CONTROLLER Magazin 1/2020
58 Daten sind die Basis von Wissen, denn bevor die- ses entsteht, müssen Daten zu Informationen transformiert und miteinander verknüpft werden. Anhand von Wissen kann der Entscheider durch das „richtige“ Interpretieren und Handeln schließ- lich Wettbewerbsvorteile generieren. 1 Um die „richtigen“ betriebswirtschaftlichen Entscheidun- gen treffen zu können und somit den langfristigen Unternehmenserfolg sicherzustellen, müssen Controller als Informationsversorger die erforderli- chen Informationen zeitnah zur Verfügung stellen. 2 Relevanz des Themas Aufgrund der weiter steigenden Digitalisierung ist damit zu rechnen, dass Unternehmen zu- künftig noch mehr Daten generieren werden. Dies führt zu einer steigenden Komplexität für Controller und Unternehmensentscheider. Hin- zukommend haben sich die Rahmenbedingun- gen für die Unternehmen aufgrund von Globa- lisierung, Finanzkrise, verkürzten Innovations- zyklen und einer steigenden Volatilität verän- dert. Um dennoch weiter erfolgreich am Markt agieren zu können, müssen Unternehmen heute schneller strategisch und operativ han- deln. 3 Dieser Herausforderung soll mithilfe des Reporting-Factory-Konzepts begegnet wer- den. Unter einer Reporting Factory wird in die- ser Arbeit eine spezialisierte Form des SSCs oder Outsourcings verstanden, das transaktio- nale und eventuell expertenbasierte Tätigkei- ten des Reportings bündelt, um den Control- lern bei ihren Aufgaben der Analyse, Beratung und Entscheidungsunterstützung zu helfen. Ziel dieser Studie ist es, sowohl die gegenwär- tige wie auch zukünftige Relevanz von Re- porting Factories in Industrieunternehmen festzustellen. Des Weiteren sollen der Aufbau einer Reporting Factory wie auch die sich da- durch ergebenden Chancen, Herausforderun- gen und Risiken näher analysiert werden. Ab- schließend werden die auf den Controller und dessen Tätigkeitsgebiet auswirkenden Verän- derungen aufgezeigt. Aufbau der Studie Da der Forschungsgegenstand der Reporting Factory bis dato relativ unerforscht ist, steht im Vordergrund dieser Untersuchung, neues Wis- sen zu generieren und die vielschichtige The- matik zu verstehen. Somit handelt es sich hier- bei um eine explorative Untersuchung. 4 Hierfür wurde das teilstrukturierte Experteninterview als Datenerhebungsmethode ausgewählt. Um ein möglichst umfassendes Verständnis und dif- ferenzierte Perspektiven zu erhalten, wurden sowohl Theorie- wie auch Praxisexperten inter- viewt. Die Theorieexperten wurden über eine ausführliche Literaturanalyse ermittelt. Bei der Auswahl der Unternehmensexperten lag der Fo- kus insbesondere darauf, einen ganzheitlichen Blick der Unternehmenspraxis abzubilden. Hier- für wurden Unternehmen mit unterschiedlichen Umsatzgrößen ausgewählt. Dabei liegt der Min- destumsatz bei 1 Mrd. Euro und der Maximal- umsatz bei 80 Mrd. Euro. Es wird davon ausge- gangen, dass Unternehmen mit einem größeren Umsatz komplexere Strukturen aufweisen und demzufolge über eine höhere Anzahl an Prozes- sen verfügen. Insbesondere in diesen Unterneh- mensdimensionen erscheint eine Aufgabenspe- zialisierung im Sinne der Reporting Factory als möglich bzw. sinnvoll. Insgesamt haben vier Ex- perten aus der Forschung, Lehre, Beratung und 13 Unternehmensexperten aus Deutschland und der Schweiz an der Studie teilgenommen. Begriffsverständnis Der Begriff Shared Service Center hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem etablier- ten Terminus in der Forschung wie auch in der Reporting Factory Eine qualitativ-empirische Untersuchung der Relevanz, Herausforderungen, Chancen und Risiken in Industrieunternehmen von Bilal Chaudhry und Stefan Bantscheff © Victoria – www.stock.adobe.com Reporting Factory
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