Controllermagazin 6/2020
51 Controller Magazin | Ausgabe 6 Zudem hat das den weiteren Vorteil, dass die meist längeren Achsenbezeichnungen bei Strukturanalysen ohne Abkürzungen und Textverdrehungen vorgenommen wer- den können. Natürlich gibt es viele andere Diagrammtypen mit zwei und mehr Wert- achsen – aber Säulen und Linien für die Zeit und Balken für die Struktur machen den Großteil der bei unserer Arbeit benötigten Diagrammtypen aus. Deshalb lohnt sich hier ein Standard. Abbildung 7 zeigt in verein- fachter Form, wie die Zahlenwerte der bei- den Diagramme von Abbildung 6 besser vi- sualisiert werden können. Einfache Verständlichkeit Die wichtigste Anforderung an ein Dia- gramm ist, dass es etwas aussagen soll, es soll eine gewisse Botschaft vermitteln. Bei Tabellen ist das anders, Tabellen muss man in vielen Fällen selbst studieren, sie können vie- le Botschaften vermitteln, selten werden sie zur Vermittlung einer einzigen klaren Bot- schaf t verwendet. Ich musste feststellen, dass die meisten der untersuchten Diagram- me nur in Verbindung mit den jeweiligen Bei- tragstexten verständlich sind – einige ver- steht man selbst dann nur mit Einschränkun- gen. Für sich allein sagen nur wenige der un- tersuchten Diagramme etwas aus. Wie schön wäre es doch, wenn man sich beim Durch- blättern des Magazins zunächst einmal die Diagramme samt Abbildungstexten (in gan- zen Sätzen!) anschauen könnte, um so schon einmal einen ersten Eindruck von den Beiträ- gen zu erhalten. Das funktioniert heute aber nicht. Von den insgesamt 272 analysierten Diagrammen sind lediglich 20 Prozent ohne Studium des Artikeltextes verständlich. Ich habe die Forderung nach einfacher Ver- ständlichkeit an den Schluss gestellt, aber sie müsste imMittelpunkt stehen: Als Auto- ren dieses Magazins – und natürlich auch in unserer praktischen Arbeit als Controller – sollten wir in der Lage sein, unser Anliegen klar und verständlich zu vermitteln. Das setzt natürlich erstens voraus, dass wir et- was zu sagen haben, was die Lesenden inte- ressiert und zweitens verlangt es nach ge- eigneten Werkzeugen bei der Umsetzung – und hier sind gute Diagramme of t die erste Wahl. Mein Fazit Ich bin ein langjähriger Leser dieses Maga- zin und dem Internationalen Controller Ver- ein seit 1988 als Mitglied verbunden. Mein Ziel dieses Beitrags war es, auf die Bedeu- tung der visuellen Kommunikation bei un- seren Fachbeiträgen und auch in unserer Arbeit als Controller hinzuweisen. Nach- dem ich mich seit Jahren mit den von der IBCS Association vorgeschlagenen «Stan- dards» für visuelle Darstellungen bei der Geschäf tskommunikation – vor allem bei Diagrammen und Tabellen – beschäftige, komme ich zum Schluss, dass deren Beach- tung zur weiteren Verbesserung dieses Ma- gazins beitragen könnte. Die vorgeschlage- nen Gestaltungsrichtlinien für Autoren sind gut – aber bei der praktischen Umsetzung gibt es noch Luft nach oben.Ich danke Rolf Hichert, Präsident der IBCS Association, dass ich mit ihm bei der Vorbereitung die- ses Artikels ausführlich über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Visualisierun- gen diskutieren konnte. ⬛ Fußnoten 1 Mailumfrage vom 9. April 2020, 6 Rückmeldungen 2 www.ibcs.com/de/consultants 3 Gestaltungsrichtlinien (GR) für fachliche Abbildungen des Controller Magazins, 8 Seiten, Version vom 4. Januar 2016. Diese GR sind nicht öffentlich zugänglich, sie werden den Autoren von der Redaktion zur Verfügung gestellt. 4 https://www.ibcs.com/de/standards 5 E. Tufte: Visual Display of Quantitative Information. Graphics Press 2001, S. 93 6 siehe R. Hichert und J. Faisst: Gefüllt, gerahmt, schraffiert. Vahlen 2019 7 Es wurden diejenigen Darstellungen als Schaubild angesehen, die in den Artikeltexten mit «Abb.» bezeichnet wurden 8 siehe CM-Gestaltungsrichtlinien Seite 3 ff. 9 Die ist der SIMPLIFY-Ansatz der SUCCESS-Regeln, siehe www.ibcs.com/standards PRAXIS Abb. 7: Hier sind die Zahlenwerte der Abbildung »richtig« umgesetzt (mit Chart-me realisiert)
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