Controllermagazin 6/2020
61 Controller Magazin | Ausgabe 6 IT / DIGITALISIERUNG räten wie Smartphones oder Tablets zeitlich und örtlich flexibel auf Unternehmensdaten zuzugreifen. Dies führt einerseits zu einer Demokratisierung des Informationszugangs im Unternehmen, andererseits aber auch zum Wegfall eines großen Teils der traditio- nellen Controlling-Aufgaben. Die Reduktion des Aufgabenspektrums wird zudem da- durch verstärkt, dass für die Kommentierung der verbleibenden Reports künstliche Intelli- genz und Crowd-Konzepte eingesetzt wer- den können (Schäffer 2017a, S. 52f). Voraussetzung dafür ist eine weitgehende Standardisierung und Automatisierung des Berichtswesens. In der Praxis wird die Er- stellung von Standard-Reports schon seit langem stark automatisiert oder in Shared Service Center ausgelagert, um dem stetig ansteigenden Effizienzdruck zu begegnen. Durch die Möglichkeiten der digitalen Transformation wird sich der Trend zu auto- matisierten und zentralisierten Berichtspro- zessen zwar weiter fortsetzen, das gerne praktizierte Outsourcing von Reporting-Ak- tivitäten in Shared Service Center in Nied- riglohnländern könnte allerdings künftig an Relevanz verlieren, da standardisierbare Re- portingprozesse mittlerweile auch von Software-Robotern im Inland abgewickelt werden können. Durch sogenannte Robotic Process Automation (RPA) lassen sich Stan- dardberichte vollautomatisiert in kurzer Zeit zu sehr niedrigen Kosten erstellen (Grönke et al. 2017, S. 97ff). RPA kann vor al- lem auch dort zur Effizienzsteigerung und Qualitätserhöhung im Reporting beitragen, wo bislang eine Prozessauslagerung in Sha- red Service Center mangels kritischer Größe nicht sinnvoll war, wie dies häufig in mittel- ständischen Betrieben der Fall ist. Die dadurch freiwerdenden Kapazitäten im Controlling können genutzt werden, um hö- herwertige Aufgaben zu übernehmen, wie etwa die Validierung, Analyse und Kom- mentierung von geschäftsspezifischen Ent- wicklungen und Sonderef fekten oder die aktive Beratung des Managements in Ent- scheidungsprozessen. Zudem müssen Con troller auch künftig die ökonomische Reali- tät in Zahlen übersetzen sowie die Geschich- te hinter den Zahlen kennen und entspre- chend verpacken können. Die Analyse von Geschäf tsentwicklungen wird durch die Digitalisierung ebenfalls er- heblich beeinflusst, da in einer zunehmend datengetriebenen Wirtschaft die generier- ten Big Data entscheidungsorientiert ausge- wertet und untersucht werden müssen. In diesem Kontext spielt vor allem die als Busi- ness Analytics bezeichnete Fähigkeit, struk- turierte wie unstrukturierte Unternehmens- daten mit geeigneten quantitativen und sta- tistischen Verfahren zu analysieren und da- mit zur Wertsteigerung beizutragen, eine zentrale Rolle. Im Rahmen von Business Analytics werden ausgehend von gesam- melten Daten und beschriebenen Zusam- menhängen (Descriptive Analytics) zunächst die Ursachen für die erkannten Korrelatio- nen bestimmt (Diagnostic Analytics). Auf- bauend darauf werden mit den bereits be- schriebenen Verfahren der Predictive Analy- tics Prognosemodelle entwickelt, die schließlich herangezogen werden, um kon- krete Maßnahmenempfehlungen für die Unternehmensführung abzuleiten (Prescrip- tive Analytics) (Internationaler Controller Verein 2017). Die damit verbundenen Aufgaben werden in der Regel von den bereits erwähnten Data Scientists übernommen, die jedoch Control- ler auch langfristig nicht ersetzen können. Das betriebswirtschaf tliche Steuerungs- Abb. 3: Einflüsse der Digitalisierung auf das Management Reporting
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==