz
(EEWärmeG).
Quelle: PEWO Energietechnik GmbH
Primär
Sekundär
Vorlauf
Wärmenetz
Trinkwarm-
wasser
Vorlauf
Heizkreis
Trinkwasser
Eingang
Trinkkalt-
wasser
Rücklauf
Wärmenetz
Rücklauf
Heizkreis
WOHNUNGSÜBERGABESTATION
Gegründet:
1910 als
Beamten-Wohnungs-Verein Neuruppin
Wohneinheiten:
295
Grund und Boden:
30.758 m
2
Wohnfläche:
19.327 m
2
Mitglieder 2014:
332
Instandhaltungskosten 2013:
31,55 €/m
2
Bilanzsumme 2013:
9,3 Mio. €
Leerstand:
0%
GWG NEURUPPIN EG
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12|2014