Controllermagazin 6/2020
55 Controller Magazin | Ausgabe 6 AKC-KOLUMNE Die Hypothesen wurden mit linearen Regressionsmodel- len überprüft, siehe Abb. 2. Handlungsempfehlung Die Ergebnisse der Analyse der Hypothesen zeigen, dass Hypothese 1 und Hypothese 2 verworfen werden müssen. Hypothesen 3 und 4 kön- nen hingegen beibehalten werden. Unternehmen, die ausschließlich von Fremdmanagern geführt werden, nutzen häufiger kundenorientierte und cashorientierte Kennzahlen. Dies ergibt interessante Implikationen. Zum einen ist der pauschale Befund, dass Familienunternehmen per se weniger Kennzahlen nutzen als Nicht-Familienunterneh- men, aus der Studie nicht ableitbar. Vielmehr scheint die Thematik des Fremdmanagements einen größeren Einfluss auf die Nutzung der entspre- chenden Kennzahlen zu haben. Hierfür würden sich zwei Erklärungsansätze anbieten: Entweder nutzen in einem Familienunternehmen, das von einem Fremdmanagement geleitet wird, die Fami- lien-Eigentümer die Kennzahlen als Diagnostic Control Systems im Sinne von Simon und somit als Kontrollinst- rument, um Principal-Agent-Konflikte zu vermeiden, Prof. Dr. Robert Rieg ist Professor für Controlling und Prodekan für Forschung der Fakultät Wirtschafts wissenschaften an der Hochschule Aalen. robert.rieg@hs-aalen.de oder aber die Fremdmanager regen die Nutzung derarti- ger Kennzahlen und somit eine „Professionalisierung“ in den Unternehmen an (vgl. Hiebl et al. 2015). Ausblick Familienunternehmen sollten prüfen, ob Kennzahlen im Unternehmen eher zur Unternehmens- steuerung, Steigerung der Stakeholderorientierung oder internes Kontrollinstrument genutzt werden sol- len. Dies bedeutet, dass der bestehende Katalog an Kennzahlen dokumentiert und einer „Inventur“ unter- zogen werden sollte. Gesellschaf ter/Gesellschaf ter-Geschäftsführer und – falls vorhanden – externe Ge- schäf tsführer sollten sich auf maximal 5-8 wichtige Kennzahlen verständigen und diese jeweils mit dem Zweck der Erhebung (z. B. Unternehmenssteuerung, Bonus-Bemessung) verknüpfen. Literatur ■ Hiebl, M. R., Duller, C., Feldbauer-Durstmüller, B., Ulrich, P. (2015). Family influence and management accoun- ting usage – Findings from Germany and Austria, in: Schmalenbach Business Review, 67(3), S. 368-404. ■ Ulrich, P. (2014). „Controllen“ Familienunternehmen anders als Nicht-Familienunternehmen, in: Familien- unternehmen und Stiftungen 5/2014, S. 171-176. ■ Simons, R. (2013). Levers of Control. Boston. ■ Vanini, U., Bertram, A. (2012). Kennzahlen in Familien- unternehmen. Erfolgreiche Nutzung in der Unterneh- menssteuerung? Göttingen: GHS-Verl. ■ Wiesehahn, A., Görres, P. (2018). Hypothesen zur Aus- gestaltung des Controllings in Familienunternehmen, in: Nachhaltiges Wirtschaften im digitalen Zeitalter, Springer Gabler, Wiesbaden, S. 91-103. ⬛ Abb. 1: Levers of Control nach Simons (2013), S. 7 Arbeitskreis Controlling-Professuren an Hochschulen Sprecher dieser Artikelreihe: Prof. Dr. Andreas Wiesehahn, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, E-Mail: andreas.wiesehahn@h-brs.de Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Hanno Drews (Verhaltensorientiertes Controlling), Prof. Dr. Nicole Jekel (Marketingcontrolling), Prof. Dr. Britta Rathje (Operatives Controlling, insb. Kosten- und Erfolgsmanagement), Prof. Dr. Solveig Reißig-Thust (Controlling und Compliance, Value Based Management, Unternehmensbewertung, Controlling in Gründungsunternehmen), Prof. Dr. Andreas Taschner (Management Reporting, Investitionscontrolling, Supply Chain Controlling), Prof. Dr. Andreas Wiesehahn (Einkaufscontrolling, Nachfolge- controlling, Nachhaltigkeitscontrolling) Prof. Dr. habil. Patrick Ulrich ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung und -kontrolle und Sprecher des Aalener Instituts für Unternehmensführung (AAUF) an der Hochschule Aalen. patrick.ulrich@hs-aalen.de Abb. 2: Studienergebnisse Arbeitskreis Controlling-Professuren an Hochschulen
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