Controller Magazin 9/10-2020

68 Controller Magazin | Ausgabe 5 PRAXIS gepasst und die automatischen Störsignale der Verpackungsanlage an die Maschinen- Interfaces (CT-UMPS) angebunden wor- den. Diese CT-UMPS erfassen die Signale der Maschinensensoren und leiten sie an das MES-System HYDRA weiter. Darüber hinaus erfolgte eine Einführung der OEE Berechnung auf Artikelebene. 10 Nachdem dadurch eine ausreichende Datenbasis vor- handen war, konzentrierte sich die Vermu- tung darauf, dass die Verpackungsanlage zu einem wesentlichen Anteil zu der schlechten Anlagenef fektivität des Anla- genverbundes beiträgt. Die Ursache lag in den physikalischen Eigenschaf ten der im Produkt beinhalteten Rohwaren. So schwankten die Größen des zu verpacken- den Produkts mehr als ursprünglich be- rücksichtigt. Zudem entwickelten sich die Verpackungsfolien auf Kundenwunsch wei- ter (bessere Optik und Haptik) und wurden so immer weniger griffig. Folglich konnte die Anlage nicht mehr störungsfrei verpa- cken. Als aus der Analyse abgeleitetes Ziel galt es nun, diese Probleme nachhaltig zu beseitigen, um den OEE auf das Ziel von mindestens 80 % zu steigern. In der sich anschließenden zweiten Phase (DO) ging es im Zusammenspiel mit dem Hersteller der Verpackungsanlage und den verantwortlichen Maschinisten der DEGRO sodann um die Erarbeitung von Gegenmaß- nahmen. Verschiedene technische Maßnah- men, wie z.B. die Reduktion der Zuführungs- geschwindigkeit, Stabilisierung der Produk- te im Zuführungsprozess oder Anpassung der Haltebacken, erschienen dazu unter Zeit- und Kostengesichtspunkten als zeitnah umsetzbar. Die Auswertung der MES-Daten in der Um- setzungsphase bzw. dritten Phase (CHECK) förderte anschließend indes zu Tage, dass die Maßnahmen kaum Wirkung zeigten, so dass ein Rücksprung in die zweite Phase er- folgte. Folgende drei Handlungsalternativen wurden daraufhin erarbeitet: 1. Status Quo belassen und den Ist-OEE akzeptieren, 2. Ertüchtigung der Anlage und Hebung des OEEs um 25 % auf 85 % oder 3. Umstellung auf manuelle Endverpackung. Herstellerseitig gab es für den Fall 2, der Er- tüchtigung, nur die Möglichkeit eines größe- ren technischen Umbaus der Verpackungs- anlage, so dass es nicht nur dieWirksamkeit, sondern auch die Amortisationszeit der Al- ternativen im Rahmen einer Investitions- rechnung zu betrachten galt. Investitionsrechnungen auf Basis vonMES-Simulationen Zu den obigen Handlungsalternativen soll- ten jeweils zwei grundsätzliche Mengenge- rüste unterlegt werden, und zwar: a. die Annahme konstanter Mengen (IST- Menge) sowie b. eine vertriebsseitige Absatzmengenstei- gerung um 30% (max. Menge). Bei der manuellen Endverpackung (Hand- lungsalternative 3) konnte der geforderte OEE von 80% unmittelbar umgesetzt wer- den, so dass bei dieser Alternative kein In- vestitionsbedarf auf trat. Somit gab es je Mengengerüst drei verschiedene Szenarien:  ■ Szenario 1: IST-Menge, IST-OEE (60%), maschinelle Endverpackung (Referenz)  ■ Szenario 2: IST-Menge, OEE (85%), maschinelle Endverpackung  ■ Szenario 3: IST-Menge, OEE (85%), manuelle Endverpackung sowie  ■ Szenario 4: max. Menge, IST-OEE (60%), maschinelle Endverpackung (Referenz)  ■ Szenario 5: max. Menge, OEE (85%), maschinelle Endverpackung  ■ Szenario 6: max. Menge, OEE (85%), manuelle Endverpackung Abb. 4: Kostenvergleichsrechnung der Handlungsalternativen auf Basis der Mengenszenarien Abb. 5: Amortisationsrechnungen der Handlungsalternativen auf Basis der Mengenszenarienlatem

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