Controllermagazin 6/2020

69 Controller Magazin | Ausgabe 6 IT / DIGITALISIERUNG gestellt werden, wurde als Online-Befragung im Zeitraum vom 06. Februar bis 14. Mai 2020 durchgeführt. Zielgruppe der Befragung wa- ren Führungskräf te mittelständischer und großer Unternehmen in Deutschland. Ange- sichts der Zielsetzung der Studie umfasste der Fragebogen die Themenkategorien Ein- schätzung des Markt- und Wettbewerbsum- feldes, technologische und organisatorische Ausgestaltung von Daten und Analytics, Ein- schätzung der Innovationsaktivitäten sowie den Einsatz von Analytics für Innovationen. Die Rückläufe wurden zunächst auf Konsis- tenz des Antwortverhaltens geprüft und ge- filtert, so dass ein verwertbarer Stichproben- umfang von 142 verblieb. Die Einschätzungen der Teilnehmer wurden auf einer 5-stufigen Skala erhoben. Dabei gelten die Skalenwerte 1–2 (Sehr niedrig/Niedrig), 3 (Durchschnitt- lich) sowie 4–5 (Hoch/Sehr hoch). Die meisten der Befragten (66%) nahmen eine unternehmenssteuernde Funktion in ih- rer Organisation ein, gefolgt von Rechnungs- wesen/Finanzen (15%) und IT (7%). Die Um- frageteilnehmer repräsentierten Unterneh- men aus verschiedensten Branchen. Am häufigsten vertreten waren die Branchen Unternehmensberatungen/IT Dienstleister ( 9%), Handel (9%), Chemie, Öl und Gas (9%), gefolgt von Informationstechnologie (8%) und Automobilbau (7%). 44%der Unterneh- men stammen aus demMittelstand (bis eine Milliarde Euro Umsatz), rund 56% repräsen- tieren Großunternehmen. Letztere verteilen sich gleichmäßig auf die Untergruppen Mitt- lere Großunternehmen (bis fünf Milliarden Euro Umsatz) und große Großunternehmen (über fünf Milliarden Euro Umsatz). Knapp 93% der Unternehmen haben ihren Haupt- sitz in der DACH-Region, davon 84 % in Deutschland, 5% in Österreich und 4% in der Schweiz, während 5% auf andere euro- päische Länder und 2% auf sonstige Länder außerhalb der EU entfallen. Ein Viertel der befragten Unternehmen gab an, börsenno- tiert zu sein. Über die Hälfte (54%) gab an, Marktführer in Europa oder auf einem ande- ren Kontinent zu sein. 29% der befragten Unternehmen bedienten einen rein nationa- len Markt, 14% den EU-Markt und 57% sind auf dem globalen Markt aktiv. Digitalisierungslücke I: Niedrige analytische Reife Das Markt- und Wettbewerbsumfeld wird von den Studienteilnehmern als herausfor- dernd/sehr herausfordernd beschrieben. Spitzenreiter ist dabei die Komplexität (4,2 auf einer 5 stufigen Skala), gefolgt von der Wettbewerbsintensität (4,0). Auf Platz 3 folgt die Veränderungsgeschwindigkeit/ Dynamik mit 3,7. Der Wettbewerb durch neue, auch branchenfremde Wettbewerber wird dagegen eher als unterdurchschnittlich hoch eingeschätzt (2,6). Der Einfluss der Digitalisierung auf die ei- gene Branche wird von den Studienteilneh- mern als sehr hoch eingeschätzt. 72% der Befragten gaben an, sehr stark/stark be- trof fen zu sein. 25% sahen sich durch- schnittlich und lediglich 4% wenig/sehr wenig betroffen. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass die Größe der Unter- nehmen bei dieser Einschätzung keine Rol- le spielte. Auffällig ist, dass zwar der Einfluss der Digi- talisierung auf die eigene Branche sehr hoch eingeschätzt wird, gleichzeitig aber die dis- ruptive Wirkung der Digitalisierung auf Branchen und Unternehmen deutlich niedri- ger bewertet wird. Aus Sicht der Studienteil- nehmer sind eher effizienzorientierte As- pekte entscheidend, wie z. B. die Optimie- rung bestehender eigener Geschäftsprozes- se oder die Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb bestehender Geschäf tsmodelle (vgl. Abb. 1). Aus Sicht der Autoren ist dies eine gefährli- che Fehleinschätzung. Im Vergleich zu digi- talen Champions wird offensichtlich immer noch zu analog gedacht und die disruptive Wirkung von Digitalen Produkten/Services i.V.m. massiv unterschätzt (Seufert/Treitz 2020). Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde auf der Basis umfangreicher Literaturanaly- sen ein analytisches Reifegradmodell entwi- Summary Dieser Artikel ist Teil einer mehrteiligen Reihe zum Themenfeld Digitale Transfor- mation und Controlling des ICV Fachkrei- ses BI/ Big Data und Controlling. Im ak- tuellen Beitrag soll die Digitalisierungslü- cke thematisiert werden. Empirische For- schungsergebnisse zeigen, dass sich die digitale Kluft zwischen den Unterneh- men zunehmend vergrößert. Diese Spal- tung („Digital Divide“) ist nicht mehr ausschließlich zwischen datengetriebe- nen Tech-Konzernen und „klassischen“ Unternehmen zu beobachten, sondern zeigt sich auch zwischen „klassischen“ Unternehmen. Dies birgt die Gefahr, dass eine große Zahl von Unternehmen im Wettbewerb abgehängt werden. Insbe- sondere auch deshalb, weil die Geschwin- digkeit der Digitalen Transformation massiv zunimmt, so dass aktuelle Rück- stände immer schwerer aufzuholen sind. Abb. 1: Einschätzung Auswirkungen der Digitalisierung auf die eigene Branche (Detail)

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