Controllermagazin 6/2020
64 Controller Magazin | Ausgabe 6 IT / DIGITALISIERUNG hier analytische Fähigkeiten genannt, um die Rationalitätssicherung zu gewährleisten. Die Beherrschung von Bewertungs- und Steuerungsinstrumenten zählt ebenso zu den notwendigen Fähigkeiten wie Kommu- nikationsfähigkeit und ausgeprägte Ge- schäftskenntnisse. Darüber hinaus müssen Controller über ein gutes Einschätzungsver- mögen verfügen, um auf Präferenzen und Einstellungen entsprechend eingehen zu können. Ebenso sollten Controller über ein hohes Maß an Standfestigkeit verfügen, um die Koordinationsfunktion neutral und un- bestechlich ausüben zu können (vgl. Gän- ßlen et al. 2013). Oesterreich und Teuteberg (2019) konnten feststellen, dass im Zuge der Digitalisierung analytische Fähigkeiten, Ge- schäftsverständnis sowie Kommunikations- fähigkeit als wichtigste Fähigkeiten klassifi- ziert wurden, dicht gefolgt von IT-Kenntnis- sen. Kenntnisse in Statistik und Mathematik spielen in der Controlling-Praxis aktuell kei- ne bedeutende Rolle (vgl. Oesterreich/Teu- teberg 2019). Untersuchungsdesign Zur Analyse von österreichischen Control- ling-Leitern wurde zwischen Juni und Sep- tember 2019 eine Online-Befragung unter Controlling-Leitern in österreichischen Großunternehmen durchgeführt. Organi- siert wurde die Untersuchung als Kooperati- onsprojekt zwischen dem Institut für Con trolling & Consulting und dem Institut für Angewandte Statistik der Johannes Kepler Universität Linz. Finanziell unterstützt wur- de dieses Projekt von der Schulmeister Ma- nagement Consulting GmbH, einem auf das Finanz- und Rechnungswesen spezialisier- ten Personalberatungsunternehmen. Im Rahmen der Befragung wurden 403 Ein- ladungen zur Teilnahme an der Studie per E- Mail versandt. Hiervon erwiesen sich 83 Da- tensätze als verwertbar, was einer Netto- Rücklaufquote von 20,6% entspricht. Die Untersuchung fokussiert sich auf große Un- ternehmen. In Anlehnung an die Klassifizie- rung der Europäischen Kommission wurden Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbei- tern sowie einem Jahresumsatz von mindes- tens 50 MEUR oder einer Bilanzsumme von mindestens 43 MEUR untersucht. Beschreibung der Stichprobe Rund 41% der befragten Controlling-Leiter können dem Altersbereich zwischen 36 und 45 Jahren zugeordnet werden. Ca. 30% der Teilnehmer gaben an, zwischen 46 und 55 Jahren zu sein. Bei genauerer Betrachtung der Detailergebnisse kann festgehalten wer- den, dass rund 51% zwischen 40 und 50 Jah- ren alt sind. 72% aller Teilnehmer sind männlich, während 28%weiblich sind. Mehr Summary Das veränderte Rollenverständnis des Controllers und das damit einhergehende Anforderungsprofil werden seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Vor allem die Digitalisierung wird als Chance angese- hen und könnte die Rolle des Business Partners nochmals verstärken. Der vor- liegende Beitrag beschreibt und charak- terisiert Controlling-Leiter in österreichi- schen Großunternehmen. Dazu werden Studienergebnisse aus dem Jahr 2011 mit einer im Jahr 2019 durchgeführten Folge- untersuchung einem Vergleich unterzo- gen. Die subjektive Rollenwahrnehmung und die relevanten Fähigkeiten stehen dabei im Zentrum der Betrachtung. Abb. 1: Hierarchieebene der Controlling-Leiter Abb. 2: Ausbildung der Controlling-Leiter
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