Controllermagazin 6/2020
54 Controller Magazin | Ausgabe 6 RUBRIK Kennzahlen in Familienunternehmen Von Patrick Ulrich / Robert Rieg Problem Familienunternehmen (FU) sind aufgrund der langfristigen Orientierung so- wie vieler (welt)bekannter Marken für die deutsche Volkswirtschaft sehr wichtig. Das Controlling und die Nutzung von Kennzah- len in diesen Unternehmen wurden jedoch noch nicht umfassend untersucht (vgl. Wie- sehahn/Görres 2018). Ziel Der Beitrag möchte Erklärungsbeiträge und Handlungsempfehlungen zur Nutzung cash- und mitarbeiterorientierter Kennzah- len in Familienunternehmen geben, da die- se bisher weniger als markt- und wertorien- tierte Kennzahlen diskutiert werden. Methode Theoretische Argumentation und empirische Erhebung Beschreibung Die Literatur postuliert, dass Controlling in Familienunternehmen anders funktioniert als in Nicht-Familienunterneh- men (vgl. Ulrich 2014). Bezogen auf Kenn- zahlen findet sich sowohl die Meinung, dass Familienunternehmen mehr nicht-finanzi- elle Kennzahlen verwenden, da sie nachhal- tiger und stakeholderorientierter sind, als auch die Meinung, dass sie insgesamt weni- ger tun, da sie weniger „professionell“ sind. Für die Unterstützung wurden die Levers of Control nach Simons (2013) genutzt. Danach kann es sein, dass Familienunternehmen mehr Werte (Beliefs) nutzen als Kennzahlen im engeren Sinne (vgl. Abb. 1). Zu diesem Themenbereich wurde im 3. Quartal 2017 eine empirische Befragung bayerischer Unternehmen anhand eines standardisierten Online-Fragebogens durch- geführt. Die Items orientieren sich an Vanini/Bertram (2012). Es wurden 6.066 Unterneh- men per E-Mail kontaktiert. Insgesamt nah- men 290 Unternehmen an der Umfrage teil (Rücklaufquote von 4,78%). Der Fragebogen wurde zu 59% von Mitglie- dern der 1. Führungsebene, zu 28% von Mit- gliedern der 2. Führungsebene und zu 13% von Führungskräften der 3. Führungsebene oder darunter durchgeführt. Der Anteil der Unternehmen in mehrheitli- chem Familienbesitz (>75%) lag in der Stich- probe bei 75,2%. Des Weiteren beschäftigen 42,7% der antwortenden Familienunterneh- men einen Fremdmanager in der Geschäfts- führung. Für die Erhebung wurden insge- samt vier Hypothesen gebildet: Hypothese 1: Ein höherer Eigentumsanteil führt zu einer geringeren Nutzung cash orientierter Kennzahlen. Hypothese 2: Ein höherer Eigentumsanteil führt zu einer geringeren Nutzung kunden- orientierter Kennzahlen. Hypothese 3: FU, die ausschließlich von Fremdmanagern geführt werden, erheben häufiger cashorientierte Kennzahlen. Hypothese 4: FU, die ausschließlich von Fremdmanagern geführt werden, verwen- den häufiger kundenorientierte Kennzahlen. KENNZAHLEN ©StudioRomantic–www.adobe.com
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